Assalam u 3alaikum

Hier ein Ausschnitt aus einem Buch von unserem islamischen Denker Moustafa Mahmoud.

Mein Freund liebt das Diskutieren. Er glaubt, daß wir naiven gläubigen von Illusionen leben und uns mit dem Paradies und Paradiesjungfrauen betören, so daß wir die Welt und ihre Freuden versäumen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich meinen Freund vorstellen: Er lebte in Frankreich, wo er promovierte und unter Hippies lebte. Jetzt leugnet er alles.

Er sprach mich spottend an: Ihr behauptet, daß es Gott gibt. Euer Beweis dafür beruht auf dem Gesetz der Kausalität. Nach diesem Gesetz muß alles Hergestellte einen Hersteller haben, jedes Geschöpf einen Schöpfer und jede Existenz einen Ursprung. Der Stoff ist ein Beweis für den Weber, das Bild für den Maler und die Statue für den Bildhauer. Demnach ist das Universum der untrüglichste Beweis für das Dasein eines fähigen Gottes, der es erschuf. Nehmen wir diesen Schöpfer nun einmal wirklich an, dürfen dann nicht analog dazu die Frage stellen: Wer erschuf den Schöpfer ? Wer schuf Allah, über den ihr redet ? Führt eure Beweisführung über die Kausalität nicht darauf hinaus ? Was haltet ihr von diesem Dilemma ?

Ich antwortete ihm: Deine Frage ist sinnlos. Es gibt überhaupt kein Dilemma. Du nimmst vorbehaltlos an, daß Gott erschafft und fragst dann nach dem Schöpfer ?! In einem Satz machst du Ihm Schöpfer und Geschöpf zugleich, und das ist ein Widerspruch. Außerdem glaubst du, daß der Schöpfer den Gesetzen seiner Geschöpfe unterliegt. Die Kausalität ist das Gesetz derjenigen, die in Zeit und Raum leben. Gott, der Zeit und Raum schöpft, muß mit Sicherheit darüber stehen. Es ist nicht angebracht zu glauben, daß Er von Zeit und Raum begrenzt ist. Gott schuf das Gesetz der Kausalität. Wir dürfen nicht annehmen, daß auch Gott dem Gesetz unterliegt, das Er selbst schuf. Mit diesem Gerede ähnelst du Marionetten, die glauben, daß der Mensch, der sie erfunden hat, sich auch durch Fäden bewegt. Wenn wir ihnen sagen, er bewege sich von selbst, würden sie es für unmöglich halten. Auch du kannst nicht fassen, daß Gott ohne einen Urheber existiert, nur weil du für alles um dich einen Urheber brauchst. Du bist wie derjenige, der glaubt, Gott braucht einen Fallschirm, um zu den Menschen herabzukommen, und einen schnellen Bus, um zu seinen Propheten zu gelangen. Gott ist gepriesen und hoch über diese Eigenschaften erhaben.

Immanuel Kant erkennt in seinem Buch "Kritik der reinen Vernunft", daß der Verstand nicht das Wesen der Dinge erfassen kann. Der Verstand kann von Natur aus Phänomene nur teilweise begreifen. Der Verstand ist unfähig, Abstraktes, wie die Existenz einer Göttlichkeit, zu fassen. Wir erkennen Gott mit dem Gewissen nicht mit dem Verstand. Unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit, ist der Beweis für das Dasein eines Gerechten, so wie unser Durst nach Wasser der Beweis für das Vorhandensein von Wasser ist.

Aristoteles führt die Kette der Kausalität weiter aus, indem er feststellt: Der Stuhl ist aus Holz. Das Holz kommt vom Baum. Der Baum war ein Kern. Der Kern wurde vom Bauern gesät... Er mußte dann erkennend gestehen, daß diese kettenhafte Ausführung bis ins Unendliche uns bestimmt zum Ursprung führen muß, zu einem Anfangspunkt, der keinen Urheber braucht. Ein erster Urheber, der keinen Grund zum Existieren braucht. Einen Schöpfer, der keinen Schöpfer braucht. Das ist genau das, was wir von Gott sagen.

Ibn Arabi antwortete auf die Frage: Wer erschuf den Schöpfer ? Auf diese Frage kann nur ein zu denken unfähiger Verstand kommen. Gott ist der Beweis für die Existenz, und es ist unlogisch, das Dasein als Beweis für Gott anzuführen. Genau wie wenn man feststellt, daß das Licht ein Zeichen des Tages ist, und dann umgekehrt behauptet, der Tag sei ein Zeichen des Lichts.

Allah sagt in einem Hadith Qudsi: "Durch Mich wird bewiesen... Ich werde nicht bewiesen."

Gott ist der Beweis, der keinen Beweis benötigt. Er ist die autonome Wahrheit. Er ist der Beweis für alles andere. Gott ist in der Ordnung und in der Genauigkeit des Universums, in der Schönheit der Natur und in der Weisheit erkennbar.Im Laub der Bäume, in der Feder des Pfaus, im Flügel des Schmetterlings, im Duft der Rose, im Gesang der Nachtigall und in der herrlichen Harmonie, in der Sterne und Planeten sich verbinden und die wir das All nennen. Die Behauptung, wir wären zufällig, ist wie die Vorstellung, man wirft Buchstaben in die Luft, die sich dann ohne Dichter zu einem Gedicht von Shakespeare zusammensetzen.

Der Quran bewahrt uns vor diesen Auseinandersetzungen mit wenigen treffenden Worten, indem er klar und ohne Sophistik erklärt: "Sprich: Er ist Allah, der Einzige. Allah, der Ewigwährende. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt. Und es gibt niemanden, der Ihm gleicht." Sure 112.

