salamu 3alaikum,
ich bereite gerade meinen umzug vor und dabei sind mir manche dinge in die hände gekommen. unter anderem fand ich in einem karton einen ordner aus meiner schulzeit. der ordner beinhaltet mitschriften und klausuren vom fach ethik. das klausurenheft habe ich überflogen und eine klausur ist mir besonders aufgefallen. das behandelte thema ist der "existentialismus". damals gefiel mir dieser sehr, da man in "depri-phasen" der "existentialismus-theorie" (motto: "das leben ist sinnlos") leicht glauben schenkt. einer der gründer des "existentialismus" war jean-paul sartre! einer meiner lieblingswerke sartres war "die geschlossene gesellschaft"!
hausmeister krause:"bla, bla, bla yacin. nun komm zum punkt! was willst du uns sagen?"
yacin:"oh, ja. sorry. sofort ..."
also, aussagen möchte ich folgendes:
1) das buch "die geschlossene gesellschaft" empfehlen
2) kurz über den inhalt des buches informieren
3) etwas über den "existentlismus" und jean-paul sartre mitteilen
4) ein artikel sartres von 1972 und die parallelität zur heutigen zeit
hausmeister krause:"mann oh mann! das ist arroganz ohne ende, yacin! unerhört. willst uns doch nur mitteilen, was für ein klasse typ du bist, nicht? willst hier das super-genie spielen und dich bei den leuten einschleimen. bist so was von lächerlich? yacin, langsam habe ich die faxen dicke. du bist keinesweges etwas besonderes. das, was du uns hier mitteilst, ist den meisten schön längst bekannt. verstanden?"
yacin:"ja, ähm. ich dachte nur ..."
hausmeister krause:" dachtest was???!"
yacin:"ich dachte nur, hm .. äh ... ja genau, der jmxx, der hat mal behauptet, dass er sehr wenig marocs getroffen hat, die sich für kunst und kultur interessieren oder einen sprachkurs besuchen oder ..."
hausmeister krause:"ja, und! wen interessiert schon, was jmxx schreibt?"
yacin:"ja, also mich schon irgendwie. ich wollte sagen, dass auch marocs irgendwie sich für kultur und so interessieren. und ich bin maroc und "existentialismus" ist doch irgendwie kultur, oder? und das buch zeigt, dass man in einem raum (hölle) eingesperrt ist und mit den anderen klar kommen muss. und wir müssen doch auch irgendwie in diesem raum (forum) miteinander klar kommen? gut das forum ist keine hölle (oder doch?) und man kann jederzeit wieder raus, aber eine kitze kleine parallelität sehe ich schon"
hausmeister krause:"naja, also, da drücke ich nochmal ein auge zu! aber vorsicht freundchen, halt dich an die board-regeln und fass dich kurz!"
zu 1) das buch "die geschlossene gesellschaft" empfehlen
zunächst das wichtigste: das buch kostet 4,50 €!
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das taschenbuch vom rororo-verlag hat 66 seiten und ist in einer stunde gelesen!
zu 2) kurz über den inhalt des buches informieren:
Zwei Frauen, die reiche Estelle und die Postangestellte Ines, und der Journalist Garcin finden sich nach ihrem Tod in einem geschlossenen Raum der Hölle wieder. Außer einem zwielichtigen Kellner, der ihnen als Führer dient und sich bald verabschiedet, läßt sich keiner der Höllenbewohner blicken, vor allem nicht die befürchteten Folterknechte. Die drei Personen sind sich von Anfang an angstvoll der Tatsache bewußt, daß sie sich in der Hölle befinden, und sind auf das Schlimmste gefaßt. Tastend versuchen sie voneinander den Grund für die Höllenfahrt zu erfahren, ohne jedoch ihre eigene Schuld zu offenbaren. Sehr bald jedoch entdecken sie, daß sie zu ihren eigenen Folterknechten bestimmt sind, indem sie sich gegenseitig die Lebenslügen entreißen. Ein kurzes Aufflackern von Solidarität erlischt unter der Angst und dem gegenseitigen Haß. Dabei überlagern sich allgemein menschliche mit erotischen Motivationen, so wenn sich Ines eindeutig Estelle nähert, diese jedoch sich Garcin an den Hals wirft. Diese Koaltionen zerbrechen jedoch sehr schnell wieder, da jeder zu sehr mit sich beschäftigt ist und die anderen nur zur Stärkung der eigenen Position benötigt.
