Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
#144005
02/02/13 01:03 PM
02/02/13 01:03 PM
|
Joined: Aug 2008
Posts: 160 Deuschland
LOE140905
OP
Mitglied
|
OP
Mitglied
Joined: Aug 2008
Posts: 160
Deuschland
|
Eine Frage an die Konvertierten unter euch: Wenn ich das richtig verstehe ist meist erst mit der Heirat die Frage nach dem Glauben aufgekommen. Gibt es hier jemanden der frei von jeglicher Notwendigkeit zur Muslima bzw. zum Moslem konvertiert ist und erst dann geheiratet bzw. seinen Ehepartner kennen gelernt hat?
Hier in DE wächst man in der Regel als Christ ohne Glauben und geistliche Führung auf, den "beamteten Vertretern Gottes" traut man nicht mehr als einem beliebigen Lokalpolitiker, aktuell sogar eher weniger. (Niemand der bei klarem Verstand ist würde jetzt noch einem Priester sein Kind anvertrauen) Dennoch empfinden wenige ihren Glauben als Heuchelei, was daran liegen mag das man sich die Mühe des heuchelns gar nicht macht oder sich seines Glaubens schlichtweg nicht bewusst ist... was ja eigentlich nicht funktionieren kann. Aber wen interessiert es schon was man am Freitag der Familie serviert, Sonntags sind die Kirchen leer, kein Mensch hält die Fastenzeit ein und Weihnachten sind es die Geschenke und der Konsum der alle Aufmerksamkeit erfordert. Das sind also unsere religiösen Wurzeln.
Meine Frage zielt dahin zu erfahren was in jemandem vorgeht der in DE aufgewachsen ist und umständehalber zu einem Glauben konvertieren musste der einem in einer Form Regeln und Konsequenzen auferlegt, die man so gar nicht kennt. Ist es mehr eine Leere die dann endlich erfüllt wird, oder heuchelt man den Glauben dem Partner (oder der Partnerin, der Familie usw.) zuliebe? Ich stelle mir das so oder so sehr schwierig vor. Und ich wage die Hypothese das z-B. nach einer Scheidung und einem Rückzug nach DE der "rechte Glaube" in der Regel auch keinen Bestand haben wird.
Wie sieht es bei euch aus? Warum seid ihr konvertiert und wie ernst ist es euch damit?
Und: Gesetzt dem Falle ich lerne eine Marokkanerin kennen und lieben mit der ich dann eine Beziehung im westlichem Maßstab führe: Also ohne Heirat, man wohnt zusammen, schläft miteinander und bekommt im Zweifelsfalle ein oder mehrere uneheliches Kinder. Wie würdet ihr Konvertierten das jetzt sehen? Und wie habt ihr früher darüber gedacht?
Last edited by BongoFury; 02/02/13 01:43 PM.
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: LOE140905]
#144010
02/02/13 02:40 PM
02/02/13 02:40 PM
|
Joined: Dec 2012
Posts: 96 Portugal
Chadidscha
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Dec 2012
Posts: 96
Portugal
|
Wenn ich das richtig verstehe ist meist erst mit der Heirat die Frage nach dem Glauben aufgekommen. Gibt es hier jemanden der frei von jeglicher Notwendigkeit zur Muslima bzw. zum Moslem konvertiert ist ? Salam alaykum Die letzte Frage kann ich bejahen, ich bin als eingefleischte Agnostikerin in einem völlig unreligiösen Umfeld "ohne jegliche Notwendigkeit" (wenn man den inneren Drang nicht als Notwendigkeit bezeichnen will() Muslima geworden. Und habe auch lange gedacht, ich sei da wohl eine Ausnahme. Stimmt aber nicht. Ich habe sogar kürzlich eine kleine Umfrage gestartet in meinem Blog: http://www.ausgerechnet-islam.com/2012/12/rosen-und-andere-wegweiser.htmlEs wäre nett wenn diejenigen, die hier mitlesen, auch noch mitmachen. Im Moment führt "Beschäftigung mit Religionen" (35 %) vor "Koran" (30 %) und 27 % geben als "Einstiegswegweiser" den Partner an.
