Offiziell gibt es keine Prostitution in arabischen Ländern, das Thema ist nach wie vor absolut tabu, aber jeder weiß trotzdem um ihre Existenz.........
Re: Much Loved
[Re: latino]
#159434 16/09/1506:55 PM16/09/1506:55 PM
Es würde mich mal interessieren, ob das "offiziell" wirklich offiziell ist und es eine offizielle Verlautbarung dazu gibt, oder ob das nur so dahin gesagt ist.
Gruß Najib
um etwaigen rechtliche konsequenzen vorzubeugen: dieses posting wurde unter subjektivitätsvorbehalt erstellt.
Nach Auffassung der marokkanischen Regierungspartei PJD stellt der Film eine Beleidigung für das Land und seine Normen und Werte dar. Er schade dem Ansehen der marokkanischen Frauen.
Anmerkung: Bei den Regionalwahlen ist nun die PAM mit 5 von 12 Regionen als stärkste Partei hervorgegangen (Wahlergebnis von diesem Monat) und gräbt somit offenbar der (noch) regierenden islamistischen PJD langsam aber sicher immer mehr das Wasser ab.
Bei Youtube kann man den kompletten Film übrigens in voller Länge ansehen!
Als Übertreiber [ghulat] werden im Islam Menschen bezeichnet, die einen Aspekt des Islam aus dem Gesamtzusammenhang nehmen, sich darauf konzentrieren und diesen übertreiben.
Re: Much Loved
[Re: hulk1]
#159440 16/09/1511:02 PM16/09/1511:02 PM
Aber irgendein offizielles Statement, nach dem es keine Prostitution in Ma gibt, gibt es nicht? Das man sich das vorstellen kann, macht es ja nicht automatisch wahr.
Gruß Najib
um etwaigen rechtliche konsequenzen vorzubeugen: dieses posting wurde unter subjektivitätsvorbehalt erstellt.
Ein Spielfilm über Prostitution in der marokkanischen Stadt Marrakesch darf in Marokko selbst nicht gezeigt werden. Das Kommunikationsministerium in Rabat teilte mit, dass das Drama mit dem Titel "Much Loved" des französisch-marokkanischen Filmemachers Nabil Ayouch nicht in die Kinos kommen werde.
Eine öffentliche Aufführung dieses Kinofilms ist somit zwar in Marokko durch das zuständige Kommunikationsminsterium des PJD-Ministers Mustafa Al-Khalfi untersagt worden, aber ob es auch in Marokko strafbar ist bzw. wie es ggfls. dort bestraft wird, (im Internetcafe oder Zuhause) diesen Film als Einzelner bei Youtube anzuschauen, kann ich so ebenfalls nicht erkennen.
Als Übertreiber [ghulat] werden im Islam Menschen bezeichnet, die einen Aspekt des Islam aus dem Gesamtzusammenhang nehmen, sich darauf konzentrieren und diesen übertreiben.
Re: Much Loved
[Re: hulk1]
#159458 17/09/1504:40 PM17/09/1504:40 PM
Die Diskussion, ob Prostitution oder nicht, ob Mittagessen im Ramadan oder nicht greift zu kurz. Das ist westliches Denken, aber Marokko funktioniert anders. Ich habe noch nie von jemandem gehört, dass es keine Prostitution in Ma gäbe und ich kann mir auch schwer vorstellen, dass es ein offizielles Statement gibt, das sowas behauptet. Genauso gilt das Verbot für üffentliche Aufführungen, Privat kann jeder ansehen, was er will.
Die PDJ ist beliebt, nicht weil sie die Prostitutin verneint, oder das Auffähren von Filmen erbietet, sondern weil sie was tun. Es wird im seit ein paar Jahren extrem in Infrastruktur investiert und die Projekt werden auch fertiggestellt, nicht wie in den Jahren zuvor, als nach der Hälfte das ganze Geld verschwunden war. Es wurden rudimentäre Sozialleistungen eingeführt und es wird viel getan, um allen einen Schulbesuch zu ermöglichen. In jedem Amt hängen Plakate mit Telefonnummern an die man sich wenden kann, wenn der Beamte nicht korrekt handelt. Das sind die Themen, die die Marokkaner interessiern, nicht die Durchsetzung von westlichen Moralvorstellungen.
es ist schon richtig, Najib, wie Du schreibst, dass die Durchsetzung westlicher Moralvorstellung in Marokko nicht ganz oben auf der Agenda steht. Ist ja auch durchaus zu begrüßen, westliche Werte bringen ja nicht nur Segen.
