Hallo Josi!
Was heißt denn "islamisch" - sind es meine Schwägerinnen im fortgeschrittenen Alter, die gläubiger nicht sein könnten? Die nicht nur Enkel haben wie ich, sondern auch schon Urenkel und die allesamt - ohne eine einzige Ausnahme - vom Vater verheiratet worden sind (11 an der Zahl)?
Mit islamisch sind sicher auch deine Schwägerinnen gemeint.Aber auch all die jüngeren Frauen,die heute leben und über ihr Leben wenigstens zum Teil selber bestimmen wollen.Die nicht, nur weil sie Frauen sind,dazu verdammt werden wollen "dumm" gehalten zu werden.Die die Schule früh verlassen müssen,weil sie doch eh heiraten und Kinder bekommen werden.Wozu also Zeit verschwenden mit lernen?
Wie paßt deren individuelles Glück, das bei denen, die ich intensiv kennengelernt habe unübersehbar ist und zwar nicht als Glück eines Paares, sondern als Glück einer Familie, die ständig darauf achtet, die Balance nicht zu verlieren - wie paßt das zu unserem feministischen Dogma, daß es kein Glück geben kann, das nicht ein selbstbestimmtes Glück wäre, also keine Liebesheirat, sondern das familienpolitische Kalkül des Vaters? Sind diese durchwegs ungeschiedenen Frauen inmitten ihrer Familien nur zu wenig aufgeklärt oder hatte dieser eine Vater nur ein besonders glückliches Händchen beim Verkuppeln seiner Töchter oder ist es nicht vielleicht möglich, daß unsere westliche Liebesarithmetik manches über Bord geworfen hat, was sie besser nicht über Bord geworfen hätte?
Natürlich passt ihr individuelles Glück darein.Haben diese Frauen denn überhaupt eine Wahl gehabt?Mussten sie sich nicht in das fügen,was ihr Vater für sie bestimmt hat?Ist dann nicht sehr schlau,sich in ihr Schicksal zu fügen und das Beste daraus zu machen?Auch unsere Großmütter sind Zweckehen eingegangen und sicher sind auch viele von denen Glücklich geworden durch die Familie,die dadurch entstanden ist.
Eine Frage dazu an dich Josi.
Hast du dir deinen Mann aussuchen dürfen?Hast du aus Liebe geheiratet?Bist du glücklich geworden?
Oder Wärst du glücklicher,wenn dein Vater dich mit 16 oder 17 Jahren mit einem Mann verheiratet hätte,den du 1. kaum bis garnicht kennst und 2. dem du keinerlei Gefühle entgegen bringst,eben weil du ihn nicht kennst?
Ist es gut eine junge Frau mit 16 oder 17 Jahren aus ihrer gewohnten Umgebung rauszureißen und sie zu völlig fremden Menschen zu schicken,weil es "politisch" gut für die eigene Familie ist?Ist das wirklich deine Meinung?
Und was ist denn dieser Feminismus genau? Ist er nicht auch diese Trauer, die ich spüren kann, wenn ich mit einer Kollegin meines Alters durch Marokko reise und sie vor ihrem inneren Auge die zurückliegenden Jahre Revue passieren lässt, als hochdotierte Managerin und als Alleinerziehende. Wie trostlos dieses eine kleine Wort doch ist, wie schrecklich, wie das ganze Ausmaß an Opfermut von Frauen darin liegt und wie stolz sie in ihren wichtigsten Jahren darauf waren, niemals ihre Weiblichkeit, ihre Mütterlichkeit als Grund dafür benützt zu haben, einen einzigen Tag nicht voll einsatzfähig gewesen zu sein: um die Sonne zu sehen im Sommer, um im Freien zu Atmen im Winter - und um dem einen Kind noch weitere hinzuzufügen, was natürlich nicht möglich ist, wenn man alleine ist. Was für ein unsagbarer Verzicht und welche Verschwendung von Lebenskraft, weil ein Unternehmen vergesslich ist und grausam, ein Kind aber notfalls die Hand halten kann, wenn sie keiner sonst mehr hält.
