Liebe Alexandra,

oh ja, das ist so! Heimat.... ein suesses Wort... es umfasst ganz diffus alles, was einem so tief vertraut ist, schoen oder nicht schoen, aber so vertraut! Da, wo man sich fuehlt wie der Fisch im Wasser und ohne Denken eintaucht in die Gesellschaft. Die Erinnerungen der Kindheit, zusammengefasst in einer weichen, goldenen, waermenden Wolke- wobei der Verstand dann doch gleich protestiert und sagt: "stimmt doch gar nicht, war doch gar nicht alles sooo schoen."
Jaja, das weiss der Verstand, aber das Herz weiss es nicht.

Ich dachte immer, es sei leicht, seine Heimat zu verlassen und das war es auch, ich dachte auch wie Merlina, ich sei eine ohne Heimat im Herzen. Stimmt aber nicht. Der Aufprall in einer fremden Gesellschaft kommt wie ein Schlag. Deutsches Gehirn abschalten und versuchen auf marokkanischen Flugmodus zu schalten... ebenso geht es Deinem Mann. Ganz erstaunlich auch immer wieder fuer mich, meinen Mann in Deutschland oder in Marokko zu sehen und wie er eintaucht in SEINE Heimat.

Diese Zerrissenheit hat man vorher nicht bedacht, nicht einmal ermessen koennen und jetzt ist es zu spaet. Es bleibt nur, im JETZT zu leben und zu akzeptieren und moeglichst die schoenen Dinge von beidem zu spueren. Versuchen, nicht das zu fuehlen, was fehlt... auch wenn es manchmal schwer faellt und die rosarote Brille so rosarot ist.

Immer in der Weihnachts- und Osterzeit, im Fruehling und an den groesseren Familienfesten vermisse ich meine Heimat schmerzlich. Und den Wald... die Natur, die vermisse ich auch so sehr. Aber was hilfts? Nichts. So Gott will werden wir eines Tages eine endgueltige Heimat haben. Bis dahin kann nur das Jetzt gelebt werden.

Du brauchst Dir keine Vorwuerfe zu machen, Alexandra. Wahrscheinlich machst Du sie Dir trotzdem so wie ich auch immer mal wieder. Aber Du kannst es nicht aendern. Den Weg geht jeder allein. Aber Dein Mann hat eine Gefaehrtin, die ihn liebt, und das ist ein grosses Geschenk.

ganz liebe Gruesse!