Hallo Josi,

mit meiner Frage, die rhetorisch gemeint war, wollte ich beide Seiten beleuchten.
Ich selbst bin natürlich mit dem Text des FPÖ-Plakates nicht einverstanden, weil er allen Marokkanern unterstellt, dass sie Diebe sind. Ich habe übrigens beim Durchlesen Deines Beitrags festgestellt, dass ich den gleichen Fehler damals gemacht habe (DIE Muslime) und bedaure das nachträglich. Man kann natürlich nicht alle über einen Kamm scheren.

Alles im Leben hat aber zwei Seiten. Es gibt niemals nur eine Seite, auch bei heiklen Themen nicht.

Deutlich ausgedrückt: wenn Menschen ein Problem mit dem Islam haben, dann ist es nicht einfach so, dass sie dumm sind oder gemein, sondern dass irgendetwas zu Grunde liegt. Im vorliegenden Fall sind anscheinend viele Innsbrucker von Marokkanern genervt, warum auch immer. Häufig ängstigt die Menschen das Gefühl, dass sie überfremdet werden. Ich habe das schon häufig hier im Forum dargelegt, glaube ich. Und weil ich gegen das Schönreden von irgendetwas bin, habe ich eine Frage in die Menge geworfen, um auch die andere Seite zu betrachten. Meine eigene Frage ist das nicht, sie war an das Forum gerichtet und sollte zum Nachdenken anregen.

Ich hoffe nun doch sehr , dass Du mir keine Ausländerfeindlichkeit unterstellst,- eigentlich ist es mir aber egal- wenn ich Dinge ausspreche, die die Realität sind. In der Hypovereinsbank habe ich früher gearbeitet, aber nicht am Schalter. Die Erfahrungen, von denen ich berichte, kommen aus einer anderen Bank.
Wenn ich einen Menschen kennenlerne, Kunde oder privat, so gehe ich erstmal vom Besten aus. Wenn man dann dauerhaft damit konfrontiert ist, dass sehr viele Menschen sich eben NICHT an einen Ehrenkodex halten, den sie aber von den anderen fordern, wenn man mit den treuherzigsten Blicken belogen wird ( ja, auch von sehr vielen Kunden) und wenn einen immer häufiger das Gefühl beschleicht, irgendwie veräppelt zu werden, dann verabschiedet man sich langsam vom positiven Denken. Und selbstverständlich redet man unter Kollegen über diesen oder jenen besonders enttäuschenden Fall, man sitzt ja Seite an Seite und erlebt jeden Tag die Dinge gemeinsam. Mit Bankgeheimnis hat das nun nichts zu tun, da jeder Angestellte am Schalter die gleichen Zugriffsrechte hat und es somit auch kein Geheimnis besteht. Das Bankgeheimnis verpflichtet einen Bankangestellten, nichts, was Kunden betrifft, nach außen zu tragen. Man darf nicht einmal mit seinem Ehegatten oder seinen Eltern über jemanden reden und daran habe ich mich immer gehalten.
Du wirst mir wohl nicht erzählen wollen, dass Du nicht über gewisse Dinge Deines Arbeitslebens mit Kollegen sprichst.

Übrigens sprach ich wohl an keiner Stelle ausschließlich von Migranten. Lust habe ich jetzt keine, da genau nachzusehen, aber selbstverständlich meinte ich einfach Kunden, ob Deutsch oder Nichtdeutsch. Ja, meine Erfahrungen am Schalter waren enttäuschend. Ich hätte nie gedacht, dass Menschen soviel lügen können. An rührselige Geschichten, die mit Geld etwas zu tun haben, glaube ich nicht mehr. Zu oft habe ich erlebt, wie sich die Balken bogen.

Ich wollte auch immer gerne erklären, warum sich viele Europäer unwohl mit dem Thema Islam und Migranten fühlen- was nicht heißt, dass ich gegen Ausländer bin. Die heutige Situation überfordert viele Bürger und ich finde, man muss diese Ängste ernst nehmen. Immer politically correct zu sprechen verändert nichts zum Besseren. Heutzutage darf nichts Kritisches über Islam, über Homosexuelle und über Frauenrechte gesagt werden. Jeder soll den Islam toll finden, man soll es ganz normal finden, dass Homosexuelle Kinder adoptieren, dass schwule evangelische Pfarrer heiraten und ins Pfarrhaus ziehen und natürlich muss man alles in Ordnung finden von der selbstbestimmten Abtreibung bis hin zur Frauenquote.
Ich will nun nicht meine persönliche Meinung zu diesen Themen darlegen, aber es gibt einen Mainstream und diesem soll man folgen.

Damit bin ich nicht einverstanden!

Wenn mir nun aber jemand unterstellt, dass ich bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Muslime, Schwule oder Feministinnen nicht mag, dann liegt er völlig daneben.


