Was Normaleres als den Ausspruch Deines Freundes gibt es in Marokko nicht, Lavandula!
Planen? Völlig unmarokkanisch. Niemand plant hier irgendwas, zumindest kenne ich niemand, außer einer einzigen guten Freundin. Geburtstagsgeschenk einen Monat vorher überlegen? Hä? Eine Woche vorher ist fast schon zuviel. Einen Termin für nächsten Woche vereinbaren? Geht gar nicht. Mal sehen, on va voir, inshallah. Selbst mit Handwerkern wird kaum ein Termin für länger im Voraus vereinbart. Fast alles wird spontan entschieden und gemacht.
Das ist total normal und typisch marokkanisch nach meiner Ansicht.
Ich sehe das anders:
es ist typisch deutsch sich an Geburtstagen aufzuhängen, einen Marokkaner interessiert sein Geburtstag wenig bis gar nicht, also auch nicht der seiner Liebsten. Mich übrigens auch nicht: ich habe mich mal von einem Beamten des Einwohnermeldeamtes anschnauzen lassen müssen, doch bitte meine Familienverhältnisse in Ordnung zu bringen, weil mir nicht auf Anhieb alle Geburtstage meiner Nachkommen eingefallen sind.
Und eine Woche vorher sich ein Geburtstagsgeschenk überlegen?
Auch da bin ich sehr undeutsch (ich weiß aber, daß die "Drangeheirateten" damit manchmal auch ihre Not haben, sie kommen schließlich aus solchen Elternhäusern in denen Liebe mit einen Monat vorher planen verwechselt worden ist und nun fühlen sie sich ungeliebt, wenn man nicht einen Monat vorher die Päckchenbändchen mit der scharfen Schere zum Kringeln bringt und das liebevoll ausgesuchte Präsent nicht mindestens denselben Wert hat wie das, was man selbst vor kurzem erhalten hat). Ich nenne das den Geschenketerror, der - wie es der Teufel will - oft Hand in Hand geht mit einer peniblen Buchführung (in Schwaben sagt man: "die Großzügigkeit ist ein Teil von der Liederlichkeit").
Ich hatte einmal eine Kollegin (eine ehemalige Bankkauffrau - ja, ja ich weiß: "Bankkauffrau" geht gar nicht), die hat es sich nicht nehmen lassen und ist mit der sündteuren Duftkerze einer internationalen Designermarke, die ihr voll verpackt zu ihrem Geburstag überreicht worden war, in die Stadt gerannt und hat von der Briennerstrasse bis zum Dom alle Luxusparfümerien abgeklappert. Nur um dann triumphierend zurückzukehren, weil sie nachweisen konnte, daß diese Duftkerze schon seit einem Jahr nicht mehr verkauft wird: ihr also ein altes Geschenkt angedreht worden war: ein größeres Geschenk hätte man ihr gar nicht machen können.
Diese Freundin habe ich übrigens gefragt, wie das denn zu ihrer Zeit mit den Kontoauszügen ihre Kunden war ("schaut ihr echt da drauf und macht euch einen Reim darauf?") und sie hat mir gesagt, daß man selbstverständlich sich einen Reim auf ALLES macht, man könne ja "nicht blind buchen". Es ist also völlig normal den Bankkunden und seine Kontoabgänge und -zugänge zu beobachten: schließlich wolle man ja auch wissen, ob er über seine Verhältnisse lebt - um notfalls die Kreditlinie rechtzeitig kündigen zu können etc. etc. Eigentlich - wenn man es recht bedenkt - eine total normale und typisch deutsche Form sich abzusichern.
Nebenbei: Die Grundregel für nichteingehaltene Termine lautet (wie übrigens auch in Kalifornien): wer so unsensibel ist und nicht merkt, daß man sich mit ihm nicht verabreden will, der bekommt dann halt ein "ja", das aber für den, der Ohren hat zu hören, eigentlich ein "nein" ist. In dieser Hinsicht war und bin ich selbst auch schon immer sehr marokkanisch gewesen: bloß nichts ausmachen - es könnte ja in letzter Minute noch etwas passieren, was sehr viel lustiger, aufregender, weniger absehbar ist als ein Date mit einer Jungfrau-Natur, die immer schon vor dem ersten Läuten im Klassenzimmer sitzt.
Menschen können nämlich vor Langeweile auch sterben.
Josi