Hallo Koschla,
Warum herrscht ein solcher Unmut in manchen europäischen Ländern über Ausländer?
So ganz kann ich nicht glauben, daß Du Dich über den Unmut tatsächlich wunderst: an anderer Stelle gibst Du ja die Mehrheitsmeinung "in manchen europäischen Ländern" selbst wieder bzw. vertrittst deren Meinung ja sehr konkret auch hier im
Forum Ich denke, wenn die Europäer sähen, dass Muslime anständig, ehrlich, fleißig, respektvoll wären, dann würden sie ihr Denken auch ändern.
Das hat mich von jemandem, der mit einem Marokkaner verheiratet ist (glücklich und seit vielen Jahren, wie Du hier im Forum schreibst), schon etwas gewundert. Was mich jedoch noch mehr erstaunt hat (völlig abseits von ausländerfeindlichen Ansichten), war, daß Du Deine Beobachtungen darauf gegründet hast, daß Du sie aus dem direkten Kontakt mit Migranten in der Bank, für die Du gearbeitest hast, begründet hast:
da finden sich (ganz im Gegensatz zum hier letztens geposteten shirk-Thema von Dir) Abschnitte wo Du schreibst, daß nicht nur Du das jeden Tag beobachten konntest, wie der deutsche Sozialstaat ausgeraubt wird von HartzIV Empfängern, sondern auch Deine Kollegen und ihr darüber viel disktutiert hättet, wie empörend ihr eine solche Haltung fändet: es wurde sogar davon gesprochen, daß man wüsste, wie das Geld ausgegeben würde - nämlich für 50 EUR teures Nägelverlängern und ähnliches.
Meine Frage: ist es tatsächlich so, daß so in deutschen Banken von Angestellten über ihre Kunden - unter Verletzung des Bankgeheimnisses und aus den Einsichten in Kontounterlagen - geredet wird? Und daß man sich darüber austauscht, wo diese Kunden ihre Freizeit verbringen, wofür sie ihr Geld ausgeben und wovon man glaubt (von Schwarzarbeit war auch die Rede), daß es bezahlt wird? Das würde - ich sage es offen und ehrlich - alle meine negativen Vorurteile in bezug auf Banken UND auf die Mehrheitsmeinung, was Ausländer betrifft, noch weit übertreffen. Ich glaube, es war die HypoVereinsbank bei der Du gearbeitet hast?
Die, die mit der HypoRealEstate und der AlpeAdria wieviele Milliarden in den Sand gesetzt hat?* Gab es da in der Bank, in der Du gearbeitet hast, einen Aufstand? Und wieviele HartzIV Empfänder (derzeit sind es bei Schlecker alleine 10.000 Frauen, die demnächst HartzIV bekommen: für teilweise mehr als 25 Jahre Arbeit unter entwürdigenden Bedingungen) könnte man von diesen Summen wieviele Jahre "mitschleppen"? Btw.: für Menschen, die ein Leben lang eingezahlt haben, ist HartzIV nicht etwa Geld, das sie geschenkt bekommen, es ist zuvor von ihrem Gehaltszettel abgebucht worden und die meisten wären heute besser dran, sie hätten exakt diesen Betrag in Gold angelegt oder unter die Matraze gesteckt oder besser noch: gleich in Schweizer Franken oder Norwegische Kronen umgetauscht und hätten sich dann von Zeit zu Zeit einen Krautacker dafür gekauft.
Ein sehr interessanter Artikel und leider sehr wahr!
Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Migranten am deutschen Bildungssystem teilnehmen. Meine Erfahrung (hatte bis vor kurzem sehr viel Kundenkontakt mit Migranten) lehrt mich leider, dass hier viel Fatalismus und Unbeweglichkeit herrscht.
Ich habe mir den Artikel, der hier verlinkt ist, nicht auch noch durchgelesen, aber ich nehme mal an er entspricht so in etwa dem Plakat da oben. Wir hatten ja im Königs-Thread eine kleine Meinungsverschiedenheit wegen Sarrazin, Samarska und Co., wo ich unter anderem geschrieben hatte, daß man Familien Stimmrecht als Ganzes geben könnte genausogut wie man das Wahlrecht mit 18 Jahren festgelegt hat. Die Statistik zeigt nun, daß es kaum Wechselwähler gibt, die außerhalb der Familientradition wählen: einmal CDU, immer CDU. Einmal CSU, immer CSU: den Unterschied macht nicht das Erwachsenwerden, sondern wieviele Kinder man in seiner Familie hat - nach den o.a. Statements kann ich verstehen, warum Du möchtest, daß das Wahlalter sogar auf 21 Jahre angehoben wird.
Ich hoffe nicht, daß Du das als Angriff auffasst: es interessiert mich wirklich wie man so etwas bei sich selbst unter einen Hut bringen kann. Man könnte das Untenstehende auch so auslegen, daß "man" sich nicht in die soziale Hängematte legen sollte, aber es wird ja ganz zum Schluß des Postings explizit geschrieben, wen man meint:
Es kann doch nicht angehen, dass jeder hierherkommen kann und Geld bekommt.
