Hallo Keela,
"der Unterschied zwischen Theorie und Praxis"
da nimmt sich keine Religion etwas. Die meisten Gläubigen jedlicher Religion, oder deren "Führer" haben nämlich schon kurz nach Gründung, Offenbarung (nenne es, wie Du willst) vergessen, dass Religionen das Verhältnis zwischen Mensch und Gott klären wollen, nicht das Verhältnis der Menschen untereinander. Und wenn jemand sein Verhältnis zu Gott nicht mit einer Religion regeln will, oder seine Existenz negiert, so lässt er es eben. Genau das ist den Religionen ein Dorn im Auge, weil sie die Macht über ihn verlieren. Das Christentum ist, weil älter, aus dieser Phase raus, dem Islam steht sie noch bevor.
Rationalismus, aber wesentlich stärker die "Leben Jesu-Forschung und der historische Jesus" haben zu dieser Entwicklung entscheidend beigetragen. Analog dazu wird sich der Islam einmal fragen müssen, ob es den Mohamed historisch je gegeben hat (vieles spricht dagegen), und welche Quellen dem Koran als Grundlage dienten. Der "sichere" aber naive Glaube, der Koran sei Wort für Wort durch Gott (via Engel) dem Mohamed eingegeben worden, ist so absurd, dass man es kaum mehr beschreiben kann. Deswegen gibt es keinen schriftlich überlieferten Koran aus Mohameds Zeit, sondern erst ca 200 Jahre später, und die Vita Mohameds des Ibn Ishaq ist eine niedliche Heiligenlegende, 120 Jahre später geschrieben.
Erst, wenn der islamische Gläubige sich diesen äusserst unangenehmen Fragen stellt (ohne den Fragesteller zu steinigen), ist er beim Glauben angekommen. Die meisten sind bis heute rituelle Nachplapperer, mehr nicht.