@yacin,

fine, dass du dich von krause retten konntest!

yacin, ich bin kein sehr sehr guter kenner des exitenzalismus, aber ich denke, dass es kaum philospohen gibt, die zu sovielen missverständnissen wie jean-paul sarte und albert camus geführt haben. das mag vor allem daran liegen, dass der frz. existenzialismus - im gegenteil zur deutschen exitenzphilosophie - sich in bereichen des gesellschaftlichen lebens außerhalb von philosphie un wissenschaft, also literatur, kunst, theater, politik und politischer widerstand etc., engagierte.

dieses phänomen begrenzt sich nicht nur auf den exitenzialismus, sondern auf nahezu alle bereiche der intelektuell-wissenschenftlichen welt in frankreich. der vor kurz verstorbene soziologe und anthropologe pierre bourdieu war dort eine star des öffentlichen lebens, während die deutschen und weltgrößen jürgen habermas oder nicklas luhmann außerhalb der grenzen von universitäten und forschungsinstituten in deutschland kaum wirklich bekannt sind.

beide philosophen, sartre und camus, haben zwar werke, die ihre philophischen kernideen wiedergeben, verfasst, ihre theaterstücke, romane und vor allem normativen aussagen zu politik und gesellschaft (wie bei dir zitiert) ziehen jedoch weit mehr leser an. so trifft man nicht oft leute, die “l'etre et le nean” (das sein und das nichts) von sartre oder “l'homme revolté” (der mensch in der revolte) von camus in der tat gelesen und ein stückweit mitverfoglt haben. etwas bekannt ist allerdings le “mythe de sysiphe” (der mythos von sysiphus - auch von krause mal zitiert), weil es ein dünnes einfach verfasstes werk ist.

versteht man die ideen dieser werke etwas, begreifft man die symbole und allusionen der literarsichen werke viel besser. liest man diese ohne die ersten, stochert man defintiv im dunkel und man nimmt solche aussagen wie “der mensch definiert sich durch seine taten, nicht durch seine worte" und "das leben hat keinen sinn" sicher verzerrt wahr.

ich würde dir daher, um den frz. existenzialismus und darüber hinaus eine höchst interessante, faszinierende aber auch tödlich tragische gedanken- und ideenwelt zu explorieren, die lektüre der beiden werke (sein und nichts / mensch in der revolte) empfehlen. es gibt auch zusammenfassungen und kritiken, die wenn sie glücken, einem die langwierige und komplexe lektüre vermeiden.

was mich allerdings dazu bewegt, dieses posting zu schreiben, ist der titel. nicht fern von der exitenzphilosophischen auffassung der welt und des geschehens, aber auf einem fernen handlungsplanetten als die existenzialisten und existenzphilosophen, veröffentlicht karl raymond popper mit die offene gesellschaft und ihre feinde, ein kritisches rationales pladoyer gegen den totalitarismus und gegen essenzialistische ideologien und denkströmmungen und ihre gefahren, die in marokko aktuell vor allem in der form des islamismus aber auch in einer gewissen hinsicht berberismus (mazighismus) lauern.

vor allem hier sind seine ideen mit dem gedanken der (maßvollen) revolte statt der (maßlosen) revolution von camus und seinen abrechnungen mit den nihilismen, historizismen und totalitarismen unserer welt interessanterweise sehr vereinbar und würden gegen die teilweise extrem nihilistischen ansichten von startre sich richten.

