ach, malika! ich könnte dir nun mit hilfe von "google" auch zu jedem vorurteil irgendwelche internetseiten nennen! aber darum geht es doch nicht!
"deutschland den christen!" wenn ich diesen slogan höre, weiss ich, wessen geist aus dieser internet-page "hüstelt".
aber eines steht für mich fest: die muslims tun sich ungleich schwerer, sich mit "anderen" religionen zu befassen, als die christen.
ich denke schon, dass muslims einen missionsgedanken haben, wenn sie von ihrer religion sprechen. sie wollen überzeugungsarbeit für ihre religion leisten. nach der lehre ist der islam die letzte und damit die "höchststehende" religion, die jüdischen und christlichen glauben in sich hat, aber darüber hinauswächst.
ich war sehr verblüfft, als ich vor jahren, nachdem ich mich erstmals ein wenig intensiver mit dem islam beschäftigte, feststellte, dass jesus und abraham eine zentrale stellung im islam zukommt. eine zentrale, aber nicht d i e zentrale!
damit muss der islam die glaubensinhalte von juden- und christentum nicht von sich weisen. er hat sie quasi in sich aufgenommen und verwandelt!
und damit ist ein "diskurs" der religionen eigentlich überflüssig! (nach muslimischem denken und glauben!) der islam "weiss" um die glaubensinhalte von christen und juden und setzt ihnen nur die "quintessenz" entgegen, das substrat aller religionen!
dann noch dies: christliche glaubensinhalte haben sich im laufe der jahrhunderte säkularisiert. eine partei, die sich in deutschland "christlich" nennt, ruft ihre mitglieder nicht zum täglichen gebet auf. sie macht nur darauf aufmerksam, dass sie ethischen und moralischen grundsätzen folgt, die aus dem christentum abgeleitet sind.
die christliche moral und ethik hat sich von den "frommen" glaubensinhalten entfernt. sie repräsentiert inzwischen abendländisches denken und handeln. eine säkulare, christliche philosophie!
diese ist fundamental abgeleitet aus den 10 geboten des christentums.
darum können heute christen über ihren glauben recht säkular, fast philosophisch nachdenken und diskutieren! die fundamentalen glaubensinhalte werden dabei nicht berührt (tod, christus, auferstehungsglaube, ewigkeit, gott, paradies).
darum können sie auch das "christliche" regelwerk in frage stellen, ohne dass ihr glaube damit in frage gestellt wird.
ich weiss nicht, ob der islam zur zeit und heute in der lage ist, ein philosophisch-ethisches regelwerk zu entwickeln, dass nicht unmittelbar die "innigkeit des glaubens" eines muslims trifft, und damit unter umständen stört oder in frage stellt.
gibt es eine philosophie des islam?
ich weiss es nicht. aber es könnte sein, dass der dialog zwischen islam und christentum gerade daran scheitert, dass auf verschiedenen ebenen argumentiert wird.
mohand hat es hier einmal gesagt: über den "glauben" ist nicht zu diskutieren. richtig!
aber wir können über die aus dem glauben abgeleiteteten grundsätze und überzeugungen sprechen, oder?
ich sehe wenig eifer in den christlichen kirchen europas. ich sehe aber sehr viel eifer in den christlichen glaubensgemeinschaften amerikas! genau dieser tradition folgend, beansprucht heute amerika hegemoniale vorherrschaft in der welt. amerika will politisch "missionieren". und da stehen die kirchen amerikas in nichts nach und in genau derselben tradition! und die amerikanische politik beruft sich auch noch auf das so verstandene christentum. dieses christentum allerdings ist ein frömmelndes und eiferndes.
in diesem sinne - und ich weiss, dass es schroff klingt - ist der amerikanische imperialismus ein weit besser geeigneter gesprächs"partner" für den islam, als die christlichen kirchen europas! denn sie ähneln einander, obwohl sie im ersten hinblick nichts miteinander gemeinsam zu haben scheinen.
widerspruch sehr erwünscht!
Jocim