hallo sara,
vieles ist in den vorigen beiträgen zur sexualität geschrieben worden. in fast allen beiträgen ist die rede von einem amvilanten umgang mit sexualität in der marokkanischen gesellschaft.tatsächlich wird einerseits sexualität zwar im öffentlichen diskurs ( zu hause, hamam, politische reden usw.)tabuisiert, und andererseits wird sie jedoch ständig praktiziert; die bevölkerungs-
explosition in marokko spricht eindeutig dafür. man stellt sich, sowie du ,unendliche fragen und grübbelt unaufhörlich nach antworten. sehr oft kriegt man die eifache erklärung ins gesicht geschleudert: sexualität ist vom islam geregelt und diesem glauben ist eigen, dass sexualität im bereich des verborgenen, unsichtbaren angesiedelt ist. im öffentlichen leben ist sie verbannt, auch wenn sie in den alltagsgesprächen der marokkaner anwesend ist.junge männer in den cafès geilen sich verbal in ihren fantasien, hören nie auf, vorbeilaufenden frauen erotische beschreibungen zu verpassen. mal haben diese dicke ärsche, busen wie granaden, lippen wie erdbeeren und wangen wie die der engel. im marokkanischen witz mach sexualität über 45% der erzählten witze aus. ein beispiel. kommt eine frau zum gemüsehändler und fragt nach tomaten, aber eben mit einer marokkanischen redewendung" haben sie die wangen des propheten", womit sie tomaten meinte. darauf hin antwortete der gewiefte händler" leider nicht. ich habe nur die hoden von bellal" womit er oberginnen meinte. in diesem vulgären witz wird gemüse mit geschlechts
teilen gleichgesetzt, wobei männlichkeit an der größe des penis gemessen wird. oft wird auch die standhaftigkeit im sexuellen akt als beweis für die stärke des mannes.woran könnte das liegen?
ich glaube daran, dass die marokkanische gesellschaft in der frau ein erzeugungsobjekt sieht und dadurch auch in den kollektiven männerfantasien zum sexobjekt reduziert wird.
in vielen kulturen, in denen der frau eine erzeugungsfunktion zufällt, trifft man meistens auf einen perversen umgang mit sexualität. ethnologische arbeiten über urstämme im zentralafrika,über stämme in teilen südamerikas und im nahosten haben diese feststellung bestätigt.
zum umgang der marokkaner mit der sexualität hat ein marokkanischer kulturanthropologe und soziologe an der universität fez,Dialmy, Abdessamad , einen hervroragenden Essay neulich veröffentlicht. er hat sich zwar hauptsächlich mit der ansteckungsgefahr wilder sexualität und mit deren folgen beschäftigt, aber mit der mühe gegeben, die ursachen herauszubekommen, wieso sexuale praxis insbesondere die jungen krankheitsgefahren aussetzt. aus einer früheren studie für the middel east revue ist jetzt eine unfangreiche arbeit auf dem markt erhältlich. es hagelt kritiken seitens der von ihm angeprangerten religionsmännern, die er durch ihre restriktiven bestimmungen der sexualität für die ausbreitung von zahlreichen geschlechterkankheiten verantwortlich macht. sehr spannende lektüre, wunderbar unterfüttert und keineswegs abgehoben. Dailmy begreift seine arbeit als beitrag zu einer sexuellen aufklärung im von den traditionen gefangenen marokko. hier ist die angabe zu seinem buch.
Dialmy, Abdessamad (2000). Jeunesse, sida et Islam au Maroc : les comportements sexuels des Marocains. Essai, Casablanca: Eddif .
es wäre natürlich interessant in der perspektive von abdelhak serhane, wie al assal sie brachte, dieses nicht unbedingt heikle thema zu besprechen.
umni