Original geschrieben von: Josi

Ahja: und ein ganz heißer Tip ist der mit den 500ern unter dem Teppich.


Das ist kein heißer Tipp, sondern Unsinn. Geld ist nur Papier und kann entwertet werden. Wenn schon, dann echte Wertsachen. Jedoch gilt es zu bedenken, dass wenn alle Leute ihr Geld von der Bank abziehen würden, dann könnte sich das Bankwesen nicht halten und würde zusammenbrechen. Nun stehen die Banken aktuell im Kreuzfeuer (teilweise zu Recht) und viele glauben, alles wäre besser ohne Banken. Ich meine aber eher, dass Banken der Gesellschaft zum Vorteil gereichen, denn sonst würden wir wieder zur Zeit der Geldverleiher mit Wucherzinsen zurückkehren. Ist es nicht vielmehr so, dass das Bankwesen auch dem kleinen Mann ermöglicht, ein Haus zu erschwinglichen Zinsen zu bauen? Ich finde, das wird bei alledem vergessen, weil man eben nur die negative Seite sieht. Unsere europäische Gesellschaft ist besser geworden, weil mehr Gleichheit herrscht und das heißt nicht zuletzt mehr Chancengleichheit. Heutzutage ist jeder bei der Schulbildung chancengleich, ob arm oder reich, und wer nichts daraus macht, darf dem Staat keinen Vorwurf machen.

Glaubt wirklich jemand, dass es in Marokko besser ist? Was die Rechte und die Chancen der Allgemeinheit betrifft, ist es nicht besser. Banken verlangen hier horrende Gebühren ( ich zahle 5 Euro monatlich für mein marokkanisches Bankkonto) im Vergleich zum Gehalt (eine Grundschullehrerin beginnt mit etwa 250-300 Euro monatlich ihre Berufslaufbahn, ein Arbeiter hat etwa 100-150 Euro monatlich, ein Gymnasiallehrer verdient etwa 800 Euro monatlich). Das Schulsystem ist überlastet, Klassen von 50 Schülern sind normal, deshalb boomen die teuren Privatschulen, auf die natürlich eher Kinder aus wohlhabenden Familien gehen. Alle Last liegt auf der Familie, sehr viele Eltern sind abhängig von den Kindern, was auch für die Eltern kein angenehmes Gefühl ist. Ich möchte eigentlich nicht gerne von meinen Kindern meinen monatlichen Unterhalt bekommen, sondern ziehe es vor, eine staatliche Rente zu bekommen.
Es herrscht das System der Beziehungen und Bevorzugungen, d.h. ein armer mittelloser, der etwas von einer Behörde will, wartet eben ewig auf die Erledigung seiner Angelegenheit. Man sollte schon den Chef kennen oder einen Freund hier und da haben, um schneller ans Ziel zu kommen. In Deutschland ist es natürlich auch gut, jemanden zu kennen, aber es herrscht relative Gleichbehandlung. Geht man zu einer Behörde, bekommt man das gewünschte Ding, egal ob gut Freund mit dem Chef oder nicht.

Dies sage ich übrigens nicht, um Marokko schlechtzumachen! Wie schon erwähnt, gibt es hier ganz wunderbare Dinge. Ich lebe gerne hier und kann mir vorstellen, für immer hierzubleiben. Auch wenn ich manche Sachen Deutschlands wirklich sehr vermisse. Aber das geht wohl jedem Emigranten so.

Die Deutschen sollen Deutschland und seine Vorzüge wieder schätzen lernen. Nicht immer nur alles miesmachen, das ist ja sowieso eine speziell deutsche Angewohnheit. Überall einen Fehler suchen und dann darauf herumreiten und wenns um Geld geht, dann möglichst eine Rückerstattung erreichen. Naja.

Der Gedanke des Auswanderns ist immer eine Option, jedoch träumen ihn die meisten nur aus Urlaubssicht. In einem Land leben heißt nicht Urlaub machen. Da herrschen genau die gleichen Pflichten wie in der Heimat, außer man hat den passenden finanziellen Hintergrund. Mit einem marokkanischen Gehalt auszukommen ist nicht so einfach, das Leben hier ist relativ teuer im Vergleich zum Gehalt und man gibt als Touri leicht in der Woche 500 Euro mal so nebenher aus. Hier in Marokko ist es aber ein gutes Gehalt für einen ganzen Monat.
Ich glaube, dass die meisten Emigranten hier mit deutschen Gehältern leben und eine etwas verzerrte Sicht haben, was die Situation der Marokkaner betrifft und ihren finanziellen Spielraum.