Nur mal so am Rande: ich arbeite in einer Bank und ehrlich gesagt fühle ich mich häufig ziemlich doof , wenn ich sehe, wie wir Vollzeit arbeiten und (entgegen landläufiger Meinung) nicht besonders viel Gehalt beziehen und jeder Mensch, der angeblich keine Arbeit findet, wird vom deutschen Staat unterhalten. Die Zahl der Menschen, die arbeiten ist zuwenig, um die zu unterhalten, die nicht arbeiten. Wir haben en masse junge Kunden, die einfach "keinen Bock" haben. Die sagen ganz offen, warum soll ich arbeiten, mir reichts zum Leben und ich kann daheimbleiben. Oder sie arbeiten schwarz und haben mehr als korrekte Arbeitnehmer. Es kann doch nicht angehen, dass jeder hierherkommen kann und Geld bekommt. In Amerika, Kanada, Australien muss man Vermögen nachweisen oder eine fundierte Berufsausbildung.
Damit Du mich recht verstehst: ich finde es gut, daß Du das genauso ausgedrückt hast wie Du es auch wirklich glaubst. Darüber kann man sich ja austauschen: jetzt aber so zu tun, als ob man eine Frage stellen würde
Gibt es einen Grund dafür und wenn ja, dann ist die Politik verpflichtet, dass dieser Unmut beseitigt wird.
erinnert mich an das Posting von Mogador, das sich auch darum drückt, wer denn hier in diesem Forum eigentlich entfernt werden sollte, sondern in die Runde eine schwammige Behauptung aufstellt, nur um damit dann diejenigen hervorzulocken, die anschließend mit ihren nicht-konsensfähigen Antworten hier wieder dafür sorgen werden, daß sie gesperrt werden.
Wenn ich mir das alles näher betrachte, dann komme ich nicht umhin, daß sich das Schicksal manchmal echt einen Scherz erhaubt: und ich kann natürlich auch erkennen, wie schwer dieser Prozeß für Dich ist (viele Deiner Postings sind von Gewissensfragen getrieben) - daß Du jetzt ausgerechnet selbst mit einem Muslim verheiratet bist und unter Muslimen lebst. Eigentlich kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, daß es einem Marokkaner (Deinem Mann) nicht früher oder später auffällt, was und wie Du denkst: niemand ist nur er selbst, jeder von uns ist auch Teil der Gesamtheit, der Religion, der Sitten und seiner Mitmenschen - daß man eine vollkommene Ausnahme geheiratet hätte, die gar nichts mit der Mentalität derer zu tun hat, die man so pauschal beurteilt, ist eigentlich eher nicht möglich.
Wir alle sind Brüder und Schwestern auf dieser Erde. Wenn wir uns so verhalten würden, wäre es leichter. Dazu gehört aber auch Demut. Das vermisse ich leider manchmal auch bei Muslimen. Da wird viel kritisiert über Religionsfreiheit in Deutschland, aber im eigenen Land sind Christen auch nicht wirklich frei (z.B. dürfen nicht missionieren). Wenn wir Toleranz wollen, dann muss diese Toleranz überall und weltweit geschehen, nicht einseitig. Ich persönlich habe viel Kontakt zu Muslimen und muss sagen, Verhalten hängt weniger von der Religion als vielmehr von Bildung, Intelligenz, Beruf und natürlich vom Menschen selbst
Ich kann es wirklich und wahrhaftig nicht nachvollziehen.
Zum Thema uneheliche Kinder noch einen Nachsatz aus meiner direkten Umgebung in Marokko: eines der Ehepaare, die ich gut kenne, hatte mehrere Totgeburten im 6. bzw. 7. Monat, nach Ablauf von 10 Jahren wurde dem Paar von der Familie des Mannes nahegelegt, daß der Mann sich eine Zweitfrau nehmen solle bzw. er sich scheiden lassen solle, um mit einer anderen Frau doch noch einen Nachkommen zu bekommen. Die Frau war Krankenschwester im Krankenhaus in Marrakesch und kurz nach dieser Einvernahme durch die Eltern war dann plötzlich ein kräftiges Baby da, das von allen Beteiligten als das richtige Kind der beiden betrachtet und so auch ins Geburtsregister eingetragen wurde. Jeder wusste natürlich, daß es aus dem Krankenhaus stammte, von einer Frau, die es nicht haben konnte oder haben wollte. Ein anderer Fall sind drei voreheliche Kinder, die beim Vater geblieben sind, damit die Mütter sich ohne Kinder gut verheiraten konnten (nicht wegen "nicht ohne meine Tochter"!). Die erste "richtig" geheiratete Frau hat diese drei Kinder als ihre eigenen ins Geburtsregister eintragen lassen, sie sind als vollwertige Geschwister der dann nachfolgenden Kinder aufgezogen worden mit demselben Namen und den "richtigen" Papieren.
Dies nur zum Nachdenken darüber wieviel man im Leben tatsächlich selbst in der Hand hat und wie vorsichtig man damit umgehen sollte, daß man anderen etwas unterstellt, wo einen das Leben nur durch einen glücklichen Zufall an einen Platz gestellt hat, wo es einen grade nicht betrifft. Was sich sehr schnell ändern kann, wenn man plötzlich selbst derjenige ist, der ungeschriebene Gesetze völlig ohne eigenes Zutun (Kinderlosigkeit beispielsweise) verletzt und deshalb aus keinem anderen Grund als denjenigen, die Du gegenüber Ausländern vertrittst, als nicht mehr tragbar für eine Gemeinschaft angesehen wird.
Demut kann man in erster Linie immer nur von sich selbst fordern.
Josi
*Die HRE war nach einer dramatischen Notlage im Herbst 2008 mit Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro gerettet und vor gut einem Jahr verstaatlicht worden. Für die Hilfen musste die HRE dem Bund mehrere hundert Millionen Euro an Garantiegebühren zahlen. Allein im dritten Quartal 2010 wendete die HRE für Garantien des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin 139 Millionen Euro auf.