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Buschkowsky: Unsere Hindus!


Sie haben lange trainiert, voller Elan. 100 holländische Schülerinnen und
Schüler und ihre Altersgenossen der Walter-Gropius-Schule präsentieren
auf dem Gutshof Britz ein gemeinsames Musik-Tanz-Festival. Das Ensem-
ble, so bunt wie die Bevölkerung von Rotterdam und Neukölln.

Ein toller Abend.

Bis mir erzählt wird, dass leider nicht alle Schülerinnen bei der Aufführung
mitmachen durften. Singen und Tanzen würde ihnen ihr Glaube verbieten.
Meine Stimmung ist im Eimer.

Sofort tauchen andere deprimierende Ereignisse der letzten Wochen auf:

- Die 13-Jährige, für die es Sünde ist, ihre Klassenkameraden in Badehose
zu sehen.

- Der Vater, der sich empört, dass dreijährige Kinder sich nackend im Ba-
desee des Britzer Gartens tummeln.

- Die Sanitäter, die angegriffen werden, weil sie bei der Hilfe für eine be-
wußtlose Frau diese anfassen mussten.

- Oder der Streit, ob Schöffinnen mit Kopftuch Recht sprechen dürfen.
Für all diese Fragen gibt es viele Für und Wider. Das Bundesverwaltungs-
gericht hat zu Recht auf das Grundelement einer pluralistischen Gesell-
schaft hingewiesen. Es heißt Toleranz.

Menschen mit einer radikal-dogmatischen Lebenseinstellung müssen bei
uns hinnehmen, dass andere ihr Leben anders gestalten als sie. Liberalität,
Freizügigkeit, zuweilen lockere Umgangsformen und ein gehöriger Schuss
Voyeurismus sind Teil unseres Lebens. Niemand kann ihnen ausweichen.

Die Türkische Gemeinde hat das Urteil begrüßt - gut so. Religionsfreiheit
heißt, seinen Glauben frei von staatlicher Repression leben zu können. Sie
bedeutet aber nicht, das öffentliche Leben, Gesetze und Kulturregeln nach
eigenem Ritus kujonieren zu dürfen. Religion ist bei uns Privatsache.

Wir sind kein Religions- oder Gottesstaat. Und wir wollen es auch nicht wer-
den.

Die, die ihre Kinder zu fanatischen und intoleranten Lebensweisen erziehen,
oder besser gesagt verblenden, nehmen ihnen nicht nur Lebensfreude, son-
dern auch Zukunftsperspektiven und Selbstbestimmung.

Unsere Neuköllner Hindus sind da anders. Sie sind auch ein beliebter, leben-
diger Teil des öffentlichen Lebens und ihre Kinder sind die besten in der Schu-
le. An der Britzer Blaschkoallee haben sie einen tollen, farbenprächtigen Tem-
pel errichtet. Ein Hingucker und eine Einladung an alle Nicht-Hindus, einmal
hereinzuschauen. So geht’s auch.