Guten Abend,
auch auf die Gefahr hin, dass ich aufgrund des nachfolgenden Beitrages angegriffen werde, setze ich den Absatz doch ins Forum.

"Abgesehen von der angesprochenen Schutzfunktion, besitzt ein Schleier auch eine erotische Komponente.:

Der Reiz, das Geheimnis zu ergründen, das sich unter ihm verbergen mag, und den Schleier zu lüften (kashf), wird in vielen Dichtungen besungen. Mohammed Belkheir sagt:

"O Brüder der Liebe!
Die Frauen mit den verschleierten Gesichtern haben mir den Schlaf geraubt.
Mein Herz schmerzt, ich kann kein Auge zutun,
Ich sehne den Morgen für das Gebet herbei."

Und zur gesellschaftlichen Schutzfunktion habe ich auch einen Beitrag gefunden.

"Durch das mehr oder weniger strikt befolgte Gebot der Verschleierung erhält der Schleier eine soziale Bedeutung, die sich auf das Verhalten der Trägerin u. den Umgang mir ihr auswirkt. Seine gesellschaftliche Funktion liegt demnach nicht in seiner Natur, sondern in seiner Verwendung der ihm zugeschriebnen Symbolik; insbesondere kommt ihm im Zusammenhang mit dem Keuschheitsgebot, das wiederum eng mit dem Komplex der Ehre verbunden ist, eine wesentliche gesellschaftliche Schutzfunktion zu.

Der Ursprung ist in der muslimischen Sexualethik zu suchen: Frauen gelten als ständige Versuchung(zina) und gefährden die gesellschaftliche Ordnung u. zwar in zweifacher Hinsicht: als begehrte Frau u. Tochter eines anderen, ausserdem als die eigene Frau oder Tochter, die von anderen Männern begehrt wird.

In der Beziehunbg der Geschlechter zueinander erscheint die Frau als Trägerin einer aktiven, zerstörerischen, alles verschlingenden Kraft, die so stark ist, dass die Männer nicht mehr widerstehen können und zu willenlosen Opfern ihrer geweckten Begierde werdewn. Dadurch entsteht die Gefahr von gesellschaftlichem Chaos (fitna). Der Schleier ist somit neben der Geschlechtertrennung ein Mittel, die Männer zu schützen u. die Sexualittät der Frauen zu kontrollieren und zu kanalisieren.

Ein Schleier ermöglicht einen neutralen Kontakt zwischen Frau u. Mann in der Öffentlichkeit, weil die unter ihm verborgene Frau als sexuell nicht verfügbar u. damit als eehrbar erkennbar ist.
Sie ist sämtlichen Blicken entzogen, nahezu unsichtbar, denn sie kann in ihrer individuellen Erscheinungform nicht wahrgenommen werden u. deshalb auch keinen Schaden anrichten.

Hier wird deutlich, dass die soziale Beziehung der Geschlechter immer auch als Geschlechtsbeziehung begriffen wird, deshalb muss ein Rahmen geschaffen werden, zina und fitna verhindert. Die beiden Aspekte, soziale Bedeutung und erotische Komponente (ich höre schon den Aufschrei einiger FormteilnehmerINNEN) wurden bisher in keinster Weise erwähnt (oder ich habe es überlesen) und wären durchaus noch kommentarwürdig.

(Quelle: aus der Enzyklopädie von Malek Chebel (Anthropologe u. Psychoanalytiker)