Antwort auf:
meine sozialisation in deutschland und die wirtschaftliche vernunft.


Hätten wir - anstatt in Richtung Auschwitz abzudriften - das Biedermeier schön langsam und behutsam weiterentwickelt, hätten wir heute liebreizende, aufgeschlossene, kluge, gut erzogene und sogar berufstätige Frauen und Mädchen in Deutschland. Deren Emanzipation so weit fortgeschritten wäre, daß sie sogar ihren Männern und Kindern gefallen würde.

Dann wäre es so wie in Marokko jetzt und man könnte behutsam Schritt für Schritt hier etwas lockern, dort etwas nachbessern, aber auf keinen Fall würde man das Kind mit dem Bade ausschütten müssen wie wir im Nachkriegsdeutschland Sozialisierten (zwei verlorene Kriege, alles Looser samt Mutterkult, Kinderreichtum und Volksliederabsingen).

Das kann man deshalb als Referenzpunkt abhaken: mit Emanzipation, westlicher Freiheit oder gar Verkommenheit hatte das gar nichts zu tun, sondern mit Überleben. Als Volksseele und -gemeinschaft waren wir im Eimer, vollständig und sichtbar für die ganze Welt. Nur ein striktes "LMAA" gegenüber allen elterlichen und großelterlichen Werten hat dann noch so etwas wie eine Restidentität herstellen können (wie Canabis unter der Klomatte in einem Klo ohne Fenster - also kümmerlich).

Daß diese Emanzipation dann trotzdem hin- und wieder ausgesehen hat wie eine richtige Emanzipation liegt auch an dieser fehlenden Identität: ein Nachkriegsdeutscher hat sich jede Identität drübergezogen, die ihm gerade über den Weg gelaufen und opportun erschienen ist. Nichts hatte mehr mit nichts irgendetwas zu tun, alles ist künstlich erzeugt, von anderen geklaut, von anderen übergestülpt worden und ist dann auch nicht wirklich fest verwachsen.

Daher der unbändige Neid, wenn man jemandem gegenübersteht, der das alles nicht muß: weder hadern mit seinen Eltern, noch mit seinen Großeltern, der nicht sofort alles Alte aufgibt, nur weil etwas Neues daherkommt, der vor allen Dingen seine Töchter nicht preisgeben würde (deren angestammten, jahrtausendealten Rechte auf Fürsorge und männlichen Schutz) für irgendeine Zusage irgendwelcher Politiker, die angeblich garantieren, daß die Tochter und deren Kinder im Zweifelsfall HartzIV bekommen.

Was passiert mit den Frauen und ihren Kindern, wenn es kein HartzIV mehr geben wird (der Tag ist so ferne nicht)?



Ich bleibe dabei, es ist eine Katastrophe und nicht erstrebenswert und alles andere als ein Fortschritt: auch wenn nur 40% der Alleinerziehenden HartzIVler sind.

Josi

Last edited by Josi; 25/02/12 03:03 AM.