>> Die masirophonen Marokkaner leiden in kultureller Hinsicht mehr als die arabophonen und ihre Kultur wird nur für touristische Zwecke instrumentalisiert.
hallo lieber Mohand,
ich antworte hier aus dem bauch, denn ich war vor kurzem in marokko und habe - mal wieder - festgestellt, daß die arabophonen es auch nicht viel besser haben. sie leiden nämlich auch unter einer massiven marginalisierung durch die francophonie. allerdings eine mediokre !
in behörden, service-stellen, agenturen, auch der privatwirtschaft, sowie in vielen privaten kreisen gilt die französische sprache als die primärsprache. ein amalgam von umgangs- und schulsprache. in ihr wird gegrüßt und das hauptsächliche des themas angegangen. lenken sie in ihrer kommunikation auf arabisch sehen sie enttäuschte, überraschte gesichter vor sich. die meisten schriftlichen verbindungen geschehen und gelten fast nur in französisch.
arabophone, die der frz. sprache nicht mächtig sind, verlieren den faden in ihren konversationen. bei geselligkeiten werden sie überstimmt und verunsichert, was dazu führt, daß sie sich zurückhalten und nicht an der kommunikation teilnehmen. auf dauer führt das generll zu einer sozialen entmachtung, denn wer nicht dauernd seine präsenz durch auch nur im ton beindruckende argumente markiert, riskiert nicht mehr gefragt und konsultiert zu werden, und somit in die marge zu geraten.
trotz meiner (wie ich hoffe shre guten) kenntnisse der frz. sprache habe ich mich immer geweigert, diese - zumal für administrative belange - zu benutzen. nicht in meinem land. es war mühselig und führte zu spannungen mit den 'dienstleitern'. viele ziele hätte ich einfach erreicht, wenn in frz. wie ein gatsarbeiter der gehobenen klasse gesprochen hätte.
ich habe das hier erwähnte manifest nicht gelesen und werde es auch nicht tun, es sei eine kürzere version wird veröffentlicht. wir leben in einem zeitalter, in dem es leider nicht erlaubt wird, nebenher noch so viele seiten zu lesen, um nur zu erkunden , worum es im kern geht (!?). dennoch kann ich behaupten, daß frz. gegenüber der arabischen sprache für die meisten 'berberisten' kein problem dazustellen scheint. im algerischen fernsehen habe ich oft beobachtet, wie berber (zumeist singer und künstler) bei interviews, die in arabisch geführt werden, in frz. antworteten.
ich finde, es handlet sich hier um ein sehr sensibles thema, bei dem arge luzidität von anfang an gefordert wird, sonst begeht man die gefahr, das zu erreichen, was einige (befreiuungs-) ideologien anderswo erreicht haben: polarisierung.