hallo abid,

du machst aus einem vergleichsbeispiel ein ganzes thema. doch, ich antworte dir schnell, werde mich jedoch verabschieden, bis das vulgäre das forum wieder ein wenig vergessen hat.

in deinen aussagen wiederholt sich der umstand, dass du marokko für islamisch hälst, weil es islamisch ist. dieser tautologe gedanke liegt bei dir einem anderen zugrunde, wonach marokko gar nicht anders sein kann, weil es so ist.

ferner scheinst du deine verwunderung stets darüber auszudrücken, wenn marokko also so ist, weil so ist und anders gar nicht sein kann, wie können denn manche marokkaner anders sein ? sogar kommunistisch ?

dass diese logik "zu" - im sinne geschlossen - ist, und dass die realität eine andere ist und uns teilweise ein anders, komplexes bild zeigt, brauche ich dir nicht zu zeichnen, oder etwa doch ?


wenn die moudouana, ihre reform und all was damit zusammenhängt, sogar ihre kritik, islamisch sind und nichts anders sind als islamisch, wieso waren es nicht die islamisten, die diese reform verlangten ? wieso war das verhalten der islamisten nicht intiativ, sondern reaktiv ? und wieso kamen sie nicht einmal mit einer ernstzunehmenden alternative ?

der erste puls für die reform der moudouana, der geist, der ihn zum funken brachte, sowie die ersten zirkel, in denen dieser geist gor, hatten ein anders leitmotiv und sind der moderne im einfachen sinne und nicht irgendwelchen theologischen oder religiösen überlegungen zuzuschreiben.

erst das prallen mit der gesellschaft und die brüske, nicht kommunikative art der vermittlung seitens der initiatoren brachte millionen auf die strassen.

doch waren diese massen von menschen lediglich religiös motiviert ? und wo kann man gerade bei solch einem geschehen relgion von bräuchen und tradition zuverlässig trennen ? wenn ein säufer, der nie zur moschee geht, mitdemonstriert, weil das welbild, das er von der eignenen gesellschaft hat, zum bröckeln gebracht wird, ist das religion ? und wieviele, die mitdemonstrierten, kannten die moudouana so genau und wussten wirklich, worum es sich handelt ? warum, auch, behaupteten islamisten des aladl oua ilhsan z.b., dass sie gar nicht gegen die reform seien, sondern lediglich gegen den umstand, dass sie von der weltbank importiert wurde, ohne das volk zu konsultieren ?

hat sich jemand überhaupt ernsthaft so etwas gefragt ?

das beispiel der moudouana zeigt, dass alle kräfte des volks beteiligt waren, dass man in marokko friedlich und rasch wichtige schritte unternehmen kann und dass - und das ist extrem wichtig - die sache viel wichtiger ist als ihr urheber.

gerade das haben selbst die islamisten in marokko, gezwungen oder intuitiv, gelernt; du scheint jedoch die grundsatzdiskussion wieder forcieren zu wollen und genau dem beispiel der berberisten zu folgen, die trotz ihrer bedeutungslosigkeit daruf besthen die urheber aller errungeschaften für tamzight zu sein.

marokko ist ein islamisches land, und seine gesellschaft ist islamisch. grundsätzlich, denn menschen und staaten sind nicht per se islamisch un bleiben es auch per se nicht.

darüber hinaus - und das scheint mir viel wichtiger - bildet der islam für marokko jene grundethik, die das christentum für europa beispielsweise bildet und die der gesellschaft ein moralisches hintergund der zugehörigkeit liefert.

das erklärt z.b. warum säufer oft diejenigen sind, die jene verjagen, die ramadan nicht einhalten.

ferner lebt marokko im 21 jahrhundert und ist keine insel. ob es will oder nicht, es ist im interesse des landes im innern wie nach aussen sich gegenüber anderen relgionen und welten zu öffnen. eine nation, die dies nicht macht, ist zum untergang verdammt.

gut. das alles ist nicht beton, sondern gegenstand von überlegung, austausch und debatten. aber dazu muss man bereit sein und nicht einfach sagen, wir sind muslims, weil wir muslims sind und unser weg ist der absolut richtige, weil er der absolut richtige ist.

gruss
jm