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: Chadidscha]
#144011
02/02/13 03:42 PM
02/02/13 03:42 PM
|
Joined: Apr 2010
Posts: 1,424 Spanien
21merlina
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Apr 2010
Posts: 1,424
Spanien
|
Das ist ein interessantes Thema (noch - bin gespannt, wie lange es dauert, bis ...). Ich habe irgendwann mal aus Neugier an einem 2nd Hand Bücherstand eine Koranübersetzung aufgeschlagen und nach ein paar Zeilen gedacht, so ein Quatsch, das ist ja noch zehnmal schlimmer, als die Bibel, das kann sich ja kein normaler Mensch antun, das zu lesen. Damit war das Thema Islam für mich abgehakt. Überhaupt konnte ich sowieso nie was mit Religion anfangen, bin nie freiwillig in eine Kirche gegangen... das Übliche halt.
Nicht-religiöse Bücher habe ich immer gerne gelesen. Und so bin auch auch auf Autoren und Themen aus dem Maghreb gekommen, weil ich schon öfter in Marokko war und von daher da einen Bezug zu hatte. Irgendwann habe ich ein Interview von einem marokkanischen Autor mit einem spanischen Journalisten gelesen, wo er auf die Frage nach einem Buch, was man unbedingt lesen soll, antwortet, auf alle Fälle den Koran. Der Journalist fragte überrascht nach, wie er denn auf die Idee käme, ausgerechnet den Koran zu empfehlen, wo er doch so gar nicht dran halte. Ja schon, das sei aber trotzdem unbedingt lesenswert.... An den genauen Wortlaut des Interviews erinnere ich mich natürlich nicht mehr. Noch dazu ist finde ich es nicht mehr oder es ist nicht mehr online. Jedenfalls bin ich daraufhin in eine Buchhandlung gegangen und habe mir eine gut lesbare, kommentierte Übersetzung besorgt. Dann habe ich ganz schnell gemerkt, dass das keiner erfunden haben kann. Und seitdem gelte ich (nicht nur) bei meiner Familie als reif für die Klapse.
LG
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: LOE140905]
#144012
02/02/13 03:47 PM
02/02/13 03:47 PM
|
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071 Sauerland
Summach
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071
Sauerland
|
Schönes Stichwort, Bongofury, wie Du ja auch sonst ziemlich sicher den Finger in manche Wunden legst. Eine Frage an die Konvertierten unter euch: Wenn ich das richtig verstehe ist meist erst mit der Heirat die Frage nach dem Glauben aufgekommen. Gibt es hier jemanden der frei von jeglicher Notwendigkeit zur Muslima bzw. zum Moslem konvertiert ist und erst dann geheiratet bzw. seinen Ehepartner kennen gelernt hat? Dir ist sicher bekannt, daß es in Konvertiten-Muslima-Kreisen diese Hierarchien gibt? Also zuerst kommen die nativen Muslimas, die im allgemeinen auch sehr locker umgehen mit ihrem Glauben, selbstsicher, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und in ihrem Glauben ziemlich sicher, aber auch ziemlich tolerant. Sie haben keine gestörte Identität, um es als Psychotante mal beim Namen zu nennen. Dann kommen die konvertierten Muslimas und dort zuerst die, die - wie Chadidscha - vom Blitz getroffen wurden: sie sind ohne einen Mann - also nicht aus Liebe, sondern aus anderen Gründen, meistens aus rein spirituellen - zum Islam konvertiert. Sie sind sozusagen der zugezogene Adel, der aber gerade deshalb größten Wert (wie jede Generation von Migranten, die