Sarkastisch führte mein Freund seine Fragen fort: Warum sagt ihr Gott sei eins ? Warum gibt es nicht mehrere Götter, die bestimmte Aufgaben untereinander verteilen ?

Diese Frage werde ich nicht mit dem Koran beantworten, sondern mit der Mentalität, die er akzeptiert, mit der Wissenschaft. Meine Antwort lautet: Der Schöpfer ist einer, da das ganze All aus einem Element und nach einem Plan konstituiert ist. Aus Wasserstoff entstanden die anderen Elemente im Periodensystem. Sie entstanden auf dieselbe Art und Weise, wie die Sterne und die Sonne im All glühen, zunächst durch Kernfusion, dann durch eine atomare Explosion. Alle Lebewesen sind aus Kohlenstoffmolekülen aufgebaut. Alle Lebewesen verkohlen im Feuer. Alle Lebewesen sind anatomisch gleich gebaut. Die Anatomie des Frosches, des Hasen, des Wals enthüllen uns einen anatomischen Plan; dieselben Adern, Venen und Herzkammern, dieselben Knochen. Jeder Knochen hat einen ihm entsprechenden Knochen in einer anderen Art: Der Flügel der Taube entspricht dem Arm des Frosches mit einer geringen Umformung. Im Hals der Giraffe, so lang er auch ist, finden wir sieben Wirbel, die wir auch im Genick des Igels antreffen. Das Nervensystem ist ein dasselbe in allen Tieren bestehend aus dem Gehirn, dem Rückenmark, den Sinnesnerven und den Bewegungsnerven. Die Verdauungsorgane setzen sich aus Magen, Zwölffingerdarm, Dünndarm und Dickdarm zusammen. Die Fortpflanzungsorgane sind gleich: Der Eierstock und die Gebärmutter, der Hoden und seine Kanäle. Nieren, Harnleiter und Harnblase bilden das Ausscheidungsorgan. Die anatomische Einheit in allen Lebewesen ist die Zelle. Sie ist ein und dieselbe in Tier, Pflanze und Mensch. In allen Fällen hat sie die Eigenschaften zu atmen, sich zu vermehren und zu sterben. Alle Zellen entstehen auf die selbe Art und Weise. Wo ist dann die Seltsamkeit in der Aussage, daß der Schöpfer eins ist ? Deutet nicht die Einheit der Systeme darauf hin ?

Warum sollte sich der Vollkommene vermehren ? Hat er irgendwelche Mangel, die ein anderer ergänzen sollte ? Nur die Unvollkommenen sind vielfach.

Wenn es viele Götter gäbe, würden sie uneinig sein. Jeder Gott würde seine Geschöpfe auf seine Seite nehmen, und die Erde würde verfallen. Aber Ihm, Allah, gehört der Hochmut und die Allmacht. Das sind Eigenschaften, die keine Partnerschaft dulden.

Unser Freund machte sich über unser Verständnis von der Gottheit lustig und brachte den Einwand: Ist es nicht seltsam, daß Gott sich in jede Kleinigkeit einmischt ? Er herrscht über alle Tiere und weist die Bienen an, daß sie sich in den Bergen Häuser bauen sollen. Er weiß über jedes fallende Laubblatt und über die Anzahl der Früchte Bescheid. Keine Frau bringt ein Kind zur Welt ohne sein Wissen. Wenn ein Fuß in eine Grube stolpert, so war er es, der ihn stolpern ließ. Und wenn eine Fliege in das Essen fällt, so war Er der Urheber. Wenn die Telefonleitung nicht funktioniert, so setzte Er sie aus. Wenn der Regen nicht fällt, hielt Er den Regen vom Fallen ab. Und wenn es regnet, so ließ Er es regnen. Legt ihr eurem Gott mit dieser Vorstellung nicht allzuviele bedeutungslose Aufgaben auf ?

- Ich kann nicht verstehen,ob es aus der Sicht des Fragenden passender für eine Gottheit wäre, wenn sie diese Pflichten ablegt und auf Urlaub gehen würde ?! Wenn sie dem All den Rücken zukehrt, bis es sich selbst zerstört ?! Ist seiner Meinung nach angemessener für eine Gottheit, ein nichtstünder Gott zu sein, ohnmächting, blind und taub ? Ein Gott, der seine Geschöpfe vernachläßigt ?

Woher hat mein Freund das Wissen, zu bestimmen, daß eine Angelegenheit eine Kleinigkeit ist, die das Eingreifen Gottes nicht benötigt ? Oder daß eine andere Angelegenheit wichtig und weltbewegend ist ?

Die Fliege, die ihm so bedeutungslos erscheint, daß es eigentlicht unwichtig ist, ob sie ins Essen fällt oder nicht, kann durch ihren bedeutungslosen Fall die Geschichte verändern. Sie könnte einer Armee die Cholera übertragen. Dann würde der Gegner den Krieg gewinnen und den Gang der ganzen Gecshichte ändern. Tötete nicht eine Mücke Alexander den Großen ? Die bedeutungslosesten Anfänge können die schlimmsten Folgen haben, und der gefährlichste Beginn kann bedeutungslos enden. Nur wer das Verborgene weiß, kennt den Wert der Dinge. Glaubt unser Freund etwa , er sei ein Vormund Gottes, der Ihm seine Aufgaben vorschreibt ? Unser gepriesener Gott ist über diese naive Vorstellung erhaben. Der Gottheit ist nur wert, wer umfassende Kenntnis über alles besitzt; dem kein Staubkorn auf Erden oder im Himmel entfällt. Gott, der uns erhört und erwidert, der seine Geschöpfe versorgt.

Assalam u 3alaikum
Essarghini

Assalam u 3alaikum
Essarghini