hallo izem,

die frage ist, ob ich stur bin oder oder du vorurteile hast ? oder ist es der umstand, dass ideologische dogmen zwangsläufig dazu verleiten, leute in schubladen zu stecken, wie ich nicht aufhöre zu wiederholen.

als ich ein überzeugter marxist-leninist war - in welcher form und welcher bewegung das auch immer behaust war - erschienen mir alle moderaten meinungen als kleinbrügerlich reaktionär abzulehnen.

das ist u.a. der grund, warum ich die haltung vieler berberisten als bedauerlich naiv und impulsiv bzw. pubertär bezeichne, nicht beschimpfe.

zum thema, im bereich frauenrechte hat marokko einiges erreicht, was national wie international wohl auf admiration stosst. ist das einer feministischen bewegung zu verdanken ? wenn westliche feminitsiche journalisten nach marokko pilgern, um dort ihre "schwestern" in ihrem "kampf" hautnah zu erleben und zu interviewen, sind sie schnell entäuscht, da sie auf nur wenige frauen treffen, die wirklich als feministinnen zu bezeichnen wären, die jedoch entweder aus beruflichem wie politischem opportunismus handeln oder meinungen wie in frankreich vertreten, wonach der mann kein feind, sondern ein partner für das leben und seine sinnlichkeiten sei.

im gegenteil, vergegenwärtigt man sich die grossdemos von casablanca etwa, sieht die gesellschaft auf dem ersten blick alles andere aus als für solch eine feminsitische reform bereit zu sein.

wie kommt es also, dass die quasi jahrhundertreform ohne die feministische bewegung stattfand ?

zunächst muss man akzeptieren, dass nicht alles, was statt findet an reformen und kämpfen lediglich militanten bewegungen zu verdanken ist.

wie der fall der moudouana zeigt - du musst zugeben, mit diesem vergleich bin ich extrem und unvorsichtig groszügig mit der mazighistischen bewegung -, neigt marokko dazu, aus den eigenen volkskräften heraus wunderbares und zwar rasch und völig friedlich zu schaffen. die moudouana kam, intiert von einem minister un seinem modernisten- bis feministen-umfeld, übernommen vom könig, abgwicklet von einer kommission unter der leitung des konservativen boussetta, gesegnet von der ganzen gesellschaft und jeder sah darin seinen erfolg; feministen und islamisten jubelten gleichermassen.

es mus seine - noch nicht studierten - gesetzmässigkeiten haben, aber wie im falle der moudouana haben viele faktoren und kräfte ihre eigene rolle in dem bewusstsein für tamazight gespielt, darunter auch die namen, die du aufzählst und eine reihe von vereinen u.ä.

das ist der geist, der uns von gegenden wie dem blakan oder algerien trennt. wenn ich das beispiel etwa erwähne, wie in marokko in aller gelassenheit ein grosses festival für tamazight und zwar in fes organisiert wird, dann will ich nicht meinen wie toll alles bereits ist, sondern in erster linie auf diesen geist und seine prozesse hinweisen, den die berberisten zu verkennen pflegen wie das thema des threads deutlich zeigt.

die symbolische reichtweite von solch einem ereignis ist gewaltig und wenn in einem festival von fes eine persönlichkeit wie fatima mernissi, die die runde der podien in aller welt macht, auch nur ein nettes wort über tamzight äussert und ihre bewunderung für mohammed chafiq, ihren lehrer unterstreicht, dient dies tamazight mehr als all die gewaltsamen demos in der kabylei oder sonstwo. und man muss sich geschichtliche unverantwortung vorwerfen, wenn man solche oprtunitäten und kleinoptimismen nihilistisch zu begegnen und vernichten versucht.

wenn die geschichte marokkos bereits vor dem islam beginnt, wie wohl jeder weiss, bezieht sich meine aussage auf den heutigen marokkanischen staat, der sich historisch nur in der reihe der marokkanischen islamischen dynastien einbetten lässt.

damit will ich nicht offizielle stellungnahmen wiedergeben, sondern deutlich machen, dass eine gesellschaft, die seit vielen jahrhunderten durch einen zentralorganisierten königlichen bzw. imperialen staat politisch, religiös und sonstwie geführt wird, radikal andere gesellschaftliche mechanismen und imperativen aufweist, als eine, die statt dessen, zyklen von kolonialmächten durch die jahnhunderte erlebte, die entweder ein strategisches interesse darin sahen, ihre tribale sturtkur zu fördern oder diese im besten falle aus desinteresse bewahrten.

das ist ein gigantischer unterschied zu algerien beispielsweise, den die berberisten von marokko nicht beachten und der - neben anderen versäumnissen - dazu führt, dass ihre belange in der marokkanischen gesellschaft nicht gehört werden.

viele wissen das nicht oder schenken dem keine bedeutung, staunen jedoch immer wieder, warum in diesem land brisante fragen friedlich ausgetragen werden, die wonders massenunruhen verursachen und können sich sonst nicht erklären, warum es soviel rafinesse und aristokratische eleganz bieten kann, wenn es sein muss.

vielleicht sollte ich in diesem thread der nzz-journalistin doch noch ein bisschen recht geben, die in ihrem artikel über die kabylei an die wickinger oder galier erninnert, den dort kann es fein unmöglich sein, auch wenn man es mit aller macht und kraft wollte. das verbietet die geschichte.


gruss
jm