sich mühsam nach oben kämpft, als erstes, die weiter unten Stehenden sich bemüht auf Abstand zu halten) auf absolute Korrektheit im Glauben besteht: da wird gehechelt, geprüft, kontrollliert, jede Wortwahl aufs genaueste durchleuchtet, der Tagesablauf unter exakte Normen gestellt, die man sich dann täglich öffentlich geißelt, so man sie nicht eingehalten hat oder doch mal einen Blick auf das eigene Kind auf einem Foto geworfen hat, das zufällig doch zum Stehen gekommen war auf dem Bücherschrank in der Schrankwand: dann werden möglichst viele Dua's gemacht, viele der älteren Muslimas helfen dann beim Dua machen, um die Schwester von ihren Lastern zu befreien. Und ganz zum Schluß kommen die Muslima, die "nur" wegen der Liebe konvertiert sind. Und die bemühen sich dann mit allen Kräften zu beweisen, daß das keine Konvertierung zweiter Klasse wäre: ich habe mir das alles angesehen, den Kopf geschüttelt wie über jede klandestine Gruppierung, die sich durch Aufstieg, Ausschluß und Ausgrenzung definiert und habe ihnen den Rücken gekehrt. Setidem sage ich jedem, der es wissen will mit Stolz, daß ich nur aus Liebe konvertiert bin, weil es keinen besseren Grund gibt als aus Liebe zu konvertieren. Ich habe dazu natürlich noch viel mehr vorzubringen, wie beispielsweise, daß ein richtig gläubiger Mensch so ein Vorbild sein kann, daß man an seiner Seite entweder nur mitmachen kann oder aber man sich trennen muß und daß feste Regeln, das Vorleben von Gebet, Alltagsrespekt und vielen anderen in Fleisch und Blut übergegangenes religiöses Leben ansteckend ist: man möchte ein Teil davon sein und man fühlt sich auch manches mal beschämt. Dafür können wir Deutschen aber nichts, das haben wir genauso mit in die Wiege gelegt bekommen, wie ein Muslim oder aber ein wahrer, richtiger Christ, der ebenso beeindruckend und mitreißend sein kann, aber viel, viel seltener geworden ist. Von ganzen Familien, die sich über Generationen auf ein- und diesselben Regeln verpflichtet fühlen und sie freud- und lustvoll leben, ganz zu schweigen. Ich lehne also diese Klassifizierung ab, sie dient wie so vieles andere auch nur dazu Zwietracht zu säen und unlauteren Mehrwert aus etwas zu ziehen, wofür man weder etwas kann noch was man selbst entschieden hat: wie wir alle wissen kommt und geht die Liebe wie sie selbst es will. Und wenn der Glaube mitgekommen ist, bleibt wenigstens der und ist ein sicherer, gütiger, zuverlässiger Partner. Josi P.S.: zu Chadidscha - Menschen nach der Lebensmitte, besonders Frauen lösen sich oft noch in letzter Minute von ihren Fesseln. Egal, mit welchen Mitteln sie das tun, es ist immer in Ordnung. Und wenn die Familie irritiert ist, ist sie es in den seltensten Fällen dann wegen eines anderen Glaubens: die Oberhäupter von Familienclans haben zusammen zu bleiben - das ist eine uralte in die Gene eingeschliffene Prägung, wer sich daraus entfernt, wird immer etwas zu berichten und etwas zu erklären haben. Es wäre zu einfach nur einen anderen Glauben dafür verantwortlich zu machen: so man glücklich ist, mit dem was man tut, gehen alle mit Begeisterung mit auf die Suche nach neuen Horizonten.
Last edited by Josi; 02/02/13 03:50 PM. Reason: Dreckskorrekturprogramm: wie stelle ich es ab?!
