was gefällt mir an marokko? eine nicht einfache frage! meine ersten erlebnisse in marokko waren die souks, in tetuan, und fes. ich hatte das gefühl, meiner eigenen geschichte auf der spur zu sein. ich sah die handwerker, die - wie früher bei uns - nach ihren gewerken getrennt arbeiteten. die schmiede, die tischler, die färber...

es gibt in bremen eine strasse, die heisst "knochenhauerstrasse", das war die strasse, in denen die metzger, die fleischer ihrem gewerbe nachgingen. so, wie die zünfte sich in deutschland organisierten und sich an bestimmten orten der städte zusammenschlossen (in zünften!). so erlebe ich dies in marokko noch heute sehr authentisch.das ist kein gefühl der "nostalgie", dem ich hinterher hänge, sondern eine gewissheit, den einfachen, klaren regeln menschlichen zusammenlebens zu begegnen. unsere hochkomplizierten, arbeitsteiligen westlichen gesellschaften ist das wissen abhanden gekommen für die elementaren bedürfnisse des menschen:essen, trinken, arbeit, geselligkeit, hilfsbereitschaft und religiosität. vieles davon finde ich in marokko...

marokko war und ist für mich in seinen besten momenten der "menschliche garten", in dem vieles blühen und gedeihen kann. aber auch die not ist elementar - die soziale wie die natürliche: die armut und die perspektivlosigkeit hier, die hitze und die dürre dort.

es ist aber auch der unbeirrbare glaube an den könig, der mich fasziniert, diese autoritär-hierarchisch gegliederte gesellschaft, in der die meisten ihren platz finden - ohne zu verzweifeln.

es mag ja sein (aber wie sollte es anders sein?), dass ich einer durch und durch *westlichen* vorstellung nachhänge. ich sage es einmal mit einem anderen bild:

als ich in ägypten war, ging die sonne glutrot im osten diesseits des nils auf. dann wurde sie immer heisser und heisser, bis sie - gegen abend - jenseits des nils hinter dem horizont verschwand. kann man sagen, dass die sonne den nil zum zentrum hatte und ihn umkreiste?

so stirbt auch und erwacht das leben in marokko - und in manchen nächten (ich habe einmal etwas hier im forum über die stimmen der nächte in marokko geschrieben) verstummen die geräusche nicht.

es ist das ewig gleiche und gleichzeitig immer neue und andere, das mich an marokko bindet.es ist das gleichmass und der unentwirrbare widerspruch! in marokko explodiert manchmal das chaos - aber auch das chaos ist nicht von dauer.

menschen, die der hitze und den stürmen standhalten, sind vielleicht manchmal verzagt - aber auch sehr stolz und sehr gewiss.

ich mag an marokko, das es stolze, selbstgewisse und unbeirrbare menschen hervor bringt. man kann sagen, es ist ihre religion, die sie nicht verzweifeln lässt....mag sein!

ich wünsche mir, dass marokko ein "garten" ist, in dem jeder weiss, dass er morgen früh, wenn er erwacht, die früchte seiner arbeit ernten kann.er erntet sie, teilt sie, wenn er kann, mit anderen und trägt dann wieder sorge für den nächsten tag.

das ist unser leben. in deutschland und in marokko! in palästina, den usa und in den entlegensten gegenden unserer erde.

gut und tröstlich, wenn gott und allah unsere arbeit begleitet und segnet!

Jocim