Hallo liebe leute,

damit Anna ein wenig entlastet wird, will ich auch ein paar "Erinnerungsbilder" beschreiben, die mir unauslöschlich im Gedächtnis geblieben sind und zwar von meiner ersten Marokko Fahrt.

Sidi R´bat: ein wunderschöner Flecken am Atlantik, südlich von Agadir, vor einigen Jahren gab es dort einen Campingplatz direkt am Strand, der mittlerweile nicht mehr existiert. Außer dem Zelt, indem ich mich mit einem Freund einquartiert hatte, gab es noch 2-3 italienische Wohnmobile mit Rentnern. Und eine einzige eiskalte Dusche. Der Strand war wunderschön und das Wasser im Januar recht kühl allerdings gerade noch erträglich. Einige Marokkaner vom benachbarten Dorf erklärten uns allerdings für verrückt, sie trugen 3-4 Pullover und dachten nicht im Traum daran, ins Wasser zu steigen.

Nachdem wir uns etwas angefreundet hatten, wurden wir eines Tages zum Abendessen eingeladen. Unser neuer Freund holte uns ab und wir betraten die bescheidene Behausung nachdem wir uns unserer Schuhe entledigt hatten und standen sofort im Wohnzimmer. Um den flachen runden Tisch standen einige hölzerne Schemel und ein Sofa auf dem wir als Gäste Platz nehmen mussten. Die Gesellschaft bestand neben uns Zweien aus weiteren 5 männlichen Familienmitgliedern. Auf Nachfrage sagte man uns, dass die Frauen das Essen zubereiten. Wir unterhielten uns auf Französisch so gut es ging und natürlich mit "Händen und Füssen". Dann gab es Tee und die Zeit verging wie im Fluge. Die zwei Söhne besorgten Wasser in einer Karaffe und eine Schüssel und der Hausherr ging reihum und goss Wasser über die Hände. Kurze Zeit später brachten 2 Frauen ein dampfendes Lammtajine und frisch gebackenes warmes Brot. Sie blieben allerdings nicht zum Essen, sondern schauten nur neugierig und gingen gleich wieder. Der Hausherr vermittelte uns, sie würden später essen. Besteck und Teller gab es nicht und so sah ich meinen freund ratlos an, der allerdings auch nur mit den Schultern zuckte. Dann konnten wir uns die Technik des "mit dem Brot essens" abschauen und langten zu. Es war sehr köstlich. Die Jungen brachten nach dem Essen das Tajine, welches noch Fleisch und Gemüse enthielt, wieder aus dem Haus, wahrscheinlich zu den Frauen.

Es folgten dann wieder die Händewaschung und der obligatorische Minztee, dazu Gebäck. Dann kam der Höhepunkt des Abends, es wurde musiziert!! Hierzu gab es eine Trommel und 2 Saiteninstrumente (Laute und Ukulele?), die zur allgemeinen Freude auch von den Gästen bedient wurden, wenn auch selbstkritisch betrachtet mit zweifelhaften Erfolg. Nun ja, zumindest war der Wille da, zur Abendunterhaltung beizutragen. Der Abschied war sehr herzlich und wir bedankten uns überschwenglich. Noch immer bin ich der marokkanischen Gastfreundschaft dankbar für dieses und andere wunderbare Erlebnisse.

Liebe Grüße