Liebe Katrin, liebe Eva

Katrin, ja du hast da sicher recht, dass es nicht so extrem ist mit dem Unterschied-Machen zwischen Töchtern und Söhnen bezüglich Stolz sein.
Aber trotz Gleichberechtigung werden Jungs und Mädels unterschiedlich behandelt und die Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Bereiche, Fähigkeiten etc gelegt. Ich habe letztens eine Studie gelesen zwecks Bewertungen von Begabungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen von Schülern und Schülerinnen durch ihre Lehrkräfte. Schulischer Erfolg bei Jungs wird meist mit Intelligenz und Begabung konnotiert, während die Erfolge von Mädchen mit Fleiß und Ordentlichkeit konnotiert werden.

Eva, natürlich spielt auch Testosteron beim Verhalten von Männern eine Rolle. Ich merke auch Unterschiede zwischen Weibchen und Männchen im Tierreich. Aber das ungleiche Verhalten ist nicht nur darauf zurückzuführen. So werden ja auch zB unterschiedliche Fähigkeiten in den verschiedenen Fächern auf die Natur von Mädchen und Jungen zurückgeführt. Mädchen sind demnach in Fächern wie bspw. Deutsch, Fremdsprachen und Biologie besser, Jungs in Fächern wie Mathe und Physik.
In der besagten Studie wurde u.a. auch festgestellt, dass anfänglich Jungs und Mädchen in den unterschiedlichen Fächern gleiche Leistungen erzielen und diese erst in den höheren Schulstufen sich zu unterscheiden beginnen (umso höher die Schulstufe desto größer werden die Unterschiede). Zurückführen kann man diese Unterschiede jedoch anstatt auf eine natürliche Begabung, auf die unterschiedlichen Erwartungen und Zuschreibungen an Jungs und Mädchen und die damit verbundenen unterschiedlichen Förderungen nach Geschlecht in den verschiedenen Fächern. Letzen Endes führt das dazu, dass Jungs und Mädchen sich aufgrund ihres Geschlechtes in gewissen Fächern beheimateter fühlen und in anderen weniger und die Unterschiede wiederum anscheindend bestätigt werden.
Das ganze hat nun konkret weniger zu tun mit dem Thema hier, es ist aber meiner Meinung nach ein gutes Beispiel dafür, wie Verhaltens-, Wahrnehmungs- und Handlungsweisen von Menschen aufgrund von (kollektiven) Erwartungen und Zuschreibungen beeinflusst werden.

Katrin, Gleichberechtigung besteht nicht nur darin, dass Frauen finanziell unabhängig und abgesichert sind. Die ungleiche Behandlung vollzieht sich in Alltagspraktiken und in Wahrnehmungs-, Deutungs- und Denkschematata. Oberflächlich betrachtet leben wir in einer gleichberechtigten Gesellschaft, die die Geschlechter gleich behandelt. Die Ungleichbehandlung geschieht aber angefangen von strukturellen Bedingungen, wie zB. dass Frauen bei gleicher Tätigkeit immer noch schlechter bezahlt werden als Männer, bis hin zu symbolischer Ungleichbehandlung, beispielsweise, dass Frauen eine Nebenrolle spielen - in Filmen etwa sind Männer die Helden, die Frauen haben eine unterstützende und schmückende Nebenfunktion. Bei Autoausstellungen werden an die Seite von Autos (die in dem Moment Objekt als auch Identifikationsmittel der Männer sind) Frauen als schmückende Zierde beigestellt, also auch wieder in eine Nebenrolle gedrängt (nur um zwei simple Beispiele für die Nebenrolle der Frau und die Hauptrolle des Mannes zu nennen.) Uns fallen aber diese Symboliken nicht mehr in unserer alltäglichen Wahrnehmung auf. Dennoch beeinflussen sie unser Handeln und unbewusstes Wahrnehmen und wirken in verschiedene Bereiche hinein, und so eben auch in die zwischengeschlechtliche Beziehung. Vieles wird erst ersichtlich, wenn man Selbstverständliches hinterfragt und Alltäglichem kritisch reflexiv begegnet.

Koschla,

Antwort auf:

ich glaube, zuerst einmal muss man sich selbst kritisch beobachten. Investiert man womöglich sehr viel, weil man sich seiner selbst unsicher ist, weil man sich wertlos oder etwas in der Art fühlt? Ist man "bedürftig" im Sinne, dass man für alles eine Bestätigung, ein Lob, eine Rückmeldung bekommt? Ich meine damit nicht den normalen Rahmen. Meistens wiederholen sich ja Beziehungsmuster und man selbst kennt seine eigenen SChwachstellen sehr genau.


ich denke auch, dass es sehr aufschlussreich sein kann, wenn man sich selbst erstmal kritisch beobachtet und eigene Erwartungen, Gefühle, Vorstellungen etc. hinterfragt und versucht, Zusammenhänge und Auswirkungen zu erkennen. Schließlich sind Beziehungen sich wechselseitig beeinflussende Interaktionen.
Und klar müssem immer beide Partner an einer Beziehung arbeiten.

Katrin, meine zauberhafte (Hexen-)Schwester, das mit dem Helden des Tages gefällt mir laugh

Herzliche Grüße an euch zwei Lieben smile
Jasmin

ps: Katrin, ich bin bei weitem keine Fachfrau, ich besitze nur ein kleines Wissen über bestimmte Dinge und greife auf diese Wissensfragmente ab und an experimentell und provisorisch zurück, um mich mit etwas auseinander zu setzen...