ORA ET LABORA (Bete und Arbeite) das, finde ich, ist ja ein lobenswerter Leitspruch (wobei etwas Spaß auch nicht zu kurz kommen sollte, aber so sind sie halt auch, wirken manchmal ein bißchen streng, die Christen... ;\) . )
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Falls es jemanden interessiert, was so dahinter steckt, hinter einem der bekanntesten Leitsprüche der deutschen Kultur und Tradition, hier eine Online-Predigt zu "ORA ET LABORA".
http://www.onlinepfarrer.de/pre55.htm

"" Seien wir ehrlich, liebe Schwestern und Brüder!

Unsere Sympathie liegt eigentlich mehr bei der Martha des Evangeliums (Lk 10, 38-42). Sie rackert sich ab, schafft in Küche und Keller, weiß nicht, wie sie das alles bewältigen soll mit dem hohen Besuch und ihre Schwester schert sich einen Dreck darum. Da platzt ihr schließlich der Kragen: Herr, kümmert es DICH denn nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir überlässt?

Und sie bekommt - zu allem Übel - noch eins auf den Deckel. Jesus sagt: Maria hat den besseren Teil erwählt. - Das sitzt. Knallhart. Was Martha tut, wird offenbar nicht anerkannt. Maria hat das Bessere gewählt.

Heißt das in letzter Konsequenz: Ich kann die Hände in den Schoß legen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen? Jeden Tag in die Kirche laufen? Lange Gebete sprechen und schön fromm sein - dann wird der liebe Gott schon alles gut machen?

Ganz so einfach ist die Angelegenheit nicht. Es ist immer gefährlich und zu einfach, ja unverantwortlich, wenn man einzelne Sätze oder sogar einzelne Worte aus der Bibel herausnimmt, sie aus dem Zusammenhang reißt und daraus allgemeine Wahrheiten ableitet. Für das rechte Verständnis einer biblischen Erzählung muss man sie in ihrem Zusammenhang betrachten. Erinnern Sie sich an den vorausgegangenen Text. Er wurde letzten Sonntag als Evangelium verkündet. Lukas berichtet dort über den sog. barmherzigen Samariter: ein Mann der Tat. Einer, der handelt, der die Situation erkennt, ein Martha-Typ, wenn wir so wollen. Im Gegensatz zu Priester und Levit, die mit dem Gebetsbuch unter dem Arm vorbeilaufen zum Gottesdienst und sich nicht darum kümmern, dass da jemand Hilfe braucht, Maria-Typen.

Es ließen sich noch eine Reihe anderer Stellen anführen, wo Jesus seine Anhänger zur Tat aufruft, wo er selbst ganz praktisch zupackt, Gottes- und Nächstenliebe verkündet.

Ora et labora - bete und arbeite: das Motto des Benediktinerordens ist vielleicht eine ganz gute Zusammenfassung.

Was uns Gott in diesem Abschnitt des Lukasevangeliums möglicherweise heute sagen will, könnte folgendermaßen aussehen. Jedenfalls ist das meine Interpretation für mich, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Reiner Aktivismus, blinde Geschäftigkeit allein tun es nicht. Wichtig ist beides: ora et labora!

Und ganz sicher sind wir - jedenfalls kann ich das von mir sagen: bin ich - eher in der Gefahr, die Betonung auf die Arbeit zu legen: Da könnte ich noch dieses oder jenes tun, das müsste noch unbedingt erledigt werden, da müsste die Gemeinde sich engagieren, und, und, und. Es gibt in der Tat viel zu tun, das wir anpacken müssten. Und doch ist das nur die eine Seite. Es geht in unserer Religion um beides: Nächstendienst und Gottesdienst! Mir hilft es, wenn ich mir das immer wieder klar mache, z.B. wenn ich mir feste Gebetszeiten einrichte, Zeit zum Bibellesen und für Gottesdienst. Nur dann ist wohl gewährleistet, dass der Pegel nicht ausschlägt und es heißt: Arbeit vor Gebet. Nächstendienst vor Gottesdienst. Gewiss kann dann und wann die Arbeit vorgehen. Vinzenz von Paul hält z.B. in seiner Regel fest, dass man, wenn ein Mensch in Not ist und Hilfe braucht, den Gottesdienst oder das Gebet verlassen soll. Aber das ist die Ausnahme. Es geht im ganzen um eine gesunde Mischung.

Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit in meinem Heimatort, wo Frauen und Männer hart zupacken mussten und arbeiteten von früh bis spät: in der Landwirtschaft, im Betrieb, im Haushalt. Da war z.B. der Gottesdienstbesuch - auch am Werktag - oft die einzige Erholungspause. So ein Gottesdienst ist nämlich auch eine Zeit zum Abschalten vom Alltag, zum Ruhigwerden, zum Gespräch mit Gott, das nicht immer mit Worten erfolgen muss.

Wir haben heute andere und mehr Möglichkeiten der Entspannung und Erholung und viele meinen, den Gottesdienst nicht mehr zu brauchen. Die Botschaft lautet:

aufpassen, dass wir uns nicht in der Person der Martha verlieren - auch Freizeit kann zum Stress werden, wenn eine Aktion die andere jagt.
offen bleiben für die vielen und unterschiedlichen Begegnungsmöglichkeiten, die Gott anbietet.

Er kommt oft auf leisen Sohlen. Er begegnet mir oft dort, wo ich ihn am wenigsten vermute: in dem Menschen, der mir gerade gegenübersteht, in meinen Angehörigen, in mir selbst, in seiner Schöpfung, in meiner Arbeit.

Ora et labora, Gottesdienst und Menschdienst. Und vergessen wir dabei nicht das wesentliche: den Teil, auf den Maria sich in unserer Geschichte konzentriert: sich dem Herrn zu Füßen setzen und auf sein Wort hören. ""


Viele Grüße, Ulla

"Ein Kind ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entzündet werden will" Francois Rabelais