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: Summach]
#144017
02/02/13 04:42 PM
02/02/13 04:42 PM
|
Joined: Dec 2012
Posts: 96 Portugal
Chadidscha
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Dec 2012
Posts: 96
Portugal
|
Josi: Dann kommen die konvertierten Muslimas und dort zuerst die, die - wie Chadidscha - vom Blitz getroffen wurden: sie sind ohne einen Mann - also nicht aus Liebe, sondern aus anderen Gründen, meistens aus rein spirituellen - zum Islam konvertiert. Sie sind sozusagen der zugezogene Adel, der aber gerade deshalb größten Wert (wie jede Generation von Migranten, die sich mühsam nach oben kämpft, als erstes, die weiter unten Stehenden sich bemüht auf Abstand zu halten) auf absolute Korrektheit im Glauben besteht: da wird gehechelt, geprüft, kontrollliert, jede Wortwahl aufs genaueste durchleuchtet, der Tagesablauf unter exakte Normen gestellt, die man sich dann täglich öffentlich geißelt, so man sie nicht eingehalten hat oder doch mal einen Blick auf das eigene Kind auf einem Foto geworfen hat, das zufällig doch zum Stehen gekommen war auf dem Bücherschrank in der Schrankwand: dann werden möglichst viele Dua's gemacht, viele der älteren Muslimas helfen dann beim Dua machen, um die Schwester von ihren Lastern zu befreien. Entschuldige, aber von dieser Art Muslima möchte ich mich doch ausdrücklich distanzieren - nichts ist mir ferner als Zeigefingeraufhalten und anderen den "richtigen" Glauben aufdrängen zu wollen. Wer mein Blog liest, weiss dass ich auch nie darauf eingehe, wie genau ich jetzt meinen Glauben lebe, um nur ja nicht den Gedanken entstehen zu lassen, ich meinte, nur so sei es richtig. Josi: P.S.: zu Chadidscha - Menschen nach der Lebensmitte, besonders Frauen lösen sich oft noch in letzter Minute von ihren Fesseln. Egal, mit welchen Mitteln sie das tun, es ist immer in Ordnung. Und wenn die Familie irritiert ist, ist sie es in den seltensten Fällen dann wegen eines anderen Glaubens: die Oberhäupter von Familienclans haben zusammen zu bleiben - das ist eine uralte in die Gene eingeschliffene Prägung, wer sich daraus entfernt, wird immer etwas zu berichten und etwas zu erklären haben. Es wäre zu einfach nur einen anderen Glauben dafür verantwortlich zu machen: so man glücklich ist, mit dem was man tut, gehen alle mit Begeisterung mit auf die Suche nach neuen Horizonten. Danke für die Analyse. Ich bin diese Variante - unter vielen anderen, es gibt durchaus noch andere pycho-logische Möglichkeiten - selber x mal durchgegangen, das kann ich dir versichern. Ich halte mich aber definitiv nicht für so blöd, nur um "Fesseln zu entkommen" etwas so Ausgefallenes zu tun, wodurch ich mich nicht nur von Fesseln befreie sondern mich derart ins Abseits stelle und schließlich inmitten meiner immer noch vorhandenen Fesseln ganz allein dastehe. Um mich von Fesseln zu befreien, hätte es auch ein Liebhaber getan. Wär weniger kompliziert gewesen. Oder eine Scheidung. Aber weißt du was - ich will mich ja gar nicht von meiner Familie trennen, am liebsten möchte ich alles unter einen Hut bringen.
Last edited by Chadidscha; 02/02/13 04:44 PM.
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: Chadidscha]
#144018
02/02/13 04:49 PM
02/02/13 04:49 PM
|
Joined: Dec 2012
Posts: 96 Portugal
Chadidscha
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Dec 2012
Posts: 96
Portugal
|
Nochwas, Josi: Josi sagte: Ich lehne also diese Klassifizierung ab, sie dient wie so vieles andere auch nur dazu Zwietracht zu säen und unlauteren Mehrwert aus etwas zu ziehen, wofür man weder etwas kann noch was man selbst entschieden hat: wie wir alle wissen kommt und geht die Liebe wie sie selbst es will. Und wenn der Glaube mitgekommen ist, bleibt wenigstens der und ist ein sicherer, gütiger, zuverlässiger Partner. Wenn du diese Klassifizierung ablehnst - warum klassifiziertst du mich denn gleich doppelt in deinem Beitrag? Als adelige Kontrollkonvertitin  und als eine Freiheit suchende Alte? Tolle Schubladen hast du mir da zugewiesen.
