@dolphin,

bitte bitte keine 'gnadenschüsse'. meine meinung ist nicht ideologisch geleitet, nie definitiv oder vorbestimmt und hier nicht wirklich gänzlich wiedergegeben.

ich möchte zur vorsicht bei solchen analysen raten, wenn sie empfehlungen und werturteile enthalten, so nobel die quelle auch klingen mag.

neben der religion kann und darf die ethnizität nie als leitmotiv eines gesellschaftlichen kampfs erachtet werden. im falle yugoslviens hat man von der ferne einiges nicht einkalkuliert. den preis eines der bösesten ethnisch-religösen kämpfe der menschheit zahlen jetzt die yugoslaven. die europäer vereinen sich friedlich weiter!

@malika

es kann dir auffallen, dass ich bei dem, was ich schreibe, recht oft die mazighisten selbst zitiere.
unser o.z. berberist schreibt auf seiner seite folgendes:

"Paradoxalement, les évènements d'Octobre 1988, qu'on pourrait considérer comme un prolongement du Printemps berbère de 1980, n'ont pas touché la Kabylie. Comme si les Kabyles attendaient à ce que les algériens arabophones atteignent un degré de conscience qu'ils ont déjà atteint il y a presque une décennie."
(quelle: http://www.webzinemaker.com/admi/m9/page.php3?num_web=859&rubr=4&id=5190)

hälst du in deinen propos die beiden daten sicher auseinander? ich war bei beiden nicht dabei, aber vielleicht klärst du ihn mit einer email auf, wenn du meinst, es besser zu wissen.

der kabylische kampf ist jedenfalls nur geringfügig mit dem der restlichen gesellschft synchronisiert. andere teile des landes leben auch im eigenen universum und melden sich z.b. gar nicht.

diese eine facette einer scheinbar nachzuzeichnenden und nachzuweisenden dezentralisierung der algerischen gesellschaft durch die geschichte hat eine große bedeutung in der erklärung dessen, warum manche die gewalt als einen nationalcharakter in lagerien erachten, wogegen sich harbi in einem dir schon empfohlenen artikel in le monde diplmatique ( gewalt als historische erbe ) wehrt.

wir kommen sicherlich noch darauf zu sprechen, aber dieser aspekt läßt mich denken, dass trotz aller versuche der mazighisten, die mazighischen kämpfe zu vereinen, andere unsichtbare prozesse und gesellschaftliche dynamisme dagegen steuern, die weitaus mächtiger sind. die gesellschaft in marokko und die in algerien sind wie das mittelmeer und der atlantik getrennt: die gewässer beider berühen sich zwar, bilden aber eigene welten und folgen eigenen mechanismen.

nb:
weder bouteflika noch sonst welche machthaber können die gesellschaft und ihre geschichtlichen prozesse derart manipulieren. hätten sie die mazighische identität forciert, hätte es geheißen, sie wollten das volk im sinne von 'trenne und herrsche' regieren. bekannten sie sich zum arabismus, hieße es, sie unterdrücken die (wahre) identität des landes.

warum sie sich aber als araber und moslems nach der unabhängikeit nannten hatte u.a. andere stärkere gründe:

die welt war in großen blöckn geteilt. der westen um amerika, der ostblock und die blockfreien staaten.

um frankreich auch im geistigen kampf zu begegnen und die eigenen zersplitterungen zu übewinden bot die arabische identität die nötige zivilisationische referenz und die islamische den nötigen glauben.

das tribale stammesdenken war im vergleich lokal gerichtet und kurzatmig. die mazighische identität war in der zeit allgemein (auch unter den mazighen und mazighisten) ein schwieriger schritt nach hinten, der möglicherweise in die archaische stammesmentalität hätte führen können.

die arabische und islamische welt bot ein geistiges und ideologisches becken, der den maghrebstaaten dazu verhalf, die ideologischen und ethischen grenzen zu den atheistischen sozialistischen staaten zu überwinden und das bedürfnis eines eigenen blocks anzugehören stillte. man machte sich gedanken über einen islamischen oder arabischen sozialismus.

völker und politiker sahen noch bis vor kurzem (es gibt welche, die es immer noch so sehen), dass das heil der region mit der wiederhestellung der mit dem osmanischen reich untergegangenen arabisch-islamischen nation einhergeht.

usw. usf.

weder in marokko noch in algerien waren die machthaber so verschwörungstheoretisch mächtig wie von den mazighisten oft und gerne zu verstehen gegeben wird. das ist auch logisch nachvollziehbar. wäre das etwa der fall, hätte so ein mazighist wie der hier erwähnte mohamed chafik keine chance, es bis zu einer agesehenen verantwortungspersönlichkeit in den höchsten kreisen von rabat gebracht.

die jenigen die die mazighische identität, geschichte, gesellschaft etc, systematisch studierten, um sie (neben möglichem wissenschaftlichem interesse) für ihre zwecke einszusetzen waren die kolonialmächte.

jm