Ich achte jeden Menschen, der sich anständig verhält, der gewissenhaft handelt, der ehrlich ist. Ganz unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Ich vertrete Schutz von Minderheiten, aber auch Respekt von diesen Minderheiten für die Mehrheit. Dieser Respekt fehlt aber oft.
Ja, wir sind Brüder und Schwestern auf dieser Erde und ich wünschte mir, wir könnten harmonisch zusammenleben. Das geht aber nicht, weil viele sich eben nicht an moralische oder religiöse Regeln halten.
Wenn ich von den Fingernägeln für 50 EUR sprach, so nicht, weil ich jemanden seine Fingernägel verbieten will, sondern weil es so ist, dass genau die Kunden, die schon fünf Pfändungen auf dem Konto haben, sich lieber ihre Fingernägel machen lassen oder eine Zigarette nach der andern qualmend durch die Stadt flanieren (übrigens auch sehr viele, sehr junge Deutsche) anstatt sich darum zu kümmern, das zu bezahlen, was sie einmal gekauft oder bestellt haben. Da kann einem schon mal der Zorn hochkochen.
Und zum Thema finanzielle Unterstützung in Deutschland: ich habe erlebt, dass Menschen arbeitslos gemeldet waren und dauernd schwarz arbeiteten. Ich habe erlebt, dass Leute im Ausland wohnten und in Deutschland arbeitslos gemeldet (mit Wohnsitz bei einem Freund oder Bekannten). Kommt eine Kontrolle vom Arbeitsamt, wird der Betreffende angerufen ( im Ausland), setzt sich in den nächsten Flieger und ist in einigen Stunden da. Dem Kontrolleur wird ein Märchen erzählt, dass der Gesuchte in der Stadt ist. Das sind keine Einzelfälle!
Ich war auch mal selbständig (noch eine Anekdote) und auch wenn sich hier wieder viele empören werden, ich habe in Jahren nicht EINEN EINZIGEN Kandidaten vom Arbeitsamt einstellen können. Wie das läuft? Ein Arbeitsloser wird zu mir geschickt, er sieht,was er machen soll ( einfache Helfertätigkeit wie Salate machen,Geschirr spülen und dem Koch zur Hand gehen- ihr könnt leicht erraten, es war ein Restaurant) und dann kommt als Antwort, nein, das sei ihm zu anstrengend ( war nicht anstrengend) und eigentlich habe er gar keine Lust, ich solle ihm nur den Zettel vom AA unterschreiben und sollte ich ihn einstellen, dann sei er sowieso viel krank. KEIN EINZELFALL! Mindestens 20 Leute haben mich so abgefertigt. Genau das ist die Realität.
Übrigens habe ich in der Gastronomie(habe auch Hotelfachfrau gelernt, nicht nur Bankkauffrau) die allerbesten Erfahrungen mit den Mitmenschen mit ausländischen Wurzeln gemacht.

Ich sage nur "politically correct" muss es sein, die Realität darf keiner aussprechen.



Original geschrieben von: Josi

Die, die mit der HypoRealEstate und der AlpeAdria wieviele Milliarden in den Sand gesetzt hat?* Gab es da in der Bank, in der Du gearbeitet hast, einen Aufstand? Und wieviele HartzIV Empfänder (derzeit sind es bei Schlecker alleine 10.000 Frauen, die demnächst HartzIV bekommen: für teilweise mehr als 25 Jahre Arbeit unter entwürdigenden Bedingungen) könnte man von diesen Summen wieviele Jahre "mitschleppen"?



Du vermischst hier verschiedene Dinge. Schlecker hat nichts mit der Pleite der HRE zu tun, sondern Du beschreibst hier das rein emotionale Empfinden einer großen Ungerechtigkeit. Das ist genauso falsch wie wenn man das Fehlverhalten von Ch. Wulff mit dem Minidiebstahl und der anschließenden Kündigung einer Verkäuferin vergleicht. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun und ein kleiner Diebstahl ist nicht besser als ein großer.

Ich habs neulich schon geschrieben: es gibt keine Gerechtigkeit auf dieser Erde. Davon rede ich ja die ganze Zeit.
Das Verhalten von manchen Banken ist skandalös und wahrscheinlich hat sich jeder Mitarbeiter darüber aufgeregt. Aber was soll er dagegen tun?
Die Frauen von SChlecker tun mir sehr Leid und ich wünsche ihnen das Beste.

Original geschrieben von: Josi


Ich hoffe nicht, daß Du das als Angriff auffasst: es interessiert mich wirklich wie man so etwas bei sich selbst unter einen Hut bringen kann.



Es IST ein Angriff, aber ich schreib so gerne Mammutpostings.

