Grund der Auswanderung: Übernahme einer leitenden Stellung in einem Rohstoffprojekt deutsch/marokkanischer Eigentümer. Das Ganze war auf mehrere Jahre ausgelegt. Da wir zu der Zeit 3 schulpflichtige Kinder hatten, hielten wir eine längerfristige Familientrennung für ungesund. Also mit Sack und Pack nach Marokko.
Probleme:
- Sprache: meine Frau und ich sprechen sehr gut Französisch. Ohne diese Sprache geht es nicht im Alltag.
- Schule: die staatlichen marokkanischen Schulen sind "gewöhnungsbedürftig" bis unzulänglich, die französischen arrogant und segregationistisch. Es gibt sehr gute Privatschulen (von der Grundschule bis zum Abi), kosten natürlich Geld, sind überwiegend von Marokkanern frequentiert. Die Befreiung vom Zwangs-Islamunterricht der Kinder erforderte gewissen bürokratischen Aufwand, stellte aber kein Problem dar.
-Lebensqualität: großes Manko: deutsche Bücher gibt es kaum, fast völlige Fehlanzeige. Buchläden, selbst in Casa, sind eine Katastrophe. Dieses Volk liest nicht. Also vorher gut eindecken. Europäische kulturelle Ereignisse: nur in den Großstädten, sonst Fehlanzeige.
- medizinische Versorgung: in den Großstädten herrschen europäische Standards, auf dem Lande muss man Glück haben. Apotheken sind gut ausgerüstet. Generell sind staatliche Krankenhäuser zu vermeiden (meine Frau ist Ärztin, die konnte das beurteilen), also Privatklinuiken. Vorsicht: am Anfang vorweg-Anzahlung!
Ansonsten ist Marokko ein Land wie jedes andere auch, mit Vor- und Nachteilen. ich kannte das Land schon vorher, bedingt durch längere Geschäftsreisen. Akzeptanz/Integration ist (wohl) in der jeweiligen Schicht ziemlich problemlos. Under Freundes/Bekanntenkreis bestand fast nur aus marokkanischen Familien, da wir in Agadir wohnten. Dort gibt es einige deutsche Rentner (einige recht unangenehm) und Turis, naja.
Nach Überwindung der Sprachbarrieren (Taschelhait, Französisch, Arabisch, in Agadir genau in dieser Reihenfolge) waren die Kinder bestens integriert. Mal hatten wir "full-house", mal saßen wir alleine am Mittagstisch.
Das Preisverhandeln lernt man sehr schnell. Ausser bei Nahrungsmitteln ist es ein Muss.
Die sexuelle "Anmache" kann manchmal unangenehm sein. Es gibt geeignete arabisch/berberische Redewendungen, die diese Anmache auf der Stelle beenden.
Nun kommt das Wichtigste: wir können nur dringend davon abraten, ohne gesicherten Unterhalt nach Marokko auszuwandern. Das Land ist KEIN ELDORADO!!! Die Zahl der gescheiterten europäischen Auswanderer, die wir in Agadir kennen gelernt haben, ist beachtlich. Einen "Job" in Marokko zu finden ist für Europäer fast illusorisch (es sei denn, er hat sehr spezialisierte Kenntnisse). Und wenn, ist das Entgeld beschissen und unsicher.
Speziell für Frauen, die mit einem Marokkaner verheiratet sind: das Leben mag in D gut zusammen funktionieren. In Marokko herrschen andere Vorstellungen, denen sich der Ehemann häufig beugt. Die Anzahl der verzweifelten europäischen Ehefrauen, die mit ihrem Mann nach Marokko gezogen sind, war auch beachtlich.