Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
Bleib' beim Selbstgedachten und Selbstgeschriebenen: Du selbst bist genau so gut wie jeder andere - auf jeden Fall besser als das da oben.
Warum?
Man sieht mit dem Herzen überhaupt nicht gut. Das Herz ist das unzuverlässigste, ekelhafteste, hinterfotzigste, widersetzlichste, unlogischste Teil in unserem gesamten System, nichtmal die Seele selbst (die ja von Gott ist) ist in der Lage mit ihm vernünftig zu reden: es macht schlichtweg, was es will.
Da wir gerade in der Rubrik "Partnerschaften" sind hier eine Buchempfehlung. Javier Marias, Die unsterblich Verliebten, hier ein kleiner Auszug aus der NZZ:
Schlichtweg grandios findet der begeisterte Salabè, wie der spanische Autor die Verliebtheit als Zustand analysiert, in der sich Fiktion und Realität vermischen und mit dem Instrument der Sprache in aller Skepsis ausleuchtet. So wird in diesem Roman "alles Erzählung", man weiß nicht, wessen Darstellung zu trauen ist. Was sich hier entfaltet, sei die "Ästhetik des Verdachts", in der es keine Gewissheiten gibt, und zudem eine moderne Art des "Sündenfalls", denn die Verliebtheit verhindert das moralische Verhalten der Protagonisten, so Salabè Gleichzeitig steckt in der Lüge, hinter der sich die Figuren verbergen, auch eine letzte Bastion der "Freiheit", konstatiert der Rezensent, der auch mit der Übersetzung des Romans durch Susanne Lange restlos glücklich ist.
Das ist doch eines der Dauerthemen hier im Forum und wer es auf spanisch lesen kann, der soll es unbedingt auf spanisch lesen. Also versuche bitte nie mit dem Herzen zu sehen. Im übrigen bin ich mir sicher, daß Du mit dem Herzen gut siehst, wenn was im Wege steht, ist es etwas anderes (nichts mit Schach, soviel ist sicher).
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
Das stimmt leider auch nicht: wir entscheiden bereits nach 4 Sekunden ob wir jemanden mögen oder nicht (ihn also SEHEN, nicht hören) und über die Sprache teilt sich nur 7 % (in Worten sieben Prozent) dessen mit, was wir anderen mitzuteilen haben. Deshalb funktionieren auch bi-nationale Ehen mit jeweils zwei Fremdsprachen oder sogar gar keiner gemeinsamen Sprache (scherz!). Das Diskutieren hätte meine Generation also einfach sein lassen können, reden hilft nicht, miteinander schlafen schon eher, am meisten hilft aber sich riechen können.
Es müsste also heißen: das Wesentliche riechen wir nicht mehr, wenn wir uns zuviel waschen (das ist das mit dem Joghurt und dem Verfallsdatum).
Immer noch Lust Dich zu verabschieden - für IMMER?
Josi