Nur hat das Thema Prostitution in Marokko nur begrenzt etwas mit westlichen Werten zu tun in einer Gesellschaft, wo die Frau unbefleckt in die Ehe gehen sollte, es dem Ruf des Mannes aber nicht schadet, sich vorher kräftig die Hörner abzustossen. Die beiden Dinge lassen sich halt nur im Wege der Prostitution miteinander verbinden. Und da finde ich, zeugt es schon von einer krassen Doppelmoral, das Thema offiziell zu tabuisieren (klar wird keiner bestreiten, dass es das gibt, wenn man ihn direkt darauf anspricht) und den Frauen willkürlich staatliche Sanktionen/Verhaftungen angedeihen zu lassen. Ich will gar nicht wissen, wie viele sich dann durch "Dienstleistungen" wieder freikaufen. Geht halt alles zu Lasten der Frauen, die das oft machen um selbst durchzukommen, manche um sich schöne Klamotten leisten zu können, oft auch um ihre Familie zu unterstützen, dabei aber besser nicht verraten, wo das Geld denn herkommt.
Wer sich mal in das Nachtleben irgeneiner x-beliebigen und nicht allzu kleinen marokkanischen Stadt stürzt, sieht allenthalben, was abgeht und wie verbreitet das ist. Das meiste findet übrigens meinem Eindruck nach zwischen Marokkanern untereinander statt, weniger mit Touristen.
Da gab es vor ein paar Jahren auch den Film Tangerine, der sich ebenfalls mit dem Thema Prostituion auseinandersetzt und hier im Forum besprochen wurde. Der wurde auch in M gezeigt. Dass sich inzwischen der Wind etwas gedreht hat, ist wohl so. Man muss das aber nicht gut finden.
Gut fände ich einen ehrlichen Umgang mit dem Thema. Das soll auch keine Belehrung sein, sondern ich sage nur, an welcher Stelle ich den "gefällt mir-Button" drücke und wo nicht.
Da gab es vor ein paar Jahren auch den Film Tangerine, der sich ebenfalls mit dem Thema Prostituion auseinandersetzt und hier im Forum besprochen wurde. Der wurde auch in M gezeigt.
Hier kann man diese deutsch-marokkanische Produktion von Irene von Alberti immer noch in voller Länge sehen:
Marokko-Kennerin Irene von Alberti über Prostitution im Islam: „Prostitution ist wie in den meisten islamischen Ländern bei schwerer Strafe verboten, wird aber in Tanger in gewissen Rahmen toleriert. Viele junge Männer können mangels Geld nicht heiraten und außereheliche Beziehungen werden streng verfolgt. Die Prostitution floriert und bietet der Polizei eine willkommene Einnahmequelle für Schmiergelder.“
Antwort auf:
Um die Situation der Barmädchen in Tanger realistisch darzustellen, traf sich die Regisseurin mit einer ganzen Reihe von ihnen und informierte sich in langen Gespräche über ihre Lebensweise und Probleme. Manche flüchten aus einer Zwangsehe mit einem ungeliebten oder gewalttätigen Ehemann, was zur sozialen Ächtung führt und die Frauen oft nötigt, ihren Lebensunterhalt im Gunstgewerbe zu verdienen. Andere träumen von einem aufregenden, selbstbestimmten Leben, frei von den Fesseln familiärer Pflichten und Bevormundungen. So wie Nohad Sabri, eine Table Dancerin, die in "Tangerine" lebensnah die Rolle der hübschen Mimita spielt. Auch einige Statistinnen des Films kommen aus dem Milieu. Da ihre Arbeit offiziell illegal ist, sind die jungen Frauen schutzlos den Übergriffen rabiater Freier und der Polizei ausgesetzt. Wenn sie bei Razzien in den Bars und Diskos festgenommen werden, ist es kostspielig, sich wieder freizukaufen. Auch für "Schutzgelder" an Kriminelle oder "Eintritt" für Türsteher müssen viele einen Teil ihres Einkommens abgeben. Der Druck fördert Zweckfreundschaften, die Barmädchen in "Tangerine" leben in einer WG. Alkoholismus ist verbreitet unter den Frauen. Nachts trinken sie mit potenziellen Kunden, und manche auch später zu Hause, gegen den Kater nach der Arbeit.
Als Übertreiber [ghulat] werden im Islam Menschen bezeichnet, die einen Aspekt des Islam aus dem Gesamtzusammenhang nehmen, sich darauf konzentrieren und diesen übertreiben.
Reaktionen auf Much Loved
[Re: latino]
#159469 19/09/1504:03 PM19/09/1504:03 PM
Als Übertreiber [ghulat] werden im Islam Menschen bezeichnet, die einen Aspekt des Islam aus dem Gesamtzusammenhang nehmen, sich darauf konzentrieren und diesen übertreiben.