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: Chadidscha]
#144022
02/02/13 05:10 PM
02/02/13 05:10 PM
|
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071 Sauerland
Summach
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071
Sauerland
|
Nein, Dich habe ich ja auch nicht gemeint: ich habe auf Bongofurys Threadthema geantwortet, ob es nicht so wäre, daß Muslimas, die "nur" aus Liebe konvertiert wären, letzten Endes dann doch nicht standhaft genug seien auch nach Beendigung der Liebe dem Islam die Treue zu halten: es ist der darunterliegende Subtext, dem ich geantwortet habe - der ja eindeutig ist. Und Du hast ja nur auf eine gezielte Nachfrage geantwortet, ob es hier jemandem gäbe, der nicht "nur" aus Liebe konvertiert wäre: ich habe Deinen Blog gelesen (nicht alles) und weiß, daß Du in nicht in Deutschland lebst - meine Beobachtungen betreffen aber ausdrücklich deutsche Muslima-Gruppierungen und da war die Hierarchie in allen gleich stringent. Ich habe in Marokko noch nie ein Problem damit gehabt, daß ich gefragt worden wäre "ob ich nur aus Liebe konvertiert wäre" - und ich denke auch nicht, daß Merlina so ein Problem in Spanien gehabt hätte, so sie denn nur aus Liebe konvertiert wäre. Innerhalb der Muslima-Gruppen waren es dann auch gleich die nativen Muslimas, die den Kontakt zu mir gesucht haben und sich dann auch über die strenge Gruppenkontrolle beschwert haben: etwas ähnliches glaube ich auch auf Deinem Blog gelesen zu haben - allerdings anders ausgedrückt: überall außen vor oder so ähnlich, überall nicht das, was man gesucht hat. Aber ich kann es falsch interpretiert haben. Danke für die Analyse. Ich bin diese Variante - unter vielen anderen, es gibt durchaus noch andere pycho-logische Möglichkeiten - selber x mal durchgegangen, das kann ich dir versichern. Ich halte mich aber definitiv nicht für so blöd, nur um "Fesseln zu entkommen" etwas so Ausgefallenes zu tun, wodurch ich mich nicht nur von Fesseln befreie sondern mich derart ins Abseits stelle und schließlich inmitten meiner immer noch vorhandenen Fesseln ganz allein dastehe. Um mich von Fesseln zu befreien, hätte es auch ein Liebhaber getan. Wär weniger kompliziert gewesen. Oder eine Scheidung. Aber weißt du was - ich will mich ja gar nicht von meiner Familie trennen, am liebsten möchte ich alles unter einen Hut bringen. Das ist nicht korrekt widergegeben: ich habe davon geschrieben, woran es liegt, wenn Familien Probleme damit haben, wenn sich bei einem der Familienoberhäupter etwas grundsätzlich ändert - und beziehe mich dabei auf Deine Postings hier und auf Deine Blogeinträge: es ist in den seltensten Fällen der Glaube, der zu Irritationen führt, sondern die Veränderung im Familiensytem - alle müssen sich neu orientieren und das kann zu heftigen Gegenreaktionen kommen. Dem Islam sollte man nie die Schuld für irgendetwas geben: das ist meine Kernbotschaft und das gilt sowohl für die echten als auch die konvertierten Muslime. Dich für blöd zu halten, käme mir nie in den Sinn und auch nicht Deine Konvertierung für eine platte Lösung von Fesseln zu halten - es ist nun aber mal so, daß die meisten Ehen, die nach 25 Jahren - also nach der Silberhochzeit - auseinandergehen, von den Ehefrauen gelöst werden. Konvertierung ist eine der Formen, es gibt noch viele andere: aber natürlich will ich nichts in Dich hineininterpretieren, sondern zitiere nur aus Deinem Blog. Es mindert auch in keiner Weise die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit einer Konvertierung, mein Fokus in bezug auf Dich war die Irritation Deiner Familie, die