Hallo Keela,
sicherlich, es gibt etliche abwesende Väter (in Europa, oder "aus dem Staub gemacht"), aber prozentual ist diese Zahl nicht von großer Bedeutung. Die überwiegende Mehrheit der marokkanischen Familien leben nicht regional getrennt.
Wenn Du jedoch glauben solltest, dass es so etwas wie "alleinerziehende Mutter" a la Deutschland gibt, dann irrst Du (vielleicht Einzelfälle in Casa oder Rabat). Da findest Du ihre/seine Eltern, Brüder, sonstige männliche Verwandte. Ihr Entscheidungsfreiraum ist sehr eng begrenzt. Die von Dir angeführte soziale Kontrolle funktioniert in diesen Fällen fast perfekt. Ob die neue Mudawana da etwas ändert, wird sich erst mit der Zeit zeigen.
Leider wird man die Begründung für derartige Zustände fast ausschließlich in der Religion suchen müssen. Ob diese richtig oder falsch interpretiert wird, muss ich Fachleuten überlassen. Fakt ist, dass sie in praxi so gehandhabt wird. Dass gesellschaftliche Regeln dafür herangezogen werden könnten, ist äusserst unwahrscheinlich. Ist Dir aufgefallen, dass die berberophone Frau graduell "freier" ist, als die arabophone? Kein Wunder, die waren vorislamisch matriarchal strukturiert, letzte Reste sind noch da. Erschwerend kommt hinzu, dass dieser "Machokult" in der gesamten islamischen Welt stark verbreitet ist, Marokko ist da kein Sonderfall.