Hallo,
es ist schon richtig, Najib, wie Du schreibst, dass die Durchsetzung westlicher Moralvorstellung in Marokko nicht ganz oben auf der Agenda steht. Ist ja auch durchaus zu begrüßen, westliche Werte bringen ja nicht nur Segen.
Nur hat das Thema Prostitution in Marokko nur begrenzt etwas mit westlichen Werten zu tun in einer Gesellschaft, wo die Frau unbefleckt in die Ehe gehen sollte, es dem Ruf des Mannes aber nicht schadet, sich vorher kräftig die Hörner abzustossen. Die beiden Dinge lassen sich halt nur im Wege der Prostitution miteinander verbinden. Und da finde ich, zeugt es schon von einer krassen Doppelmoral, das Thema offiziell zu tabuisieren (klar wird keiner bestreiten, dass es das gibt, wenn man ihn direkt darauf anspricht) und den Frauen willkürlich staatliche Sanktionen/Verhaftungen angedeihen zu lassen. Ich will gar nicht wissen, wie viele sich dann durch "Dienstleistungen" wieder freikaufen. Geht halt alles zu Lasten der Frauen, die das oft machen um selbst durchzukommen, manche um sich schöne Klamotten leisten zu können, oft auch um ihre Familie zu unterstützen, dabei aber besser nicht verraten, wo das Geld denn herkommt.
Wer sich mal in das Nachtleben irgeneiner x-beliebigen und nicht allzu kleinen marokkanischen Stadt stürzt, sieht allenthalben, was abgeht und wie verbreitet das ist. Das meiste findet übrigens meinem Eindruck nach zwischen Marokkanern untereinander statt, weniger mit Touristen.
Da gab es vor ein paar Jahren auch den Film Tangerine, der sich ebenfalls mit dem Thema Prostituion auseinandersetzt und hier im Forum besprochen wurde. Der wurde auch in M gezeigt. Dass sich inzwischen der Wind etwas gedreht hat, ist wohl so. Man muss das aber nicht gut finden.
Gut fände ich einen ehrlichen Umgang mit dem Thema. Das soll auch keine Belehrung sein, sondern ich sage nur, an welcher Stelle ich den "gefällt mir-Button" drücke und wo nicht.
Gruß Lothar