in Deinem Blog ein zentrales Thema ist: meine Erfahrung ist die, daß wenn man niemanden zurücklässt, die Irritation nachläßt. In manchen Familien natürlich nie: wenn ich Merlinas Kommentar lese, scheint es bei ihr so zu sein - bei mir kommt dazu, daß ich einen Schwiegersohn habe (keinen Marokkaner), der ebenfalls Muslim ist und der Islam deshalb so alltäglich ist, daß kaum noch jemand darüber nachdenken muß. Vielleicht kann Aisha etwas dazu sagen, die ja auch einen Muslim als Schwiegersohn hat. Aber weißt du was - ich will mich ja gar nicht von meiner Familie trennen, am liebsten möchte ich alles unter einen Hut bringen. Das ist exakt das, was ich Dir ans Herz legen möchte: niemanden zurücklassen - das ist das Schlüsselwort. Wie jede Familie das bewerkstelligt, das ist das Geheimnis, das es zu lösen gilt - Frauen sind in dieser Hinsicht große Kreative und große Meister. Aber man muß den festen Willen haben, daß keiner verloren gehen darf: und mit keiner meine ich wirklich keinen. Und nein, ich bin darin ganz sicher nicht perfekt, aber weil auch mich niemand verlieren will, strengen sich halt alle mächtig an, sogar der Vater meiner Kinder kauft fleissig Bücher mit Bezug zum Islam und frägt mich immer wieder mal, ob er nicht mitkommen könne nach Marokko... ...es wird alles gut. Josi
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: Summach]
#144025
02/02/13 05:27 PM
02/02/13 05:27 PM
|
Joined: Apr 2010
Posts: 1,424 Spanien
21merlina
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Apr 2010
Posts: 1,424
Spanien
|
Ich lehne also diese Klassifizierung ab, sie dient wie so vieles andere auch nur dazu Zwietracht zu säen und unlauteren Mehrwert aus etwas zu ziehen, wofür man weder etwas kann noch was man selbst entschieden hat: wie wir alle wissen kommt und geht die Liebe wie sie selbst es will. Und wenn der Glaube mitgekommen ist, bleibt wenigstens der und ist ein sicherer, gütiger, zuverlässiger Partner.
Genau, diese Klassifizierung finde ich auch fürchterlich. Hast du sie eigentlich nur in Deutschland beobachtet oder in Marokko auch? In meinem Umfeld hier gibt es sie nämlich nicht, oder sie ist sowas von klandestin, dass ich es nicht mitkriege, obwohl ich extra drauf achte. Wir sind hier alle bunt gemischt, also alle drei "Kategorien". Niemand wird ausgeschlossen. Oder ich bin wirklich so blöd und merke es nicht, auch in Ordnung. Es gibt auch keine Sprachprobleme, wie man es oft aus Deutschland hört. Da haben ja "Konvertiten" (Unwort, krieg ich Zahnschmerzen von - Aua!)oft das Problem, dass nur türkisch gesprochen wird. Hier einigen wir uns auf Spanisch, weil das alle mehr oder weniger können. Die gebürtigen Muslime sprechen teils Darija, teils Tamazight. Manche können auch beides, aber eben nicht alle. Edit: Ich sehe, du hast meine Frage schon beantwortet, bevor ich sie gestellt habe. War ich mal wieder zu langsam 
Last edited by 21merlina; 02/02/13 05:46 PM.
LG
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: 21merlina]
#144030
02/02/13 05:51 PM
02/02/13 05:51 PM
|
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071 Sauerland
Summach
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071
Sauerland
|
Ich lehne also diese Klassifizierung ab, sie dient wie so vieles andere auch nur dazu Zwietracht zu säen und unlauteren Mehrwert aus etwas zu ziehen, wofür man weder etwas kann noch was man selbst entschieden hat: wie wir alle wissen kommt und geht die Liebe wie sie selbst es will. Und wenn der Glaube mitgekommen ist, bleibt wenigstens der und ist ein sicherer, gütiger, zuverlässiger Partner.
