Lieber Jm,
dass wir nie einer Meinung sein werden, ist mir seit langem klar. Zwischen uns liegen große Unterschiede in der Interpretation der politsichen Erreignisse, aber auch ideologische Hintgründe spielen eine Rolle.

Während du dich hinter der offiziellen arabisch-islamischen Geschichtsversion und Identität Marokkos bzw. Nordafrikas versteckst,gebe ich dir Geschichtsbeispiele aus der vorislamischen Zeit, um dir zu beweisen, dass die Existenz Marokkos nicht mit dem dem Jahr 791 anfängt, wie du und das offizielle Marokko propagieren! Ausgerechnet die Thesen von Abdallah Laroui, der jahrlange Berater des Despoten Hassan II, der sich nie gegen die Verbrechen seines Chefs geäüßert hatte, ziehst du als Autorität heran. Seine Thesen sind überhollt, es gibt zum Glück auch andere unabhängie Historiker und Philosophen in Marokko, wie Mohammed Zniber, der öffentlich sagte, er verstehe das Verdrängen der masirsichen Identität in Marokko und vorallem bei den Intellektuellen überhaput nicht!
Es reicht nicht aus, das europäische historische Wissen über über Nordafrika einfach abzulehnen und als Kolonialismus abzutun, wie dies dein verherter Laroui macht. Er hat in seinem Buch nur eine arabische Legitimation eines neuen Staates, der im Entstehen begiffen war. Und deshalb nennen ihn viele unabhängige Historiker und Philosophen in Marokko: Unser Staatsdenker!
Sowohl die Almoraviden als auch die Amohaden, als sie sich vom Orient politisch unabhängig machten, und Arabisch und Tamazight institutionalisierten, haben sich nie als Araber bezeichnet, aber dem Staatsdenker Laroui fällt leicht, sie als Araber zu bezeichnen und die Verwendung des Tamazight in den Moscheen als Bidâa zu bezeichnen. So einfach ist dieses Kapitel unser Geschichte nicht, aber das ganze aus der arabischen Perspektive zu analysieren ist eben falsch. Und das ist genau das, was Ali Sidqi Azayku, ein anderer Historiker, diskutiert haben wollte. Wozu eine nordafrikanische Geschichte aus der arabischen Sicht? Seine Fragen und die des Mohamed Zniber, sind interessanter als die Fragen von Laroui, der nur die französische Kolonialgeschichte kritisiert, um bei der arabischen Kolonialgeschichte wieder zu landen!


Ich sehe, im Gegensatz zu dir, große Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Algerien und Marokko. Ich habe nichts gegen die Algerier, weder gegen die arabophonen noch die Masirophonen, ich beurteile die Kulturpolitik beider Länder, und für mich sind sowohl die Monarchie als auch das algerische Militär despotische Regime!!! Ich habe nichts gegen Royalisten, wenn sie es auch zugeben, aber deine versteckte Loyalität gegenüber der Monarchie und Übernahme ihrer Standpunkte , vorallem gegenüber Algerien, ist mir immer wieder schleierhaft!

