Danke euch für all die schönen und interessanten Zeilen und möchte mich eurer Leidenschaft mit ein paar Lieblingsdichtern aus der alten (nicht ganz alten) Zeit anschließen. Diesmal nicht aus dem Arabischen, sondern aus dem Urdu und Persischen, in memorial of Annemarie Schimmel, die mich die mystische Dichtung kennen und lieben gelehrt hat:
Du schufst den Menschen für den Schmerz der Liebe
Für den Gehorsam hast Du Deine Engel!
*
Wenn immer meinen Schmerz
ich jemand sagen wollte,
Fing er zu sprechen an
von seinem eig´nen Gram!
*
Gleich sind an Form und Gestalt
Freude und Leiden: die Rose -
Nenn sie geöffnetes Herz,
nenn sie gebrochenes Herz.
*
Ach Tor du! - Wenn wir sterben, wird dies bestätigt werden:
Ein Traum nur, was wir sahen; was wir gehört, ein Märchen.
(Khwaja Mir Dard, aus dem Urdu von A. Schimmel)
...und noch etwas aus dem Persischen:
"O Gott!" rief einer viele Nächte lang,
Und süß ward ihm sein Mund von diesem Klang.
"Viel rufst du wohl!" sprach Satan voller Spott:
"Wo bleibt die Antwort: "Hier bin ich!" von Gott?
Nein, keine Antwort kommt vom Thron herab!
Wie lange schreist du noch "Oh Gott!" Laß ab!"
Als er betrübt, gesenkten Hauptes, schwieg,
Sah er im Traum, wie Chidr niederstieg,
Und sprach: "Warum nennst du ihn denn nicht mehr?
Was du ersehnst, - bereust du es so sehr?"
Er sprach: "Nie kommt die Antwort: "Ich bin hier!"
So fürchte ich, er weist die Türe mir!"
"Dein Ruf "O Gott!" ist mein Ruf "Ich bin hier!"
Dein Schmerz und Flehn ist Botschaft doch von mir,
Und all dein Streben, um mich zu erreichen,
Daß ich zu mir dich ziehe, ist´s ein Zeichen!
Dein Liebesschmerz ist meine Huld für dich -
Im Ruf "O Gott! sind hundert "Hier bin ich!"
(Dschelaluddin Rumi)