Genau, diese Klassifizierung finde ich auch fürchterlich. Hast du sie eigentlich nur in Deutschland beobachtet oder in Marokko auch? In meinem Umfeld hier gibt es sie nämlich nicht, oder sie ist sowas von klandestin, dass ich es nicht mitkriege, obwohl ich extra drauf achte. Wir sind hier alle bunt gemischt, also alle drei "Kategorien". Niemand wird ausgeschlossen. Oder ich bin wirklich so blöd und merke es nicht, auch in Ordnung. Es gibt auch keine Sprachprobleme, wie man es oft aus Deutschland hört. Da haben ja "Konvertiten" (Unwort, krieg ich Zahnschmerzen von - Aua!)oft das Problem, dass nur türkisch gesprochen wird. Hier einigen wir uns auf Spanisch, weil das alle mehr oder weniger können. Die gebürtigen Muslime sprechen teils Darija, teils Tamazight. Manche können auch beides, aber eben nicht alle. Edit: Ich sehe, du hast meine Frage schon beantwortet, bevor ich sie gestellt habe. War ich mal wieder zu langsam Nein, habe ich in Marokko noch nie erlebt: nur in Deutschland und ja, ich beneide Dich seit ich hier im Forum bin darum, daß Du ganz offensichtlich diese Gemeinschaft hast: ich habe sie nur, wenn ich in Marokko bin und ich bin geradezu süchtig danach, dann aufzugehen in dieser Gemeinschaft, Teil davon zu sein, mich verlieren zu dürfen, nicht ich sein zu müssen, sondern an die Hand genommen zu werden, weich eingebettet in Zuneigung, besonders auch weibliche, hilfreiche, mütterliche. Und wie gesagt: immer kamen dann die echten Muslimas auf mich zu - allerdings auch nur hinter vorgehaltener Hand, weil sie sich oft nicht getraut haben, das alles zu hinterfragen: da bin ich zielsicher, da gebe ich dann Rückendeckung, für so was bin ich gut. Josi
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: Chadidscha]
#144031
02/02/13 05:52 PM
02/02/13 05:52 PM
|
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071 Sauerland
Summach
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071
Sauerland
|
Ok alles ist gut -  da du in beiden Statements meinen Namen erwähnt hattest, habe ich es offensichtlich zu persönlich genommen. Ich wußte, daß es gut ist - und ich drücke Dir für alles ganz fest die Daumen. Josi
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: Summach]
#144032
02/02/13 05:53 PM
02/02/13 05:53 PM
|
Joined: Dec 2012
Posts: 96 Portugal
Chadidscha
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Dec 2012
Posts: 96
Portugal
|
..... es ist in den seltensten Fällen der Glaube, der zu Irritationen führt, sondern die Veränderung im Familiensytem - alle müssen sich neu orientieren und das kann zu heftigen Gegenreaktionen kommen. Dem Islam sollte man nie die Schuld für irgendetwas geben: das ist meine Kernbotschaft und das gilt sowohl für die echten als auch die konvertierten Muslime. Dann bin ich definitiv ein seltener Fall. Meine Familie stört (fast) nix an mir außer meine Religion, d.h. das Praktizieren derselben (würde ich "nur" glauben und ansonsten leben wie zuvor wäre das durchaus in Ordnung). Und mich stört (fast) nix an meiner Familie, außer dass sie meine Religion so kategorisch ablehnt.
