Antwort auf:
Eine Kultur, welche der Welt den Roman gab,


Ja, der Roman :

der ist mal dafür verantwortlich gemacht worden, daß die Frauen so aus dem Ruder laufen wie sie es seit der Kulturleistung des Romane "Gebens" tun: große europäische Gelehrte haben damals postuliert, daß das Romanelesen des Teufels sei und daß seitdem die Weibersleut romantisch wären.Also immer unzufrieden mit dem, was sie in der Realität vorgefunden haben (Länge, Dauer, Durchhaltevermögen: alles romanhaft). Vielleicht sollte man anstelle des Koran das Romanelesen und "Geben" verbieten, wäre zumindest eine Überlegung wert angesichts der Folgen für Ehemänner, Frauen und Kinder (heutzutage ist es das iPhone, das Frauen mehr fesselt als ihre eigenen Kinder und mehr dazu beiträgt, daß Fastfood gegessen wird als Zeitmangel wegen Berufstätigkeit).

Liebesromane tun Frauen oft nicht gut - zu diesem Schluss ist die britische Paartherapeutin und Autorin Susan Quilliam gelangt. Wer die Liebesgeschichten von der gewöhnlich rehäugigen Heldin und ihrem Retter mit dem kantigen Kinn glaube, sei schon auf dem besten Weg ins Unglück, meint die Therapeutin in der britischen Fachzeitschrift «Journal of Family Planning and Reproductive Health Care» vom Donnerstag. «Manchmal ist das Freundlichste und Klügste, was wir unseren Patientinnen raten können, das Buch wegzulegen - und der Wirklichkeit ins Auge zu blicken.»

Und dann auch gleich noch Michelangelo sich einverleibt und da Vinci: die waren Italiener. Italiener, wir erinnern uns, sind von Geburt und seit Generation antiautoritär, sie sind das Gegenteil eines deutschen Vollidioten (im Gegensatz zum Religioten gibt es ja auch den Begriff des Volljuristen und - hier im Forum - die Steigerung, den Vollidioten) - sie sind kreativ, genial, unberechenbar, nicht lenkbar, immer dagegen, egal, wer grade das Sagen hat, nie obrigkeitshörig, mitfühlend und im Zweifelsfall auch bereit alle Möglichen von der gesamten restlichen Welt verleumdeten, verfolgten und gehetzten Individuen aufzunehmen, zu verstecken und sie erst wieder rauszulassen, wenn das Stiefelknallen verhallt ist.

Ich denke, Italien hat sehr viel mit Marokko gemeinsam: das Palavern, die Frauenverehrung (Italien ist ja nicht christlich, sondern glaubt an eine Frau: Maria, die Mutter Gottes, ist der einzige Gott weltweit, der es in diese Position geschafft hat), die Männergesellschaft, das Informelle, die Lust am Leben, am Essen, Trinken, sich gegenseitig im Beischlaf zu beglücken und dabei niemals seine familiären Bande und Verpflichtungen zu vergessen:

Italiener, vor allem Neapolitaner sind eigentlich nordafrikanisch. Und wenn man zurückblickt, dann haben sie sich schon so verhalten, wie man das von einem Muslim erwartet und von einem Christenmenschen erst recht: in der Inquisition war Italien das Land, das die wenigsten Ketzer(innen) verurteilt hat in Europa, Deutschland und Spanien diejenigen, die sauber aufgeräumt haben und ein unschlagbares Denunziantennetzwerk installiert haben. Unter Hitler ist Italien das Land gewesen, das die wenigsten Juden ausgeliefert hat, von Selbsthandanlegen und Umbringen, Zusammentreiben oder Enteignen ganz zu schweigen.

Ich habe in meiner engsten Familie nicht nur einen, sondern gleich drei männliche Muslime in der Töchtergeneration, teilweise aus Kulturen, die so alt sind, daß es uns damals noch gar nicht gegeben hat. Wir haben sehr intensive Diskussionen (intensivere als ich und mein Mann, die wir uns im Wesentlichen in einer humorvollen, gelassenen Sichtweise einig sind) über den Koran, über den Islam, über Politik und was man tut und was man besser sein lassen sollte.

Wenn schon Italien, dann bitte schön Dante:


das hört der aufgeklärte Westeuropäer ja nicht so gerne. Ich zitiere mal aus seiner romanhaften Phantasie (wir erinnern uns: dieser grösste italienische Dichter, der mehr verehrt wird als die Bibel und der jedem Italiener geläufiger ist als einem gläubigen Muslim sein Koran, behauptet in der "Divina Commedia", daß er höchstselbst im Jenseits war: sowohl in der Vorhölle, als auch in der Hölle, als auch im Paradies. Und daß Vergil sein Reiseleiter war: es wird keinen Italiener geben, der daran auch nur den leisesten Zweifel äussern würde und wenn ich ehrlich bin, es war ein Fehler die "Göttliche Komödie" gelesen zu haben.