Ich bringe "das" unter einen Hut, indem ich versuche, selbst die Dinge so zu machen, wie sie richtig sind. Ich versuche, niemandem zu schaden, nicht zu betrügen, mich nicht zu bereichern. Ich versuche mich korrekt mit meinem Mitmenschen zu verhalten und zu helfen, wenn jemand Hilfe braucht. Ich versuche, nicht zu egoistisch zu sein und etwas zur Allgemeinheit beizutragen.
Ich versuche auch, demütig zu sein, auch wenns mir nicht immer gelingt, denn ich weiß, wie wahr das Sprichwort ist "Hochmut kommt vor dem Fall" und ich weiß um die Abgründe eines jeden Menschen, auch um meine. Ich bin eigentlich sehr vorsichtig mit Verurteilungen (auch wenns hier vielleicht nicht so scheint), weil ich nicht weiß, ob mir alles so gelingt, wie es richtig ist.


Original geschrieben von: Josi

Dies nur zum Nachdenken darüber wieviel man im Leben tatsächlich selbst in der Hand hat und wie vorsichtig man damit umgehen sollte, daß man anderen etwas unterstellt, wo einen das Leben nur durch einen glücklichen Zufall an einen Platz gestellt hat, wo es einen grade nicht betrifft. Was sich sehr schnell ändern kann, wenn man plötzlich selbst derjenige ist, der ungeschriebene Gesetze völlig ohne eigenes Zutun (Kinderlosigkeit beispielsweise) verletzt und deshalb aus keinem anderen Grund als denjenigen, die Du gegenüber Ausländern vertrittst, als nicht mehr tragbar für eine Gemeinschaft angesehen wird.



Ja, da hast Du Recht. Ich stimme Dir zu, jedoch gibt Benachteiligung keine Erlaubnis zum schlechten Verhalten. Ich selbst stehe wie jeder Mensch in manchen Bereichen auf der Sonnenseite des Lebens und in manchen Bereichen werde ich geprüft. Aber darüber spreche ich nicht gern, also belassen wir es dabei.


Original geschrieben von: Josi

Ich kann es wirklich und wahrhaftig nicht nachvollziehen.



Ich verstehe nicht, was Du nicht nachvollziehen kannst. Erkläre es aber nocheinmal:
Jeder muss sich korrekt verhalten.
Religionsfreiheit muss für alle gelten. Das bedeutet jede Religion muss im eigenen Land das erlauben, was sie selbst erwartet.
Jeder muss tolerant sein, der Toleranz für sich selbst möchte.

Man kann auch das Sprichwort hernehmen, leicht abgeändert
" was Du Dir wünschst, das man dir tu, das füg auch jedem Andern zu." Die Urform des Sprichworts passt auch immer.

Ein guter Mensch zu sein hängt nicht von der Religion oder Staatsangehörigkeit ab, sondern vom Charakter.


Original geschrieben von: Josi

Eigentlich kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, daß es einem Marokkaner (Deinem Mann) nicht früher oder später auffällt, was und wie Du denkst: niemand ist nur er selbst, jeder von uns ist auch Teil der Gesamtheit, der Religion, der Sitten und seiner Mitmenschen - daß man eine vollkommene Ausnahme geheiratet hätte, die gar nichts mit der Mentalität derer zu tun hat, die man so pauschal beurteilt, ist eigentlich eher nicht möglich.



Mein Mann weiß sehr genau, wie ich denke.Da ich nur Menschen beurteile und keine Staats- oder Religionszugehörigkeiten, stimmt er mir zu. Er ist eben nur schweigsamer als ich und hält sich vornehm zurück, was ich leider nicht so gut beherrsche. Marokko war mir ein fremdes, ein unwirtliches Land, in dem ich nur Einsamkeit kennenlernte. Aber inzwischen habe ich es liebgewonnen, weil ich versuche, eine andere als die deutsche Sicht anzuwenden. Es gibt hier wunderbare Dinge und weniger wunderbare- wie überall auf der Welt. Die Religion wird in lebendiger Weise gelebt, was ich als sehr schön empfinde und in Deutschland vemisst habe.

Sollte ich irgendeine Gruppe wirklich pauschal verurteilt haben, so entschuldige ich mich in aller Form. Dies war zu keiner Zeit meine Absicht. Die Nennung von bestimmten Gruppen basiert eher auf meinen persönlichen Erfahrungswerten und es liegt mir fern, Menschen über einen Kamm zu scheren. Vielleicht geschah es in einem besonders emotionalen Moment, auch in der Verzweiflung über den Zustand der Welt und dem Wunsch, alles möge besser sein.

Aber das solltest gerade Du, Josi, am besten verstehen, da Du die Menschen mit zynischen, häufig sehr abfälligen Worten bezeichnest. Ich habe mir oft gedacht, dass Du bitter bist. Sagen wollte ich das nie, jeder hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Befindlichkeiten, aber wenn Du mich angreifst, dann kann ich das auch.


Und nachdem ich nun Deinen "Nachschlag" gelesen habe: ich sehe es ist sinnlos, etwas erklären zu wollen. Du möchtest meine Worte verdrehen und des Menschen Wille ist bekanntlich sein Himmelreich. So lasse ich Dir Dein Himmelreich.

@ethomas: Vielen Dank für den Beitrag zum Formatieren der Zitate. Endlich hab ichs gecheckt. blush da war i wohl ein bisserl doof.