@anja,

die muckis, die tun manchmal weh : ).
aber k.r. popper meine teure nicht zu kennen ist völlig normal, denn im deutschsprachigen (kultur-) raum ziehen sich wissenschaftler und intelektuelle gewöhnlich zurück, und man stoplert eher über sie, als dass man von ihnen gezerrt wird. der einzige, der von sich ein wenig reden läßt – und da sind wir noch im expressiven bereich der literatur – ist günther grass (sieht man einmal von marcel reich ranicki ab).

@dolphin,

beide, habermas und luhmann haben einen sehr anstregenden schreibstil. das kritisert auch k.r. popper, der sich durch seine einfache und hin und wieder anekdotische art zu zu schreiben, auszeichnet. luhmann kann auch als bielfelder westfale "trocken witzig' sein und sich "alltagsthemen' (liebe, beziehung mann/frau …) durchaus widmen.

aber die essaistischen seiten von sartre und bourdieu sind auch keine einfachen und konfortablen lektüren. und um l'homme revolte von camus beispielsweise durchzulesen muß man zumindestens einen guten (wirklich guten) überblick über die philosophien und denkstörmmungen der geschichte haben.

der unterschied liegt m.e. in dem radikal verschiedenen verständnis von wissenschaftlern und intelektuellen in frankreich und deutschland.

davon abgesehen hast du recht, denn gerade die deutsche soziologie bietet hervoragende mittel und methoden, um auch eine marokkanische bzw. arabische oder moslemische gesellschaft, sei es nur teilweise, etwas zu begreifen und einige ihrer mechanismen nachzuvollziehen. ob hier gerade luhmann sich eignet? seine soziologie bezieht sich auf komplexe differenzierte soziale systeme und er würde die arabisch-silamische welt wahrscheinlich für nicht oder nur in teilen soweit erklären.

luhmann baut auf durkheim auf, den man mittlerweile für den vater der soziologie eher als max weber hält. man weiß aber wie kritisiert die ersten arbeiten von durkheim über die kabylen in algerien sind und zwar u.a deswegen, weil er die kabylischen stämme – zurecht - für segmentäre gemeinschaften und nicht diffrenzierte moderne gesellschaften hält.

wie dem auch sei, zum viel gepriesenen technology transfer sollte man einen transfer des wissens vor allem fördern, denn wie wir mit dem islamismus (und zu einem eher geringen maß dem mazighimus, ohne die polemik von woanders hierhin zerren zu wollen) sehen, haben wir in marokko in der tat einen extrem hohen bedarf an analyse und (werturteilsfreier) denkvernunft (wenn ich mir diesen ausdruck erlaube).

in diesem sinne habe ich die gelgenheit ergriffen, um hier auf popper und seinen kritischen rationalismus hinzuweisen. denn, ich finde nicht nur seine methodischen ansichten von großer bedeutung. der kritische (nicht sozialkritische) geist, den er propagiert, lehnt sich gegen normatives, utopische und totalitäres denken, welches sich in unserer gesellschaft schnell sich verbreitet.

im aktuellen marokko können seine gedanken und die von albert camus, sofern man die beiden in verbindung so dilletantisch bringen darf, große gültigkeit haben: kleine schritte von revolten, bürgerlicher ungehorsam, zivilcourage, öffentlicher mut, kritischer pragmatismus, viriler aber solidarischer individualismus und syndikalsmus usw. statt muffiger ideologien, urknalls von revolutionen und utopischen paradisvorstellungen vom ende der zeit, wie es uns die marxsche und marxistische welt beibringt.

jm
gott und die hier erwähnten wissenschaftler mögen mir diesen dilletantismus verzeihen!