Seitdem bin ich mir nicht mehr sicher, ob es diese Hölle nicht wirklich gibt und was man tun/unterlassen sollte, damit man dort nicht landet: daß er dort war, kann man unmöglich mehr leugnen, wenn man den "Roman" im Original gelesen hat - also nichts mit Jungfrauen, die man scharenweise befriedigen soll und davon überfordert wäre, ganz was anderes:

Die Gleichgültigen:

Und er: „Nach diesen Chören, schmerzgewoben,
Ziehn hier die lauen Seelen ihren Reigen
Die ohne Lob und Schande lebten droben

Die Feigen

Gesellt sind sie den Feigen
Der Engel, die sich weder für, noch gegen
Den Herrgott, doch gesondert wollten zeigen.

Von ihrem Ruhm blieb auf der Welt nichts über
Mitleid verschmäht sie und Gerechtigkeit
Genug davon! Schau hin – und geh vorüber.


Die Horde der Gleichgültigen und Feigen rennt einer Fahne hinterher, die wild und sprunghaft im Wind flattert. Das ist ein Bild, das wir schon eher verstehen. Wer an nichts glaubt, glaubt eben an alles, aber an nichts richtig. Das ist dann im Ergebnis in etwa dasselbe, wie an etwas glauben, aber sich aus Angst nicht dafür einsetzen.

In einer wohl schon lange andauernden Tradition, werden jetzt Bilder aus der griechischen Mythologie mit christlichen Vorstellungen vermischt. Ein Beispiel für eine solche Vermischung sind ja auch die Fresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle. Die Horde der verdammten Seelen befindet sich ebenfalls erstmal in dieser Vorhölle, eilt aber dem Fluss zu, wo sie von Charon, er bringt in der griechischen Mythologie auf einer Fähre die Seelen der Verstorbenen über den Acheron, an dessen Ufer der Hades beginnt, erwartet wird.

Es wird darauf hingewiesen, daß die Göttliche Kommödie in weiten Teilen von der Bibel abweicht und sich nicht an das hält, was damals vorgegeben war:

Da war mir’s deutlich, ohne noch zu fragen,
Dass dieses wär der Memmen feige Schar,
Die Gott und Gottes Feinden mißbehagen.

Dies Jammervolk, das nie rechtlebend war,
Lief nackt, und Mücken schwärmten, Wespen flogen,
Die stachen es und bissen’s immerdar.

Ihr Antlitz war mit Streifen Bluts durchzogen,
Das abwärts tropfte, tränenuntermengt,
Von scheußlichem Geschmeiß dort aufgesogen.

Und horch! – zum Strand ein Boot ich plätschern hörte,
Drin ein von Jahreslast gebleichter Greis:
„Weh euch, verworfne Seelen und betörte,

Hofft niemals zu erschaun des Himmels Kreis!
Ich führe euch – er rief’s aus rauer Kehle –
Zur ewgen Finsternis, zu Glut und Eis.

Doch jene Seelen, nackt und voller Schwäche,
Erblassten zähneklappernd voll Verzagen,
Als Charons Wort verhieß, w i e Gott sich räche!

Gott und der Menschheit galt ihr lästernd Klagen,
Sie fluchten Eltern, Ort und Zeit und Samen,
Draus sie dem Schoß verpflanzt, der sie getragen,

Worauf sie alle weinend näher kamen
Zum vielverhassten Strand, wo bangverzagend
Die Gottverächter stets ein Ende nahmen.

Charon der Dämon treibt sie alle jagend
Mit barschem Wink zusammen; die da säumen
Zornsprühnden Auges mit dem Ruder schlagend.

„Mein Sohn,“ der Meister gütig sprach, „sie alle,
Die unter Gottes Zorn dahingegangen,
Strömen hierher vom ganzen Erdenballe

Er schwieg – da bebte rings die düstre Erde
So mächtig, dass noch heut in Angstschweiß ich
Bei der Erinnerung gebadet werde.

Vom Land der tränen hob ein Sturmwind sich,
Durchzüngelt von der Blitze roten Schlangen,
Dass mir Empfindung und Besinnung wich

Das ist Dante, das ist Italien, das ist Europa und wenn ich mich nicht irre, hat er ganze Arbeit geleistet. Wie sonst war es möglich, daß in Italien soviel richtig und gut gelaufen ist, was in Resteuropa nichtmal im Ansatz denkbar war: von Mitleid, Glauben oder Gewissen rede ich hier gar nicht.

Josi

Und hier noch ein einziger Vers in italienisch, um zu verdeutlichen, warum der Koran in arabisch gelesen werden muß, aber Dante auf italienisch, ob man es versteht oder nicht.

Caron dimonio, con occhi di bragia
loro accennando, tutte le raccoglie;
batte col remo qualunque s'adagia.