Hallo sk8erBLN,
"Vor vielen jahren schon sagten mir marokkaner "die einzige lösung für unser land ist das land von den leuten zu reinigen und mit einer neuen generation neu zu beginnen." Andere sagten " Der einzige weg dass sich die dinge verbessern ist eine totale revolution in den köpfen, in unserem geist."
Ich kenne Marokko seit 1972. Diese oder ähnliche Worte habe ich damals schon gehört: wit brauchen eine neue Generation, wir brauchen eine Revolution in den Köpfen. Damals waren die Redner jung, Studenten. Heute sitzen sie teilweise in gehobenen Positionen, manche sogar an Schalthebeln der Macht. Erinnert man sie heute an ihre damaligen Worte, lachen sie und öffnen eine Flasche "Les cotaux de l´Atlas", prosten dir zu: "vive la revolution". Was gabs da alles darunter: scharfe Berberisten, Basisten, Kommunisten, Laizisten.. uvam. Nun ist eine Generation vergangen, an den Unis hört man immer noch ähnliche Sprüche....und ansonsten ist wenig passiert, ausser dass ein paar Bärtige mehr die Gegend verunzieren.
Da stelle uch mir schon die Frage, woran die Immobilität (in politischen Dingen) der Marokkaner herrührt. 2 Antworten stelle ich zur Diskussion:
1) Hassan II hat es während seiner Regierungszeit fertig gebracht, das gesamte Land dermaßen zu korrumpieren, dass es mehr als eine Generation dauern wird, diesen Schaden auch nur einigermaßen zu beheben. "L´argent ou la matraque" (Die meisten haben das Geld bevorzugt); die Berberisten wurden durch arabische Nationalisten ausgespielt (und viceversa); die Linke durch (importierte) Salafisten (und viceversa); die "Fassis" durch die Berber (und viceversa) usw. Das Land befand sich während seiner Amtszeit in einem andauernden waffenlosen Bürgerkrieg, und er zog die Strippen, schmierte oder schlug zu. Schon genial, nur nicht für das Land.
2) Solange der Islam als eine (auch) politische Religion (din wa daoula) aufgefasst und verbreitet wird, mit dem König als "Amir mu`mimin", wird es mit der Revolutionierung der Köpfe nicht viel werden, es sei denn, der Islam reformiert sich aus sich selbst heraus, was eher unwahrscheinlich. Diese Politreligion erzeugt im Normalfall eine derartige politische Trägheit, dass Veränderungen nur im Schneckentempo vorstellbar sind. Und wenn sich diese Religion zu etwas aufraffen sollte, dann geschieht das in Richtung übelster Auslegungen in noch totalitäreren Ausprägungen wie Salafismus oder Jihadismus. Natürlich bekommt man in Marokko zu hören: "was erwartest du von einem Staat mit solcher Religion", aber nur hinter vorgehaltener Hand. Riskiert wird nichts.