Interessant dabei ist,wieso die Kollegin alleinerziehend ist.Wollte sie unbedingt ein Kind aberd en dazu gehörigen Vater nicht?Hat sie den Mann ihres Lebens getroffen und ein Kind der Liebe gezeugt und der Mann hat sie verlassen oder ist gestorben?
War sie wegen der "Mannlosigkeit" darauf angewiesen zu arbeiten?Hat sie das Beste aus ihrer Situation gemacht?Trauert sie diesem Mann vielleicht noch immer hinterher und hat sich deswegen kein neuer Mann in ihrem Leben einen Platz gefunden?
Da hat sich das oben beschriebene Dilemma noch um ein Vielfaches verschränkt und verknotet und man kann kaum noch auseinanderhalten, wo was beginnt und wo was aufhört: gerade erst habe ich einen marokkanischen Kollegen in einer gelösten Stimmung bei sich zu Hause erlebt, mit der schönsten Frau, die ich jemals in meinem Leben gesehen habe und den anmutigsten Kindern mit dem Satz auf den Lippen "ja, ich bin ein sehr glücklicher Mann" - und was noch weniger zu glauben war, ein Seitenblick hat genügt und ich musste meinen deutschen Kollegen unter dem Tisch gegen das Schienbein treten und ihm zuzischen, daß er aufhören solle zu glotzen und ihn im übrigen davon abhalten chauvinistische Sätze wie den folgenden vom Stapel zu lassen, daß sich so etwas in Deutschland kein Mann mehr zu sagen traue, aber jeder ihn beneiden würde....Tatsache ist, daß er ungeniert prahlen konnte (mein marokkanischer Kollege), daß diese wunderschöne Frau ihm praktisch ganz alleine gehört, daß er nach Hause kommt und alles geordnet vorfindet (auch den Sex, die Emotionen und das Geld), daß sie grade mal 17 Jahre alt war, als er sie geheiratet hat und daß sie dazu still vor sich hingestrahlt hat, sich ihres Reichtums voll bewußt.
Weißt du wieviele Frauen unglücklich sind mit der Wahl ihres Vaters?Wieviele Frauen geschlagen werden?Wieviele Kinder leiden,weil es zwischen ihren Eltern keine Liebe gibt?Wieviele Frauen verzweifeln,weil sie in einer ausweglosen Situation sind,aus der es für sie kein entkommen gibt?
Eine kurze Geschichte dazu:
In Marokko lebten einmal eine junge Frau und ein junger Mann.Beide liebten sich und waren 2 Jahre glücklich miteinander.Alles mit Anstand!Der junge Mann wollte die Frau gerne heiraten und auch die Frau wäre glücklich gewesen,wenn sie den Mann den sie liebt hätte heiraten dürfen.Aberd er vater des Frau war mit der Wahl seiner Tochter nicht einverstanden,denn der junge Mann hatte nicht viel Geld.Also verheiratete der Vater die Frau mit einem Mann,der mehr Geld hatte und so auch der Familie des Vaters ein besseres Leben ermöglichte.Die Frau lebt immer noch mit ihrem Mann zusammen und sie haben auch Kinder.Aber wer weiß wirklich ob sie glücklich ist und ob sie nicht vielleicht glücklicher mit ihrem Jugendfreund geworden wäre?Der junge Mann hat jedenfalls viele Jahre gebraucht,darüber hinwegzukommen.Die Wahl des Vaters hat zumindest diesen jungen Mann lange Zeit sehr unglücklich gemacht.
Diese oder eine ähnliche Geschichte gibt es überall auf der Welt,wo das Leben von Männern bestimmt wird.
Natürlich gibt es keine Garantie für Glück.Weder wenn das Glück bestimmt wird noch wenn man wählen kann.Aber wenn man wählen kann,weiß man wenigstens das es die eigene Entscheidung war.
Mit freundlichen Grüßen LeVonW