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: Chadidscha]
#144034
02/02/13 06:05 PM
02/02/13 06:05 PM
|
Joined: Apr 2010
Posts: 1,424 Spanien
21merlina
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Apr 2010
Posts: 1,424
Spanien
|
..... es ist in den seltensten Fällen der Glaube, der zu Irritationen führt, sondern die Veränderung im Familiensytem - alle müssen sich neu orientieren und das kann zu heftigen Gegenreaktionen kommen. Dem Islam sollte man nie die Schuld für irgendetwas geben: das ist meine Kernbotschaft und das gilt sowohl für die echten als auch die konvertierten Muslime. Dann bin ich definitiv ein seltener Fall. Meine Familie stört (fast) nix an mir außer meine Religion, d.h. das Praktizieren derselben (würde ich "nur" glauben und ansonsten leben wie zuvor wäre das durchaus in Ordnung). Und mich stört (fast) nix an meiner Familie, außer dass sie meine Religion so kategorisch ablehnt. Genau so ist es bei meiner auch. Nachdem wir noch dazu auch weit auseinander wohnen, wird der Komntakt immer weniger. Wenn wir ausnahmsweise mal skypen, muss das immer von mir aus gehen. Und irgendwie sind immer alle auffällig schnell off, sobald ich on bin. Ich dachte, das wird mit der Zeit besser, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wahrscheinlich hatten sie am Anfang noch irgendwie die Hoffnung, dass ich aus dem bösen Islam wieder austrete, dass ich merke, wo ich hineingeraten bin... Mittlerweile haben sie mich abgeschrieben.
LG
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: 21merlina]
#144036
02/02/13 06:14 PM
02/02/13 06:14 PM
|
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071 Sauerland
Summach
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071
Sauerland
|
..... es ist in den seltensten Fällen der Glaube, der zu Irritationen führt, sondern die Veränderung im Familiensytem - alle müssen sich neu orientieren und das kann zu heftigen Gegenreaktionen kommen. Dem Islam sollte man nie die Schuld für irgendetwas geben: das ist meine Kernbotschaft und das gilt sowohl für die echten als auch die konvertierten Muslime. Dann bin ich definitiv ein seltener Fall. Meine Familie stört (fast) nix an mir außer meine Religion, d.h. das Praktizieren derselben (würde ich "nur" glauben und ansonsten leben wie zuvor wäre das durchaus in Ordnung). Und mich stört (fast) nix an meiner Familie, außer dass sie meine Religion so kategorisch ablehnt. Genau so ist es bei meiner auch. Nachdem wir noch dazu auch weit auseinander wohnen, wird der Komntakt immer weniger. Wenn wir ausnahmsweise mal skypen, muss das immer von mir aus gehen. Und irgendwie sind immer alle auffällig schnell off, sobald ich on bin. Ich dachte, das wird mit der Zeit besser, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wahrscheinlich hatten sie am Anfang noch irgendwie die Hoffnung, dass ich aus dem bösen Islam wieder austrete, dass ich merke, wo ich hineingeraten bin... Mittlerweile haben sie mich abgeschrieben. Das hört sich sehr traurig an: wo doch auf jemanden wie Dich die ganze Familie stolz sein müsste... Josi
|
|
|
Re: Erst kommt die Liebe, dann der Glaube?
[Re: Chadidscha]
#144037
02/02/13 06:17 PM
02/02/13 06:17 PM
|
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071 Sauerland
Summach
Mitglied
|
Mitglied
Joined: Oct 2006
Posts: 1,071
Sauerland
|
Ja, und weil es nur dieses kleine bischen etwas ist, wird es sich auch auflösen: woran merken denn übrigens Deine Famiienmitglieder, daß Du irgendetwas praktizierst (und nein, das ist keine hinterfotzige Frage, sondern es interessiert mich wirklich)? Bei Merlina würde ja niemand in Deutschland irgendetwas merken: man skypet ja nicht während des Gebetes beispielsweise...
...also: was im Alltag kann denn eine Familie so stören, daß sie es kategorisch ablehnt (andere lehnen es übrigens auch kategorisch ab, wenn jemand keinen Alkohol trinkt oder eine Diät macht, die sie für übertrieben halten)?
Ihr wohnt doch nicht mehr zusammen?
Josi
Ich muß jetzt weg, deshalb nur kurz.
|
|
|
|
|
Forums17
Topics18,514
Posts164,843
Members9,959
| |
Most Online12,010 Dec 24th, 2014
|
|
|