Alles im Leben hat zwei Seiten.
Ich selbst würde gern das Angebot wahrnehmen, in einem Taxi nur mit Frauen zu fahren. Die Vorstellung, zusammen mit Männern allein in einem Taxi zu fahren, ist mir eher unangenehm. Auch z.B. die Idee des Frauenschwimmens ist mir sehr sympathisch. Trotzdem bin ich eher skeptisch, was die Geschlechtertrennung angeht, denn nach meiner Erfahrung verhält es sich so, wie 21merlina schon angemerkt hat, meistens zum Nachteil der Frauen.
Punkt 2 ist, um so mehr Geschlechtertrennung stattfindet, umso verkrampfter ist der Umgang miteinander. Hier in Marokko gibt es Ärzte, die mich nicht als Patientin und Mensch behandeln, sondern als Frau, was dazu führt, dass sie beispielsweise nur flüchtig und ungenau abtasten- hinter allem steckt eine gewisse Scham (die ja an sich eine schöne Sache ist, aber nicht in der Arztpraxis) und - noch schlimmer- es entstehen Fixierungen auf sexualisierte Gedanken. Will heißen, eine Frau wird weniger ein Mensch als ein geschlechtliches Wesen betrachtet. Und DAS finde ich nicht gut. Im Beisein meines Mannes wagt kaum ein Mann,mich anzuschauen, denn es könnte falsch verstanden werden. Mich nervt das! Ich vermisse einen normaleren Umgang miteinander, ich vermisse, dass Männer mir ganz unverkrampft die Hand geben und mir in die Augen anstatt zu Boden schauen.
Eine starke Geschlechtertrennung sexualisiert die Gesellschaft in hohem Maß und das ist meiner Meinung nach schädlich- in erster LInie für die Freiheit (darunter verstehe ich Bewegungsfreiheit) der Frau. Auch die wallenden Gewänder sind eine Auswirkung dieser Sexualisierung. Man muss nur mal ein marokkanisches Cafe anschauen, wo die Männer den lieben langen Tag in der Hauptsache nichts anderes tun, als Frauen hinterherzuschauen. An vielen Festen, Taufen oder Hochzeiten, kann man nur getrennt von seinem Mann und Sohn teilnehmen. Auch hier vermisse ich schmerzlich den unkomplizierten Umgang miteinander.
Josi, Du hast in vielen Dingen Recht, aber auch hier gibt es zwei Seiten. Die Realität der Hausfrau sieht meist anders aus als das schöne Bild, das Du malst. Ich bin Hausfrau und nicht unzufrieden,aber genau besehen bin ich ein Dienstleister ohne eigenes Gehalt. Natürlich ist die Hausfrau die Stütze der Familie und sogar der Gesellschaft möchte ich sagen, da in den westlichen Gesellschaften Kinder oft keinen normalen Familienhaushalt mehr kennenlernen. Ob das Hausfrauendasein aber zum Wohle der Frau gereicht, wage ich zu bezweifeln. Ich denke durchaus wehmütig an die Tage meiner Berufstätigkeit in einem netten Team zurück, wo ich viel mehr eigenes Geld hatte als heute und deutlich mehr zwischenmenschlichen Kontakt, Wertschätzung und Anerkennung. Die Hausfrau wird bei weitem nicht so wertgeschätzt wie eine berufstätige Frau und fast alle denken, dass sie weniger arbeitet als diese. Dabei ist das Gegenteil der Fall, wie ich nun weiß.
Zum Thema Kindesunterhalt weiß ich, dass jede Frau den Unterhalt vom Landratsamt oder der jeweiligen Behörde vorgestreckt bekommt, wenn der Kindesvater ihn verweigert. Der Staat versucht dann, den vorgestreckten Betrag einzutreiben. Auch dies eine wunderbare Einrichtung des viel geschmähten deutschen Staates, der in Wahrheit ein Schlaraffenland ist.
In Marokko- so stand neulich in der Zeitung- werden jährlich 80.000 Kinder "entsorgt", weil es ledige Mütter hier nicht geben darf und nur Jungfrauen als Ehefrauen verlangt werden. Es ist höchste Zeit, dass diese verstaubten Ansichten modernisiert werden und eine Frau auch ein uneheliches Kind zur Welt bringen darf, ohne schief angesehen zu werden. Ich persönlich finde hohe Moralvorstellungen sehr schön, aber die Realität ist eine andere. Alles weitere ist Augenwischerei und geht auf Kosten der Kinder, die namenlos sterben oder in Waisen- und Krankenhäusern aufwachsen, die nie erfahren werden, wer sie wirklich sind, und auf Kosten der Kindsmütter, denn keine Mutter kann ihr Kind leichten Herzens weggeben.