Völlig sinnlos dreht sich das Karussell gegenseitiger Erniedrigung und eigener Verzweiflung - "homo homini lupus". Nacheinander proben alle den natürlich vergeblichen Ausbruch aus diesem Gefängnis, indem sie schreien oder an die Tür schlagen. Als dann plötzlich die Tür sich öffnet, erschrecken sie alle vor der vermeintlichen Falle der Freiheit und drängen sich wieder aneinander - ein Symbol für die Unfähigkeit der Menschen, sich wirklich aus dem inneren Gefängnis zu befreien.
Wenn nach eineinhalb Stunden die letzten Worte "also - weitermachen" verklingen, hat sich ihre Lage um kein Deut verändert. Sie werden ihre Notgemeinschaft schlecht und recht auf ewig aufrechterhalten, ohne wirklich voranzukommen.
Natürlich ist diese Hölle nichts weiter als eine Metapher auf die menschliche Gesellschaft, die nichts aus ihren Katastrophen lernt und ohne Sinn und Ziel dahinvegetiert, jedoch wirkt diese Erkenntnis heute etwas altbacken wie der gesamte Existentialismus. Eine Erkenntnis im eigentlichen Sinne ist dem Stück nicht zu entnehmen.
quelle:
geschlossene gesellschaft aus dem buch: "drei personen, die im leben einander nie begegnet sind, werden nach ihrem tod für alle ewigkeit in einem hotelzimmer zusammensein. das ist die hölle." und "wenn meine beziehungen schlecht sind, begebe ich mich in die totale abhängigkeit von anderen. und dann bin ich tatsächlich in der hölle. und es gibt eine menge leute auf der welt, die in der hölle sind, weil sie zu sehr vom urteil anderer abhängen" (Jean-Paul Sartre)!
leider habe ich mir nie das theaterstück angeschaut. die uraufführung war 1944 in paris.
aus dem buch: "drei menschen, zwei frauen und ein mann, die sich nie in ihrem leben begegnet sind, werden für immer i einem zimmer zusammenbleiben. das ist die hölle. warum? weil jeder von ihnen davon abhängig ist, wie der andere ihn sieht, weil jeder durch den blick des andeen festgelegt wird, gefangen in dem bild, das der andere sich von ihm macht. daraus entsteht die neigung zur unaufrichtigkeit, zur täuschung des anderen, die versuchung, dem anderen gegenüber eine durch und durch verlogene rolle zu spielen. durch die völlige abhängigkeit vom anderen wird jeder für jeden zum peiniger. ein teufel ist in dieser hölle nicht nötig. wären nur zwei menschen zusammen, könnte sich eine sadomasochistische beziehung herstellen lassen, bei der jeder für den anderen die rolle spielt, die der andere vorgeführt bekommen möchte. das wäre eine gegenseitige befriedigung. auswegslos wird die situation erst durch die anwesenheit eines dritten, gegen den es kein bündnis geben kann, weil jetzt nicht nur jeder reihum jeden durch seine gegenwart ertarren läßt, sondern weil jeder dritte jede zweierbeziehung durch seinen blick zerstören kann. sartre glaubte jedoch nicht, daß alle menschlichen beziehungen zwangsläufig auf eine solche hölle hinauslaufen müssen. er meinte vielmehr:*in welchen teufelskreis wir auch immer sind, ich denke, wir sind frei, ihn zu durchbrechen. und wenn die menschen ihn nicht durchbrechen, dann bleiben sie, wiederum aus freien stücken, in diesem teufelskreis. also begeben sie sich aus freien stücken in die hölle.*"
zu 3) etwas über den "existenzlismus" und jean-paul sartre (Zitate, die mir in Erinnerung geblieben sind):
"der mensch definiert sich durch seine taten, nicht durch seine worte"
"das leben hat keinen sinn"
"jeder, der nicht gegen unrecht handelt, ist schuldig" (auch bezogen auf die Nazi-Zeit, wo viele Deutsche zugeschaut haben)
"sartre lehnt jede art von religion und abhängigkeit ab"
sartre wurde am 21.06.1905 in paris geboren. mit seinem 1943 erschienen hauptwerk "das sein und das nichts" wurde er zum wichtigsten vertreter des existentialismus und zu einem der einflussreichsten denker des 20. jahrhunderts. durch sein bedingungsloses humanitäres engagement, bsonders im französischen algerienkrieg und im amerikanischen vietnamkrieg, wurde er zu einer art weltgewissen. 1964 lehnte er die annahme des nobelpreises für literatur ab. sartre starb 1980 in paris!
