Hallo
Für Diskussionen bin ich gerne bereit. Was heute in Marokko allgemein und am Nord-Marokko besonders passiert, ist kein Zufall, sondern eine Strategie, die Marokko von Anfang an mit Hilfe von Marktanalysen von Unternehmensberater wie McKinsey (Programm "Emergence" )und Co entwickelt haben. Leider wurde die Durchführung dieser Strategien Leuten anvertraut, die nicht langfristig denken.
Der Anfang ist schon bekannt. Die ersten Projekte wurden gestartet: Tourismusprojekt 10 Millionen Touristen bis 2010 und das Sozialwohnungs-Projekt. Die wichtigsten Gewinner waren die Regionen Casablanca, Marrakesch, Agadir. Dann folgten andere Projekte im Bereich Immobilien und dem Dienstleistungssektor. Die marokkanische Regierung hat darauf reagiert und neue Spielregeln gesetzt (neue Reform im Immobilienrecht/ Zinssenkung durch Fondsgarantie für Banken/ Steuerreformen, um ausländische Investoren nach Marokko zu holen/ Unterstützung bei Unternehmensgründung und mehr).
Jede Region in Marokko hat sich auf bestimmte wirtschaftliche Aktivitäten spezialisiert. Man spricht über ein sogenanntes Regionalmarketing. Zum Beispiel hat die Region Casablanca sich international als Dienstleistungsstandort vermarktet. Die Region von Marrakesch als Tourismusstandort, die Region Fes als Agrikulturstandort usw. Bis dahin waren die Regionen Tange und Oriental noch nicht im Programm integriert.
Nach acht Jahren wurden neue Standorte gesucht. Mit der alten Aufteilung wurden nicht alle Ziele erreicht. Zum Beispiel kann Casablanca heute den Druck der Nachfrage nicht mehr halten. Der Hafen von Casablanca ist ausgelastet und weitere Erweiterungen sind unmöglich. Daher wurden neue Überlegungen und Entscheidungen getroffen: Ein Standort mit Zukunft. Das ist der neue Slogan für Tanger und die Region Oriental. Dort liegt die Zukunft Marokkos.
Jetzt ist die Frage: Ist Tanger richtig ein Standort mit Zukunft? Von vielen wurde die Frage mit Ja geantwortet: Nah zu Europa, super Lage, Wirtschaftsfaktoren wie Arbeitskräfte sind vorhanden usw. Die Rolle der marokkanischen Regierung bestand darin, die Infrastrukturen in der Region von Tanger und Umgebung zu erweitern.
Was die Investoren brauchen, um in Marokko zu investieren, sind zum Beispiel Verkehrsanbindungen, Grundstücke, Rohstoffe, Arbeitskräfte und Subventionen. Für große Unternehmen sind zwei Kostenfaktoren sehr wichtig: billige Arbeitskräfte und Logistik. Logistik heißt, dass die Lagerkosten und Transportkosten niedrig sein müssen, damit man hohe Gewinne erzielen kann. Dazu kommt auch der Absatzmarkt. Der Europäer Absatzmarkt ist nicht weit weg von Marokko, im Vergleich mit Ostländer wie Rumänien zum Beispiel. Der Absatzmarkt Marokkos hat ein großes Potential. Die Nachfrage nach Produkten, wie Autos, Kleidung, Lebensmittel, Möbel und Elektronik ist sehr gestiegen.
Jetzt warten alle auf die Investoren, die durch Steuerbegünstigungen, Subventionen und ähnliches angelockt wurden. Diese Investoren sind internationale Firmen, die überall in der Welt aktiv sind. Sie bringen KAPITAL, WISSEN und ERFAHRUNGEN mit. Und jetzt stellt sich die Frage: was hat Marokko davon? Naja, vieles. Image, Bekanntheit im Ausland, Prestige und neue Arbeitsplätze. Naja und vielleicht, wenn diese Investoren irgendwann in die marokkanische Unternehmen Vertrauen haben, können sie ihre Dienstleistungen outsourcen. Ja das ist der einzige Gewinn für Marokko: Diese große Investitionen und Projekte können von demselben Unternehmen durchgeführt werden. Aber wenn der Fremdbezug billiger als Eigenfertigung ist, könnten zahlreiche Dienstleitungen und Aufgaben outgesourct werden. Deshalb werden zahlreiche Unternehmen bzw. Lieferanten in dem Standort Tanger angesiedelt. Der Wettbewerb wird dann stärker und härter. Man unterscheidet dann zwischen zwei Sorten von Unternehmen. Die ausländischen Unternehmen, die über starkes Eigenkapital, große Erfahrung und professionale Arbeitskräfte verfügen und marokkanische Unternehmen, die über begrenztes Kapital komplizierte Organisationsstrukturen und wenig Erfahrungen verfügen. Hier ist für die marokkanischen Unternehmen die Chance, ihre Qualität unter Beweis zu stellen und den Kampf zu gewinnen.
Leider haben solche Investitionen, wie Renault/Nissan ein großes Risiko dabei und zwar die Abhängigkeit. Die ganze Wirtschaft der Region wird von einem oder zwei großen Investoren abhängig. Wenn die Marke Renault oder Nissan schlechte Umsätze erwirtschaftet, egal wo in der Welt, sind fast alle Standorte direkt oder indirekt betroffen. Deshalb soll man schon jetzt versuchen, diesen Fehler zu vermeiden und Unternehmen Made in Marokko langsam aufzubauen, die wettbewerbsfähig, flexibel, markt- und kundenorientiert sind.