Auch ich war im Jahre 1980 in Marokko.
Und jetzt zu deiner lückenhaften Bildung:
Die Mehrzahl der heutigen Masiristen waren in den 70. und 80. ja in links-radikalen Strömmungen aktiv. Die masirsiche Frage ist ja nicht neu in Marokko!Sie begann mit den Diskussionen über die neue Identität des marokkanischen Staates!
Der Despot Hassan II selbst, bat während einer Diskussionen über die Identität Marokkos die berberophonen der MP damals die masirsiche Frage zu verschieben!
Die Linksradikalen Masiristen haben die masirsichen Frage zunächst marxistisch interpretiert, d.h als ein Kampf einer benachteiligten Kulturklasse im Sinne Antonio Gramsci. Selbst der damalige Chef der Ila-Amam Abraham Serfati stimmte eine Erklärung der linken Masiristen zu, in der um die kulturellen Rechte ging! ( Mehr dazu bei Serfati ).
Die Kulturrevolution Lenins war ja ein Vorbild: Lenin hatte ja alle nicht-russischen Sprachen und Identitäten offiziellisiert. So dachten auch die links-radikalen Masiristen damals!
Der Rechtsanwalt Hassan Id-Belkassem und Gründer der NGO`S Tamaynut 1978 war ja Wortführer einer marxistischen studentischen Gruppe in Rabat gewesen!
Ich könnte dir andere Namen aufzählen, die sich damals für Tamazight innerhalb der linken Gruppen und Paretein eingesetzt hatten. Auch in der USFP und UNFP waren die Masiristen organisiert! Und es gab sogar eine weitere Berberisten-Partei in Casablanca, deren Gründer ermordet wurde! Aber man nimmt nur das wahr, was man wahrnehmmen kann!!
Die gleiche Entwicklung gab es auch in Algerien ( FFS mit Ait Ahmed )!
Es gab ja viele linke Gruppen, von den Anarchsiten bis zu den Panarabisten, aber zu dem Zeitpunkt hatten alle das schlechte Los, in einem despotischen Regime zu leben, das viele willkürlich ermorden liess. Und erst in diesem Jahr nimmt die Öffentlichkeit Kenntnis davon!!
Du scheinst dich immer wieder zu freuen, dass die stumme Masse u.a diese wichtigen Fragen, die in Marokko erst jetzt diskutiert werden kann, gar nicht wahrgenommen hatte!
Eine Erneuerung der politischen Kultur in Marokko, die dich und die Islamisten zugleich zum Respekt des kulturellen und linguistischen Pluralismus zwingt, kam ja erst mit durch den Diskurs der Masiristen, der modern und rationalistisch ist!! Die Masiristen reden nicht im Namen eines Stammes oder Religion, sondern im Namen der Demokratie und bis dahin gab es in Marokko nur ARABISCHE NATION oder ISLAMISCHE UMMA. Mehr konnte man dem GEHIRN eines MAROKKNERS nicht zutrauen, erst durch die Masiristen begannen sie zu lernen, dass es vor dem Islam und ausser den Arabern etwas anderes gibt, das älter,authetischer und kein Import ist !!!
Als ein revolutinärer Marxist mit masirischem Hintergrung die Marxisten darauf hingwiesen hatte, dass sie keinen fremden Helden wie Che brauchen, weil es einen lokalen nordafrikanischen Helden gab, der gegen die römische Herrschaft und für die Befreiung der Massen kämpfte und Takfarinas hiess, sagten sie ihm damals : Nein lieber Che als einen berberischen Helden! Mit der Zeit haben viele Masisristen verstanden, dass sie sich unabhängig machen müssen, wenn sie etwas bewegen wollen und viele von ihnen verliessen diese Gruppen und gründeten eigene Organisation!
Du scheinst dich mit Iblis zu sympatisieren und vieles zu vereifachen. Das wundert mich nicht, der Islamismus ist ja das Todgeborene Kind des Panarabismus, während die dritte Kraft und Ideologie der Masiristen etwas lebendiges und einheimisches! Unsere Geschichte zeigt, dass wir immer die Wahl hatten, zwischen den Ideologien aus dem Orient ( Karthago) oder den Ideologen aus Europa ( Rom ). Die Masiristen zeigen, dass es etwas lokales, afrikanisches und nichts importiertes gibt, dass unser Seele entspricht, damit wir keine reine Konsomemten mehr bleiben von orientalischen oder westlichen Gedankengut bleiben.


Ich mache dir einen Vorschlag:
Ich gehe davon, dass du für die Amazightät Marokko bist, wenn es nicht der Fall ist, sag es deutlich:
Du weißt, dass erst durch das Engagement der Masiristen Bewegung in der masirsichenn Frage kam.
Du hälst dieses Engagment und die Art und Weise wie Tamazight verteidigt wird für falsch.
Kannst du mir ernshaft erklären, wie deiner Meinung nach die masirsiche Identität in Marokko verteidigt werden kann?
Die Masiristen seien auf dem falschen Weg, sschreist du und die Islamisten immer wieder, aber klärt uns auf, wie man es besser machen sollte. Ich lerne gern dazu!