Zum Thema Visa-Trick und "ich bin ja so froh, daß ich von meiner eigenen Regierung schlecht behandelt werde" (die dümmsten Schafe wählen sich ihre Metzger selbst):
das europäische Recht zur Freizügigkeit von Unionsbürgern und ihren Angehörigen aus Drittstaaten ist kein Trick, sondern über viele Hürden mit vielen Beteiligten über viele Jahre ausgehandelt, ratifiziert und von allen EU-Staaten akzeptiert worden. Unter anderem mit der (begründeten) Hoffnung, daß dann in keinem EU-Staat mehr jemand in einem hoffnungslos abgehängten Landstrich sitzenbleibt und Hartz IV bezieht.
Wer Angst davor hat, seinen Kopf zum Denken zu benützen, der sollte sich auch keinen marokkanischen Ehemann zulegen - der definiert seine Männlichkeit nämlich hauptsächlich darüber, inwieweit er fähig ist, seine Frau, seine (Herkunfts)-Familie und seine Kinder ernähren und beschützen zu können (weniger über den hierzulande so wichtigen "sozialen" Status): ich habe in dieser Hinsicht gut reden, weil mein Mann und ich die Familiengründungsphase weit hinter uns haben und seine wie meine Kinder aus erster Ehe groß und weitgehend aus dem Haus sind (wir also nur noch mit uns beiden auskommen müssen).
Trotzdem erlebe ich einen anderen Mann in Marokko, einen anderen in Frankreich und nochmal einen anderen in Deutschland: in Deutschland fährt er sozusagen mit "Standlicht", vermeidet jedes Aufsehen, benimmt sich vorzüglich und vorbildlich und bleibt am liebsten mit mir allein in meiner nächsten Umgebung. In Frankreich ist sein Aktionsradius schon wesentlich grösser, gleichzeitig aber durchsetzt von der ghettogeprägten marokkanischen Verwandtschaft und deren Paranoia, die meinem Mann je länger er mit mir zusammen ist, desto provinzieller vorkommt. Nur in Marokko fährt er sozusagen mit allen sechs Flutscheinwerfern aufgeblendet und ist ganz in seinem Element: Herr seiner Welt und mit jeder nur denkbaren Rückversicherung durch Familie, Einkommen, Ressourcen und beruflichen Verbindungen ausgestattet.
Wer es sich leisten kann, sollte also seinem marokkanischen Mann nach Marokko folgen. Wer es sich nicht leisten kann, dem sollte der Staat nicht vorschreiben können, mit wem er leben will.
Josi