hallo,
zu diesem ever green unter den forum-themen würde ich folgendes büchlein empfehlen:
"la condition de la femme dans l'islam" von mansour fahmy (1990 bzw. 2002).
es handelt sich um die promotion des autors an der sorbonne wohl gemerkt im jahre 1913! das buch ist erhellend und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es sich genau dem paradoxen an der situation von frauen im islam rational kritisch annimmt. die zentrale frage darin ist immer noch die nach der widersprüchlichen situation der frau zwischen unterdrückung und privileg. eine situation, die sowohl kritikern als auch verteidigern die benötigten argumente liefert.
für mansour fahmy besteht das paradoxe darin, dass der islam die frau, in dem er sie privilegieren und beschützen will, sie weitgehend hinter den schleier wirft und von der gesellschaft abschneidet und somit eben genau das gegenteil dessen erreicht, was seine intention ursprünglich war. der schleier, in seinen verschiedenen formen, wird nicht zunächst als symbol von unterdrückung erachtet, sondern vielmehr als mittel der geselschaftlichen demarkierung und der sozialen distinction, interpretiert. fahmy bemerkt mit recht, dass in niederen sozialen schichten, bei kleinen bauern beipsielsweise, frauen keine schleier tragen (müssen) und sonst sich freier bewegen können.
eine weitere stärke der arbeit mag auch darin liegen, dass fahmy das thema wissenschaftlich zu beleuchten trachtet und entsprechend die akteure der islamischen geschichte und gesellschaft fern vom sakralen als menschen und soziale gruppen behandelt. dies bescherte dem autor allerdings einen heftigen gegenwind von zensur, berufsverbot und öffentlicher verleumdung – zumal durch journalisten – als er nach seiner promotion in ägypten zurückkehrte. klassich wohl, anders hätte mich eine arabisch-islamsiche gesellschaft auch gewundert.
gruß
jm