warum?

"machsen-berber", "judas", "himmler", "verräter", "staatsmann", "rassist", "witzfigur" usw., das sind die reaktionen in den letzten tagen auf meine beiträge, einwände und bemerkungen. üble untragbare verleumdungen und beschimpfungen.

hier sollte doch nur über eine sprache und identität ausgetauscht werden. warum diese wucht also? haben sich die mazighisten etwa getroffen oder enttarnt gefühlt? und sind ihnen die argumente in mancher hinsicht weg geblieben? ich fürchte ja.

jemand, der die mazighisten, ihren kampf und ihre denkweise etwas kennt, wundert sich über solche reaktionen nicht und ich persönlich lass mich von ihnen weder beeinflussen noch beirren; sie gehen an mir vorbei. in irgendeiner form hatte ich auch damit so gerechnet. sie sind die natürliche reflex-mechanik von nationalisten und ethno-ideologisten.

wenn man sich dem kampf für eine ethnie oder religion verschreibt, muß man so und man kann gar nicht anders handeln! die geschichte der menschheit bis zu unserer sehr aktuellen zeit ist nicht anders als eine kette von beweisen dafür. die völker von ex-yugoslavien wollten nichts anders als für ihre ethnie, sprache und identität kämpfen. gleich wer schuld oder nicht schuld sei, sie haben einen extremen zustand von zerstörung unmenschlichkeit erreicht, der unwiederruflich ist.

das mag u.a. erklären, warum die anderen, vor allem marokkanischen miglieder, die um die problematik von tamazight wissen, dieses forum meiden, auch wenn sie selbst imazighen sind. das mag auch manche bersorgte fragen nach einer gewaltsamen gesellschaftlichen desintegration und einem möglichen bürgerkrieg in marokko und überhaupt die allgemeine aversion gegen die mazighisten in marokko auch seitens imazighen selbst nachvollziehbar machen.

ich habe mir die mühe gemacht und ein wenig in den früheren beiträgen des tmazight-forums gestöbert. wirklich interessante informationen in einem friedlichen kontext von völkerverständigung. etwas grammatik, etwas vokabular, musik, warum die städte marokkos so heißen und mehr. wissen, welches jedem marokkaner und marokko-interessierten näher gebracht werden sollte. doch das ganze glich einer wiese von "blue velvet". denn wichtigste aspekte des mazighismus blieben den teilnehmern nicht gerne verraten. was ist ihre ideologie? wovon träumen sie wirklich? wie wollen sie es erreichen?

in dem von mohand letzlich mitgeteilten link sagt ali khadaoui bezüglich der nutzung von tifinagh:

"das ist also eine nationale und prinzipielle position, um die es keine diskussion und keine debatte gibt. wir sollten dennoch - wegen der wirklichkeit und der vermeidung utopischen denkens - zwischen dem, was 'sein soll', und dem, was 'ist', unterscheiden. denn was sein soll - un das ist unser recht und unsere pflicht davon zu träumen - bezieht sich nicht nur auf die benutzung der tinfinagh für tamazight, sondern auf die exitenz eines mazighischen staates, einer mazighischen nation und einer vereinten mazighischen sprache, in der sich das mazighische volk von sioua (?) bis zu den kanarischen inseln und von marokko bis burkina fasso verständigen". (eigene übersetzung - eigene hervorhebung)
link: http://www.tawiza.net/Tawiza67/Tifinagh.htm

also doch eine tamazgha utopia, für die nach meinung einiger mitglieder hier auch morgen die massen auf den strassen marokkos mobilisiert werden sollen!

bezogen auf das sprachsystem schreibt ali khadaoui: "das bemerkenwerte aber war, dass die diksusionen sich auf die lateinische schrift und tinifnagh konzentrierten, während die ntuzung der arabischen schrift von allen teilnehmnern gänzlich ausgeklamert wurde und das ist eine wichtige entwicklung […]". (ebd.)

auch das bestätigt die scheindebatte um das schriftsystem.

solche politisch birsanten aspekte bleiben den forum-teilnehmern verborgen. hier geht es nicht mehr um niedlich grammatik-notionen der tamazight oder folkloristische erklärungen von vokabeln, sondern um die internationalrechtlich anerkannten grenzen marokkos und anderer staaten, um ihre geschichte und um ihr politisches schiksal!

das ist alles andere als harmlos zu sehen, sondern als ein höchst gefärhliches, rückschrittliches und archaisches gedankengut einzustufen.

mit solchen reaktionen, und mit diesen aussagen und aktivitäten (hier wurde auf das wirklich naheliegendeste beispiel zugegriffen) verlassen die mazighisten die sphäre der couragierten zivilgesellschaft und schreiben sich eindeutig in den kreis gefährlicher und unberechenbarer ideologen ein.

jm