"Popper versteht unter offenen Gesellschaften die diversen Formen der Demokratie, vom klassisch-demokratischen Athen bis hin zu den modernen Gesellschaften der 'western civilization', im Unterschied zu den geschlossenen (statischen) Gesellschaften der Stammeskulturen, der antiken Diktaturen und Tyranneien, bis hin zu den diktatorischen Regimen unseres Jahrhunderts."(amzon.de)

unten eine kurze zusammenfassung:

jm – in eile

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>> quelle: http://www.uni-tuebingen.de/uni/phs/hopo/tr23.2.html

Zum Tode von Karl Popper: "Wider Tyrannei und Unvernunft"

"Arbeite lieber für die Beseitigung konkreter Mißstände als für die Verwirklichung abstrakter Ideale", so lautet eine der Formulierungen von Poppers philosophischer Quintessenz. Karl Popper, eine der großen Gestalten dieses Jahrhunderts, starb am 17. September 1994 im Alter von 92 Jahren in London.

[…]

Der zweite Bereich, auf den Popper seine Grundidee anwendete, war der von Staat und Gesellschaft. Auch hier gilt, daß wir die Wahrheit prinzipiell nicht erkennen können. Daher ist das Handeln immer nur ein Versuch, mit dem Risiko des Irrtums behaftet. Deshalb muß eine offene Gesellschaft ständig darauf achten, daß der Irrtum korrigiert werden kann. Für Popper ist dies der wichtigste Grund, der Staatsform der Demokratie den Vorzug zu geben: man kann Regierungen gewaltlos abwählen, wenn sie Irrwege gehen. Deshalb trat Popper für eine pragmatische Politik der kleinen Schritte ein -- denn je kleiner ein politischer Schritt ist, um so geringer ist, wenn er korrigiert werden muß, der Schaden. Nicht zuletzt deshalb fand er in Helmut Schmidt in den 70er und 80er Jahren einen wichtigen Anhänger. Popper s erbarmungslose Kritik galt nicht nur dem Führerkult und der Diktatur des Proletariats, sondern auch Hegels Weltgeist und Platons Philosophen-Königen. In seinem wohl berühmtesten Werk "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde", das 1945 erschien, rechnet Popper mit dem Zauber Platons, seiner geschlossenen, erstarrten Gesellschaft und dem dazugehörigen Totalitarismus ab. Ebenso radikal lehnt er Hegels und Marxens orakelnde Philosophie des Historizismus ab. An ihre Stelle setzt er eine Gesellschaft, in der sich Individuen persönlichen Entscheidungen gegenübersehen - die offene Gesellschaft. "Es ist eine Last, die von allen getragen werden muß, die in einer offenen und teilweise abstrakten Gesellschaft leben und die sich bemühen müssen, vernünftig zu handeln, zumindest einige ihrer emotionalen und natürlichen sozialen Bedürfnisse unbefriedigt zu lassen und für sich und andere verantwortlich zu sein."( Die offene Gesellschaft und ihre Feinde I, Kap.\ 10 II) Damit prägte er den "Kritischen Rationalismus". Platon warf er vor, der Vernunft feindlich gegenüber zu stehen und mit seinem Tiefsinn alle Intellektuellen zu verzaubern. Popper haßte Utopien und Ideologien. "Wir müssen ins Unbekannte, ins Ungewisse, ins Unsichere weiterschreiten und die Vernunft, die uns gegeben ist, verwenden, um, so gut wir es eben können, für beides zu planen: nicht nur für Sicherheit, sondern zugleich auch für Freiheit." ( Die offene Gesellschaft und ihre Feinde I, Kap. 10 VIII)

Ein wichtiges Merkmal von Karl Popper, das hervorgehoben werden muß, ist seine Fähigkeit, sich in einer einfachen Sprache klar verständlich zu machen. Er verabscheute "Hegels schwulstiges und mystifizierendes Kauderwelsch" ( Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II, Kap. 12 I). Oft genug hat er seine Zunft ob ihrer prätentiösen Sprache gegeißelt und sich daurch seinem Publikum empfohlen. Als der "Positivismusstreit" 1961 Popper und Adorno in Tübingen zusammenbrachte, sagte Popper über seinen Kontrahenten: "Es scheint, daß Adorno nichts zu sagen hat und daß er dies mit Hegelschen Worten sagt."

Michael Thorwart