Hallo,
wer bestimmt, ob Lmrabet bei den Marokkanern beliebt ist oder nicht ? Die offiziellen Presseorgane etwa ? Oder glaubt jemand ernsthaft, dass eine Wiederhollung der offiziellen Vorwürfe als Erklärung ausreicht, um die Öffentlichkeit zu manipulieren!!
Wo liegt eigentlich das Problem ?
Erstens, Lmrabet war kurz davor eine neue Zeitung "Demain Libéré" ins Leben zu rufen. Davor besuchte er ( als einziger marokkanischer Journalist) das "Flüchtlingslager" der Sahraouis und führte Interviews mit unterschedlichen Generationen der Sahraouis.
Sein Pech war, dass er die Sachen beim Namen genannt hatte. Die UNO nennt die Sahraouis, die unter der Führung der Polosario in Tindouf leben " Flüchtlinge". Der marokkanische Staat redet aber von Marokkanern, die gegen ihren Willen ( Zwangsweise ) von der Polisario dort festehalten werden. Was ist nun wahr ?
Der Journalist Lmrabet gab , nach seinem Besuch des Flüchtilngslagers oder Gefängnis der Sahraouis ( wie es offiziell in Marokko heisst) ein Interview einer unabhängigen marokkanischen Zeitung. In diesem Interview sprach er von Flüchtlinge (UNO-Bezeichnung).
Danach wurde ein Ex-Mitglied der Polisario, der jetzt eine Funktion beim Innenministerium in Laâyoune bekommen hat, auf Anweisungen aktiv und klagte Lmrabet wegen Falsche Darstellungen und Verharmlosung der Gefängnise der Polisario.
Dies sind zunächst die Fakten, die zu dem erneuten Verbot des Journalisten in Marokko.
Es geht um zwei Sichten: Die Sicht eines unabhängigen Jouranist und die der Monarchie!
Die Hintergründe sind aus meiner Sicht gefährlicher und zeigen die Grenzen der sog. demokratischen Schritte in Marokko.
1- die Sahara-Frage darf von keinem Journalisten behandelt oder thematisiert werden, es sei denn er wiederholt die offiziellen Positionen und lobt die Erfolglosigkeit der marokkanischen Diplomatie
2- Alle Journalisten, die die sog. roten Linien ( und die gibt es immer noch ) überschreiten werden unter Druck gesetzt. Eine arabophone Zeitung aus Eljadida berichtete über bestimmte finanzaffären des Prinzen, in den er verwickelt ist, aber prompt wurde die Redaktion verhört
Es gibt viele andere Beispiele, die deutlich machen, dass die Presse in Marokko gespalten ist.
Auf der einen Seite, die offiziellen Blätter und die Parteien-Zeitungen, die alles verschöneren und keine richtigen Fragen stellen. Durch den sog. Elitenwechsel traut sich keiner mehr über fundamentale Fragen zu diskutieren!
Auf der anderen Seite, gitb es junge Zeitungsredaktionen, die sich für eine wirkliche Demokratisierung einsetzten und alles tun, nicht nur um die Finanzskadale aufzudecken, in dennen höchste Reprästentanten der Monrachie und die königliche Familie selbst verwickelt sind, sondern sie stellen auch unangenehme Fragen nach der Reformfähigkeit der mitellalterlischen Stukturen der Monarchie.
Und so gesehen, ist es ein ganz normler Vorgang, dass ausgerechnet Lmarbet, der unangenehmste Journalist, auszuschalten. Er verfügt ja über gute Informationsquellen und kennt keine Tabus. Ferner ist er als ehemaliger Mitarbieter im Auswärtigem Amt bestens informiert über die Strukturen dieses erfolglosen königliches Amtes.
Es geht nicht um den Bliebtheitsgrad, sondern um die politischen Fragen, die Entabuisierung und Entsakralisierung der Politik.