Salam und hallo zusammen!
Ich bin ganz frisch hier und hab noch nicht viel von den teils hochexplosiven und interessanten Beiträgen lesen können. Aber die abenteuerliche Geschichte von Myra ist unglaublich. Wenn ich von solchen Schicksalen bzw. MarokkanerInnen höre, schäme ich mich selbst eine zu sein, da macht es keinen Unterschied, daß ich Tamazight bin.
Ich denke, Chris hat recht, wenn er schreibt, daß manche marokkanischen Studenten o.ä. es gerade auf die jungen hier aufgewachsenen Marokkanerinnen abgesehen haben, weil sie glauben, so alle Fliegen (!) mit einer Klappe schlagen zu können: Die haben den deutschen Pass oder eine unbefristete Aufenthaltsberechtigung, sind Muslimas (und was noch einen sehr großen Teil der berberischen Mädchen angeht, zudem noch wohlerzogen bzw. religiös), haben noch kaum Erfahrung mit Jungs, kennen die marokkanische Kultur gut und haben für alles dahingehende Verständnis, und deren Eltern sorgen dazu noch für alles was mit der Eheschließung in Deutschland zu tun hat: mühevolles Papiere zusammensuchen, Wohnung suchen, einrichten, in Einzelfällen greifen sie den zukünftigen Schwiegersöhnen noch finanziell unter die Arme, weil auf einmal herauskommt, daß dessen Eltern odch nicht so vermögend sind wie behauptet, oder die vorgeschobene regelmäßige Arbeit doch nur ein Semesterjob ist etc. etc. pp.
Trotzdem behaupten noch viele "Marokko-Marokkaner", daß die "deutschen Marokkanerinnen" so unerzogen, dominant, freiheitsstrebend, karrieresüchtig sind, oder sich schlicht nach Enttäuschungen trennen, weil sie in einer Ehe leben, in der verschiedene Kulturen, Ansichts- und Verhaltensweisen, Bestrebungen aufeinandertreffen. Dabei gibt es nicht nur wie allgemein angenommen, die Variante, die hiesigen Mädchen und jungen Frauen seien freizügiger und wollen ihren marokkanischen Partnern zeigen, wo es lang geht. Es gibt sehr oft auch die Fälle, wo die hier aufgewachsene junge Frau sehr viel mehr an die marokkanische, berberische, arabische und v.a. muslimische Kultur gebunden ist und dazu steht und dies in ihrer Lebensweise ausdrückt, nicht selten ist dann der marokkanische Partner aus Marokko (und oft auch dessen Familie) derjenige, der ihr Rückständigkeit vorwirft und sie daran zu hindern versucht eben jenen kulturellen Bezug zum Heimatland (der Eltern) und zur Religion auszuleben.
Was die Geschichte von Myra angeht, schließe ich mich Essarghini zum Teil an: Der Betroffene hätte durch die Umstände, die die Beziehung vor der Heirat begleiteten, wissen oder zumindest ahnen können, daß sich die Lebensweise einer Person (ganz zu schweigen von der der ganzen Familie) nicht von heut auf morgen plötzlich ändert.
Schade finde ich nur, daß er auch noch zum Islam konvertiert ist, und das vermutlich aus Wohlgefallen für eine Frau oder ihre Familie, welcher der Islam offenbar nichts bedeutet. Vielleicht liege ich da auch falsch, und er ist aus persönlicher Überzeugung konvertiert, dann bitte ich um Verzeihung, und der Lohn bei Gott für diesen Schritt ist unermeßlich!
Ich freue mich weiterhin auf euer interessantes Forum...
Gruß, finiqiya