es handelt sich offenbar um einen artikel, bei man behaupten kann, er ist so… "zusammengeschrieben" worden.
mohamed chafiks ansehen bei den mazighisten wird davon abhängen, ob er den marokkanischen staat grundlegend in frage stellt, die grenzen marokkos revidieren will und eine gemeinsame republik mit den kabylen mit dem weiten ziel anstrebt, die große tamazgha utopia von mauritanien über niger bis libyen und ägypten zu verwirklichen, in der die mazighen in einem rein mazighischen und araberfreien, in lateinischer schrift verfassten lebenskontext glücklich und friedlich leben!
chafik scheint diese erwartungen aber zu enttäuschen und signale zu geben, dass er, auch wenn er das mazighistische manifest verfasst hat, in dem 1400 jahre historische und gesellschaftliche prozesse marokkos auf eine unterdrückung der mazighen durch araber und panarabisten reduziert werden, solch eine extremistische einstellung wie oben in seinem kampf nicht aufnimmt und auf keinen revolutionären morgen wartet, sondern im rahmen der vorhandenen institutionellen und sonstigen möglichkeiten positiv und pragmatisch agiert.
somit wird er schon zum makhzen-berber. eine allzubekannte bezeichnung. denn - wie in jeder ethnizistischen ideologie - gibt es die wahren (guten und helden) und die falschen berber (bösen und verräter).
@malika,
deine warnung ist zwar sinnvoll und vernünftig, aber man soll sich wiederum davor hütten, einfache erklärungen und antworten zu finden. sooo mächtig ist bouteflika auch nicht und die frage der kabylen in algerien ist m.e. historisch und gesellschaftlich verwurtzelt.
in marokko kann man davons ausgehen, dass seit der islamisierung dynastien sich zyklisch abgewechselt und das land je nach phase gänzlich -- und sogar samt weitere regionen im süden -- unterworfen haben. marokko wurde und wird von einem zentralen punkt aus regiert und geführt, wobei in der vergangenheit große teile des landes dauerhaft der herrschaft der sultane unterlagen und die gebiete der siba selbst in ihrer negation zur zentralmacht als teile des gesamten landesgebietes und seiner gesellschaft sich weitgehend verstanden.
das macht einen grundsätzlichen unterschied zu algerien, zumal unter der herrschaft der türken und danach franzosen, diverse regionen und stämme kulturell und gesellschaftlich voneinander getrennt lebten. das beste beispiel ist die kabylei, die innerhalb des landes und selbst unter der formellen herrschaft von regierungen eine eigene gesellschaftliche dynamik aufweist. bei den unruhen, die das land ende der achtziger jahre erschüttert haben, bileb die sonst so kämpferische kabylei z.b. indifferent ruhig!
ein algerischer berberist schreibt auf seiner seite:
"Cette donnée n'est pas contemporaine, elle remonte à des siècles. Ce qui est historiquement attesté c'est la non-existence d'un lien organique entre les différentes composantes de l'Algérie qui vivaient dans une sorte de bulles l'une isolée de l'autre. Même la présence turque qui remonte au début du XVI siècle, n'a pas pu créer un état central dans lequel se reconnaissaient les différentes tribus algériennes."quelle:
http://www.webzinemaker.com/admi/m9/page.php3?num_web=859&rubr=2&id=2064 (er versucht zwar die autonomie der kabylei so zu rechtfertigen, schießt sich aber selbst ins bein!)
in marokko hat ein tribales und ethnische verständnis von mazighität keinen wirklich fruchtbaren boden. marokkaner verstehen sich als ein mischmasch von berbern, arabern und sogar anderen afrikanischen und europäischen identitäten.
jeder marokkaner ist ein amazigh, auch wenn seine "reine" arabische abstammung nachweisbar wäre! die mazighische, arabische und islamische identitäten der marokkaner können nicht vertikal nebeneinander getrennt gesehen und behandelt, sondern als horizontale komponenten verstanden werden, die je nach situation und je nach soziales und geographisches gebiet in interaktion miteinander die persönlichkeit eines jeden marokkaners dosieren und nach außern erscheinen lassen.
das verstädnis, welches auf der blutverwandschaft und ethnizität beruht ist falsch, gefährlich und liegt in der nähe der rassenideologie.
selbst mohamed chafik, der übrigens in der arabischen literatur und zivilisation gelehrt ist und ihnen eine große liebe und bewunderung gegenüber bringt, vertseht sich als nicht gänzlich bzw. nicht rein amazigh, sondern er gibt an, lediglich seine arabität aus protest auf "standlicht" eingestellt zu haben (s.
http://membres.lycos.fr/tawiza/Tawiza44/le_vecu_individuel_d_une_appartenance.htm). während in algerien das vertikale ethnizistische verständnis von mazighität noch geltung zu finden scheint (s. kabylei), herrscht in marokko eher ein flaches horizontales verständnis davon. statt "wer ist amazigh und wer nicht" gilt vielmehr die frage "wieviel amazigh ein jeder marokkaner ist oder nicht".
die mazighität wird in marokko von der gesellschaft als ein teil der marokkanität, sozial und nicht tribal begriffen. sie wird zu einer komponente, die nach und nach nicht mehr von der stammeszugehörigkeit, sondern vom bewustsein ihrer träger abhängt. die frage nach beni hilal und beni salim und sonst die herrschenden anthrolpologischen betrachtungen (manche schätzen den berberanteil in marokko auf 42% !!???) werden mit ihr obsolet und vor allem sinnlos. auch die frage bzw. anmerkung im artikel, dass nie erfasst wird, wieviele berber in marokko leben ist nicht nur gefährlich, sondern wird so geradezu absurd.
jm