Jean-Paul Sartre (aus „Sartre über Sartre, Aufsätze und Interviews 1940 - 1976“ 1988 Rowohlt Verlag, Reinbek):
[...]
Wenn ich diese Theorie der Freiheit habe, so eben deshalb, weil ich nicht an Gott glaube. Bei verschiedenen Gelegenheiten habe ich die Aufmerksamkeit auf einen sehr interessanten Aspekt des christlichen Glaubens gelenkt. Nach den Kirchenvätern, insbesondere nach Augustinus, achtete Gott die menschliche Freiheit. Gott hat den Menschen als freien Menschen erschaffen; das bedeutet ein Respektieren dieser Freiheit. Also ist Gott nicht da, um den Christen für seine Entscheidungen zur Verantwortung zu ziehen. Er ist allein. [...] Gott hatte, zum Beispiel, nichts zum Algerienkrieg zu sagen. Es gab Geistliche, die sich wie anständige Menschen verhielten, und andere, die sich wie Schweine benahmen – die einen, weil sie eine wahrhaftige Moral, die anderen, weil sie die Interessen der etablierten Kirche im Auge hatten. [...]
quelle:
existentialisme der existentialismus:
Der Existentialismus ist eine Weltanschauung, die die Existenz des Menschen – also sein Dasein – in den Mittelpunkt des Denkens rückt. Das Dasein soll befreit werden aus der Umklammerung des Soseins, also dessen, was unabänderlich so sein will, wie es ist – die Essenz. Der Mensch gewinnt seine Existenz im Kampf gegen die Essenz oder das Sosein. Er entwirft sein Dasein, indem er das daseinsfeindliche Sosein verwirft. Man kann ihn nicht in vorfabrizierte Schubladen stopfen, weil jeder anders ist. Der Mensch ist kein auswechselbares Fertigteil, sondern etwas unauswechselbar Einmaliges. Er verrät sich selbst, wenn er sich von gesellschaftlichen Zwängen und ideologischen Stanzmustern bestimmen lässt. Nur im Kampf gegen das Sosein verwirklicht er sich selbst. Nach Jaspers kommt der Mensch erst zur wahren Existenz in den "Grenzsituationen seines Lebens (Leiden, Tod, Schuld). Im Unterschied zum Marxismus ist der Existentialismus stärker individualistisch ausgerichtet: Der Mensch wird weniger als Glied der Gesellschaft, sondern als der einzelne gesehen. Der Mensch muss mit dem Nichts, in das er „geworfen „ ist, alleine fertig werden. Alles kann man dem Menschen nehmen, nur nicht den Stolz, kämpfend und nicht feige zu unterliegen. Die stolze Einsamkeit ist bezeichnend für den „absurden Helden"
quelle:
existentialisme 2 zu 4) ein artikel sartres von 1972 und die parallelität zur heutigen zeit
Jene, die versichern, Israel sei ein souveräner Staat, und zugleich der Ansicht sind, die Palästinenser haben in gleicher Weise das Recht auf Souveränität und die palästinensische Frage sei grundlegend, sind gezwungen anzuerkennen, daß die Politik des israelischen Estabishments wahnsinnig ist und bewußt darauf abzielt, jede Möglichkeit der Lösung dieses Problems auszuschließen. Es ist also politisch richtig zu sagen, zwischen Israel und den Palästinensern bestehe ein Kriegszustand. Die
einzige Waffe, über die die Palästinenser in diesem Krieg verfügen, ist der Terrorismus. Es ist eine schreckliche Waffe, aber die Armen und Unterdrückten haben keine andere.
aus: Jean-Paul Sartre, Artikel Sartres in La Cause du peuple-J´accuse Nr 29 vom 15. Oktober 1972
Aus Überlegungen zur Judenfrage, Rowohlt Taschenbuchverlag Reinbek bei Hamburg, April 1994
Seite 208 (ISBN 3-499-13149-8)
quelle:
sartre ma'3asalama
yacin
hausmeister krause:"sagte ich nicht kurz fassen?!"