hallo izem,

nicht die geschichte marokkos fängt dann an, sondern die des marokkanischen staates.

mehdi ben barka, der wohl grösste märtyrer der marokkanischen linke war ein freund und lehrer von hassan 2. mohammed chafiq, der von vielen respektierte und in erster linie als ehemaliger direktor des ircam bekannte mazighistische intellektuelle war lehrer im college royal. laroui aus diesem blinkwinkel zu kritisieren ist nichts anders als eine schwache populistische diffamation.

seine arbeiten sind gerade für tamazight von grosser bedeutung. in dem er die koloniale geschichtsschreibung kritisch auf den kopf stellt, liefert er eine hervorragende wissenschaftliche und methodologische gelegenheit, die wichtige mazighische dimension in die geschichte marokkos neu einzugliedern und voll zu integrieren. tamazight ist zwar nicht sein focus, doch der hautpverdienst seiner arbeit besteht darin, das gemäuer der kolonial- und der offiziellen geschichtsschreibung zu zerstören, um ein neues fundament zu stellen, auf dem jener bruch von der antike bis zu unseren tagen geheilt wird und zugleich die glorreichen zeiten aud der offiziellen arabo-islamischen ideologie zurückzugewinnen.

das ist eine zentral wichtige angelegenheit, die berberisten dillitantisch vernachlässigen.

seine zentrale idee, wonach die araber nordafrika nicht besetzen und auch nicht islamsieren konnten, sondern dass sie in die region wie die antiken basatzungsmächte einzogen, um wieder gejagt zu werden, und dass der maghreb sich aus den eigenen kräften islamisieren und vereinen wird, bis dahin, dass er königreiche und empirien erleben wird, die afrika und spanien unterwarfen, ist nicht anders als eine glänzende stützung mazighistischer thesen, sollten diese intelligenter formuliert werden.

und nichts anders trachtest du im grunde uns über die almoraviden, almohads zu erzählen, obgleich du dich darum bemühst dem etwas mazighistisches make-up zu geben.

doch laroui kämpft nicht gegen den könig, er geht nicht nach algerien, um einen bewaffneten widerstand zu organiseren und so verliert er für berberisten wie dich bereits an wert. dabei ist er ein international anerkannter und geschätzter wissenschaftler, dessen arbeiten durch den hohen grad ihrer pertinenz beeindrucken und vergnügen.

wie erklärt sich dieser umstand ? einfach: ideologie und dogmen machen blind.

was mich in algerien interessierte, war dein vergleich und die tatsache, dass die verblendeten marokkanischen berberisten im "kampf" der kabylen ein modell sehen und anarchie mit freiheit gleichsetzen.

ferner merkst du nicht, dass du ein paar namen aufzählst, um mühsam die geschichte einer "mazighistischen bewegung" aus dem nichts zu stampfen, die es nicht gibt.

tatsache ist dass in den 70 er bis anfang der 80er jahre das politische leben in marokko brodelte, so sehr, dass man von ernstzunehmenden parteien, bewegungen und gruppierung die namen nur mancher previligierte behält, da diese sonst über eine bedeutende anzahl von mitgliedern, militanten, aktiven sympathisanten, wählern, passiven unterstützern etc. verfügten, die ihnen das politische und geschichtliche gewicht verliehen. da dieses arsenal den paar berberisten, die du hier aufzählst, fehlte, sie über keinen geist verüfgten, sondern gegen den geist der stunde dachten und agierten, wenn sie es überhaupt taten, waren sie inexistent.

serfaty und die anderen linken hatten andere sorgen wie z.b. das proletariat für ihre ideolgie in der marokkanische gesellschaft zu finden bzw. zu erfinden, damit sie seine diktatur proklamieren, eine frage die die usfp-partei mit dem begriff der "forces populaires" löste. das waren fragen, die diese leute und ihre bewegungen beschäftigten und wenn sie mit einem exotischen berberisten irgendetwas besprachen, waren das momente, die politisch oder geschichtlich überhaupt keine bedeutung hatten oder haben.

schliesslich zu deinem vorschlag ist es in meinen vielen beiträgen deutlich lesbar, dass ich für die marokkanität marokkos bin, wozu seine mazighität felsenfest gehört. ich bin für eine eigene, marokkanische rehabilitirung von tamazight, die im gegenteil zu den querullanten, tribalen und destruktiven agitationen des kabylismus und sonstigen separatistischen ungeistern eine echte konstruktive alternative ist.

das beginnt damit, dass wir die mazighität nicht als etwas ausser uns, sondern in uns, und nicht als etwas auschliessendes und verstossendes, sondern als etwas integrierendes und einschliessendes erachten.

d.h., wir müssen jene sicht verwerfen, die araber und berber als nebeneinander lebende ethnien erachtet, und anfangen einzusehen, dass jeder von uns araber, berber und sogar etwas mehr ist. also marokkaner. so können wir uns mit unserer geschichte versöhnen und ihre erfolgreichen kapitel nicht den arabo-islamischen ideologen zuzuschreiben, sondern von unseren eigenen leuten, in marokko signieren lassen und der welt neu erzählen, das tarik ibn ziad und yussuf mauren, berber sind und dass alhambra so heisst, weil die mauern in marrakech rot sind.

auch müssen wir die radikalen ideolgischen dogmen abwerfen und anfangen zu lernen, pragmatisch und konstruktiv zu agieren. die aktuelle lage in marokko bietet mehr als eine gelegenheit, für die marokkanität und amazighität marokkos zu arbeiten. das ist möglich und das ist viel spannender als irgendwo verbittert sich einzuschliessen, ewig auf die monarchie zu schimpfen und von einer wie auch immer gearteten revolution oder utopie zu warten.


gruss
jm