Korrektur: Statt des nicht funktionierenden links in meinem gestrigen Beitrag hier ein anderer zur Flüchlingssituation in Nigeria
http://www.refugees.org/wrs04/country_updates/africa/nigeria.html

Auch nicht aus „Bild“, sondern aus „Le Monde diplomatique“, ein Ausschnitt aus einem Artikel über europäische Asylpolitik:

"Illegale Auswanderung", ein Begriff mit Zukunft

AUF dem Ratsgipfel von Thessaloniki im Juni 2003 fand der britische Vorschlag allerdings keine Zustimmung. Stattdessen wurde beschlossen, dass die EU verstärkt Rücknahmeabkommen mit den Auswanderungsländern schließen solle. UNHCR-Hochkommissar Lubbers, der abwechselnd für und gegen die Flüchtlinge Partei ergreift, ermahnte die Unionsländer im November 2003, bei der Ausarbeitung einer gemeinsamen Asylpolitik müsse man auch die Menschenrechtsgarantien einhalten - und zwar auch die in den "sichere Drittländern".
Trotz dieser löblichen Erklärung scheint sich das UNHCR zunehmend von seiner eigentlichen Aufgabe, dem Schutz der Flüchtlinge, zu entfernen und sich der europäischen Auslagerungspolitik unterzuordnen.(16)
Wer die Flüchtlinge loswerden will, muss Sonderauffanglager gründen wollen. Die Rede von "sicheren Drittländern", "Rücknahmeabkommen" und "Transitzentren" bedeutet immer schon die Kasernierung unerwünschter Personengruppen. Dabei hatte die Genfer Konvention von 1951 den Asylanspruch auf alle Personen ausgeweitet, die "begründete Furcht" haben, wegen einer Gruppenzugehörigkeit verfolgt zu werden.(17)
Die neue EU-Politik hingegen, die auch beim UNHCR Zustimmung findet, geht umgekehrt davon aus, dass bestimmte Personen gerade aufgrund ihrer Zugehörigkeit keinen Asylanspruch bei uns geltend machen können. Ein ideologisches Manöver, das aufgrund seines selbstreferenziellen Charakters Anlass zu schlimmsten Befürchtungen gibt: Man sortiert die Menschen nach ihrer Herkunft und rechtfertigt allein damit schon das Auswahlkriterium. Diese Politik führt automatisch zu einem flüchtlingsfeindlichen Rassismus, der sich gegen bestimmte nationale oder ethnische Gruppen richtet, wie er in Italien gegenüber den Albanern und in Frankreich gegenüber den rumänischen Roma bereits heute zu beobachten ist.
Die anvisierte Auslagerung der Flüchtlingsproblematik muss auch die internationalen Beziehungen beeinträchtigen. Denn diese Politik führt nicht etwa dazu, den Imperialismus zu überwinden, sondern führt geradewegs in imperialistische Beziehungen zurück. Schon die Verhandlungen zur EU-Osterweiterung boten ein wenig erquickliches Schauspiel, denn die Beitrittskandidaten mussten ihre "Eintrittskarte" durch willfährige Hilfe bei der Eindämmung der Migrationsströme erkaufen. Mit Polen zum Beispiel unterzeichnete die "Schengen-Gruppe" bereits 1990 ein Rücknahmeabkommen. Derzeit zeichnet sich auf diesem Feld eine neue internationale Arbeitsteilung ab. Rücknahmeabkommen und Auffanglanger für Asylbewerber werden immer mehr zum Gegenstand zweifelhafter Kungeleien.
Verschuldete Drittweltländer müssen damit rechnen, dass die EU weitere Entwicklungshilfe von ihrer Bereitschaft abhängig macht, die Migration "an der Quelle" zu bekämpfen. Dies unterstützt nicht nur die ohnehin korrupten Staatsführer, die nur zu häufig die alleinigen Nutznießer der so genannten Entwicklungshilfe sind, es festigt auch die aus Kolonialzeiten stammenden Seilschaften. Auf der Strecke bleibt der Flüchtling, der nun von beiden Seiten als Feind wahrgenommen wird. Symptomatisch ist in diesem Zusammenhang, dass es neuerdings Länder gibt, die als "Länder mit illegaler Auswanderung" bezeichnet werden. Das bedeutet aber eindeutig eine Verhöhnung der Allgemeinen Menschenrechtserklärung, wonach jedes Individuum das Recht hat, sein Land zu verlassen.


Der Artikel ist nachzulesen unter:
http://monde-diplomatique.de/pm/2004/03/12/a0007.text


Derzeit distanziert sich das Hochkommissariat für Flüchtlingswesen von den Vorschlägen europäischer Politiker:

„Klarstellung zum EU/Nordafrika-Asylprojekt

Vor dem Hintergrund irreführender Berichte zum heutigen informellen Treffen der EU-Innen- und Justizminister im niederländischen Scheveningen stellt das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) klar:
Meldungen sind unzutreffend, nach denen UNHCR an einem von der EU-Kommission finanzierten Projekt zum Aufbau von fünf Aufnahmeeinrichtungen in Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen und Mauretanien beteiligt ist.
Die Konferenz der Innen- und Justizminister bezieht sich auf einen Vorschlag, den UNHCR der Europäischen Kommission bereits vor langer Zeit unterbreitet hatte. Dieser bezog sich auf den Aufbau oder die Stärkung von Asylsystemen in Nordafrika, das heißt zum Beispiel Gesetzgebung, Fortbildung von Beamten für die Durchführung von Flüchtlingsanerkennungsverfahren, Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen beim Aufbau ihrer Kapazitäten. Von Aufnahmezentren war in diesem Vorschlag nie die Rede.
Die irreführenden Berichte beruhen anscheinend auf einer Verwechslung zwischen diesem bereits länger bestehenden Projektvorschlag, der im Rahmen der UNHCR-Initiative „Konvention Plus“ entstanden war, und hiervon klar zu trennenden Vorschlägen, die eine Reihe von europäischen Ministern während der vergangenen Wochen machte.
Veröffentlicht am: Freitag, 01. Oktober 2004“

http://www.unhcr.de/index.php/cat/27/aid/1116

Ich kann mir auch nicht gut vorstellen, dass das von mir skizzierte worst-case-Szenario, von dem ich hoffe, dass es zu verhindern sein wird, die Zustimmung des UNHCR finden könnte. (Leider weiß ich aber, dass z.B. die von der UNO schärfstens kritisierte österreichische Asylpolitik dennoch stattfindet – mit Folgen, die die Frage aufwerfen, ob Menschenrechte in A, einem der reichsten Länder der Welt, überhaupt noch einen Pfifferling wert sind... Aber das gehört nicht hierher.)

Hallo haskamp,

ich glaub, ich hab´s verstanden: "Bild" ist, was Dir nicht ins Bild passt. Marokko ist ein sehr schönes u. faszinierendes Land, aber leider nicht immer u. überall, u. die Illegalen, die bekommen hauptsächlich die andere Seite zu sehen...