Hallo Filfil
Die Entschuldigung kam sicher auch wegen Deutschland juengster Geschichte,das sehe ich auch so.
Aber auch in anderen Laender geschehen rassistisch motivierte Morde ,in manchen Laendern wie Bosnien wurden ethnische Saueberungen vorgenommen ,ich weiss nicht warum Deutschland sich, wegen seiner braunen Vergangenheit,schuldiger fuehlen muss als andere Laender.Diese Generation ist eine andere,als die millionen Juden umgebracht hat.Das mit dem Antisemitismus sehe ich genau wie Du.
Ich finde trotzdem das man Entschuldigungen auch annehmen sollte und fuer mich kam sie ehrlich rueber.Sie haette auch im Rechten Lager auf Stimmenfang gehen koennen und die Sache aussitzen ,wie ihr Mentor Kohl.
Sansabil
Merkel ist exakt wie Kohl: nur viel, viel besser - viel standfester, viel weniger zu irritieren, viel weniger emotional. Sie wirft (so hat es neulich mal jemand gesagt) ihre Gegner mit einer kurzen Bewegung über die Schulter: und daß sie nicht nach rechts wirft, ist reine Taktik, reine Lebensklugkeit, reine Weitsicht.
Die Deutschen haben aufgrund ihrer Vergangenheit (und nicht, weil sie sich ständig schuldig fühlen würden - das tun sie nämlich beileibe überhaupt nicht) jede Menge Aufmerksamkeit in der Welt und nicht nur von den weltweiten Juden und deren Nachkommen: Deutsche werden auch in England, besonders aber in Frankreich, in den Niederlanden und den skandinavischen Ländern sowieso weder mit Mitgefühl betrachtet noch mit Sympathie, sondern voller Mißtrauen und mit ständiger Aufmerksamkeit.
Nichts ist vergessen. Und wenn man beim Beispiel Bosnien bleiben will, dann haben sich die Serben bei ihrer gnadenlosen ethnischen Säuberung (jetzt bitte keine Sonderdiskussion, wer mehr umgebracht und gesäubert hat) auf die Niederlage auf dem Amselfeld berufen: einer Jahrhunderte zurückliegenden Schmach, die sie immer noch zu rächen gewillt waren. Und alle haben es nachvollziehen können: also was sind schon 70 Jahre? In Griechenland laufen sie zusammen mit der Europäischen Flagge in deren Mitte ein Hakenkreuz ist: in Spanien rottet sich ebenfalls die Meute unter dem Motto zusammen, daß Deutschland "mal wieder" der Profiteur wäre und glaube mir, auch in Frankreich sieht man derzeit in Gesichter, die alles andere ausdrücken als Deutschenfreundlichkeit.
Und das mit dem Entschuldigungen annehmen:
Du kennst sicher die kleinen Kinder, die einem ein trotzigese "Entschuldigung" entgegenschleudern und den Karren gleich nochmal vor die Wand fahren. Nein, mit Entschuldigen ist gar nichts getan: es mag ein Anfang sein, so er von Herzen kommt. Wenn aber gleichzeitig die Weichen so gestellt werden (Gauck mit seiner Sarrazin-Rede), daß sich die Braunen bestätigt fühlen dürfen, dann ist sie nicht von Herzen, sondern Taktik - damit keiner merkt, was sich derzeit tatsächlich klammheimlich im Hintergrund vollzieht.
Ein Rechtsruck.
Fühl Dich einfach so frei, Dich nicht schuldig fühlen zu müssen. Aber laß andere sich schuldig fühlen soviel sie das wollen und so lange sie das wollen: es macht die Welt nicht schlechter, wenn man sich für seine Väter, Großväter und Urgroßväter nicht nur dann verantwortlich fühlt, wenn man ihr pekuniäres Erbe antritt, sondern auch bei ihrem ideologischen Erbe. Oft hat das eine mit dem anderen sogar ursächlich zu tun (wer alles wann wie zu Reichtum gekommen ist, ist oft eine Folge von Sichnichtschuldigfühlen können, weil man sonst das wieder rausrücken müsste, was einem so glückhaft zugeflogen war: die Millionen Juden waren ja nicht arm, in Wirklichkeit hat es sich nämlich um einen Raubmord gehandelt).
Dies nur für den Fall, daß mal wieder irgendein hübscher Sekretär aus irgendeinem Nachlaß auftaucht von dem die Betreffenden nicht mehr so genau sagen können, woher er stammt: ein sehr schön recherchiertes Buch ist zu diesem Thema "Der Hase mit den Bernsteinaugen,
Das Erbe der Familie Ephrussi " - der geht einfach mal den Besitztümern nach und weist nach, wer sie jetzt hat und wem sie vorher gehört haben.
Nein, man sollte bei einem solchen Anlaß nicht sich selbst leid tun, weil man sich schon wieder schuldig fühlen soll: die Opfer können nichts dafür, daß es sie gegeben hat.
Josi