Guten Morgen!

Vielleicht sollte man einfach den nächsten Shiiten seines Vertrauens fragen, wie Ashura begangen wird \:\) ?

Am 19.02.05 war übrigens Tasua, nicht Ashura, zumindest für alle Shiiten in Deutschland. Ashura war erst am Sonntag, den 20.02.05. Viele Shiiten fasten die gesamten ersten 10 Tage von Muharram.

Kürzeste Erklärung:

Am 1.-10. Muharram gedenken Shiiten des Martyriums Imam Hussains und seiner Begleiter und bemühen sich um Buße dafür, dass die Shiat Ali ihrem Imam nicht gebührend beigestanden hat. Dabei wird in Deutschland traditionell jeden Tag in der Moschee ein Teil der Geschichte vorgetragen. In Iran werden in dieser Zeit neben den Rezitationen Umzüge mit mitgeführten Emblemen und Standarten (Alam) und Aufführungen der Passion (Taziye) durchgeführt. Leider hat die Taziye-Tradtion etwas gelitten, man bemüht sich aber in den letzten Jahren, diese wiederzubeleben. Die von Euch erwähnten Geißler treten erst an Tasua und Ashura auf, wobei es lokal unterschiedlich ist, wie "blutig" es wird. In Iran selbst ist es offiziell verboten, sich mit Schwertern zu geißeln, es gibt nur Sine-zani (Brustschläger), wobei es verschiedene Techniken gibt, die stellvertretend für die ganze Gemeinde von fitten, jungen Männern ausgeführt werden, da sie sehr viel Kraft erfordern und natürlich auch wirklich weh tun, was man aber während des Rituals nicht merkt. Die Geißelungen werden unter strenger Kontrolle gehalten, damit sich niemand ernsthaft verletzt. Was die ganze Gemeinde macht: sich im Takt mit der rechten Hand unterhalb des Brustbeins auf die Brust schlagen, was einen dumpfen Ton gibt, der sehr beeindruckend ist.

Der Spruch von Ali Shariati lautet präzise:
"Jeder Boden ist Kerbala, jeder Monat ist Muharram, jeder Tag ist Ashura."
Shariati wandte sich damit gegen die traditionelle Shia, bei der der Bazari sich am 10. geißelt, am 11. mit verbundenem Kopf im Bett liegt und am 12. Tag wieder normal im Bazar seine Waren anbietet. Es reicht nun nicht mehr, sich mit einem mit wenig Aufwand betriebenen kleinen Ritual von der Selbstopferung loszukaufen, das Martyrium als Kampf gegen Ungerechtigkeit des Systems wird nun wirklich eingefordert. Shariati gehörte zur politischen Shia und steht in Opposition zur traditionellen, die quietistisch und duldend ist.

Zu Zakat und Chums: Jeder Shiit gibt ganz normal Zakat, daneben aber auch Chums = der Fünft. Dieses Geld steht an sich dem Allmächtigen und seinem Gesandten zu. Da man an diese aber schlecht zahlen kann, ist es üblich, das Geld den Nachkommen des Propheten zu geben, welche dieses dann bis zu Wiederkehr des Mahdi verwalten sollen. U. a. werden davon sehr viele wohltätige Projekte finanziert. Dass einige Mollahs sich davon selbst etwas in die Tasche stecken, ist eine andere Sache ...

Konkret ist es so, dass der einzelne Gläubige das Geld an seinen Dorf-Mollah abgibt, der dieses wiederum an seinen höherstehenden Mollah weiterleitet. In Pakistan ist es üblich, dass die einzelnden Moscheen Delegationen zu dem Ayatollah schicken, dem sie folgen, und dieser sie mit einem Teil des Geldes für die eigene Gemeinde wieder nach Hause schickt.

Da ich die Aufteilung des Geldes nicht sehr gut finde, gebe ich es lieber direkt an ein SOS-Kinderdorf in Syrien, das muslimische Kinder aller Konfessionenen betreut und spezielle Frauenprojekte betreibt.