Dem schließe ich mich gerne an: höchstens, daß ich manchmal zittere, daß man Dich nicht zu sehr verletzt (ich weiß, ist genauso übergriffig wie Bezness-Warnungen), wenn Du so herzerfrischend für Deine Liebe in den Ring springst.

Aber zurück zu Bezness: Seit das Forum besteht wird das Thema diskutiert - hier der Warner, dort die nicht gewarnt werden wollende Frau, dann wieder der Warner, schließlich der Stalker und zum Schluß der Diffamierer, dann wieder der Warner im neuen Kleid usw. usf.

Woran liegt das, lieber Shakir (ich frage Dich das als dem ältesten noch aktiven Marokkaner dieses Forums)?

Bei der Suche nach der Ursache für die ungebrochene Faszination, die dieses Thema auf bestimmte Personenkreise ausübt, ist mir aufgefallen, daß das einzige mir bekannte Bezness-Opfer unser gemeinsamer Freund Rolf ist (Friede seiner Seele) und dieses einzige mir bekannte Bezness-Opfer keine Frau, sondern ein bekennender Schwuler war, der darüberhinaus zum hartnäckigsten Frauenwarner innerhalb und außerhalb dieses Forums geworden ist (neben Thomas Friedrich selbstverständlich). Wenn man dann zu 1001-Geschichte wechselt und nach Männern sucht, die sich als Marokko-Kenner den betrogenen Frauen andienen und/oder selbst genau zu wissen vorgeben, wie man Bezness erkennt und daß eigentlich alles Bezness ist, was mit Marokkanern (weiblich wie männlich) zu tun hat, dann entdeckt man sehr schnell, daß es sich auch hier um völlig desillusionierte Schwule handelt, die zynisch genug sind, ihr ganz spezielles Wissen als objektiv auszugeben und damit den Boden düngen, aus dem sie heraus sie ihre eigene Verkommenheit glauben rechtfertigen zu können. Wenn man dann zurückgeht in die Forengeschichte und wer sich hier in diesem Forum ungebrochen darum bemüht hat Frauen einen Weitblick zu verpassen, dann liegt man nicht ganz falsch, wenn man entdeckt, daß es sich dabei über fast durchweg um eingefleischte Junggesellen gehandelt hat, von denen man nicht so genau wusste, was sie eigentlich nach Marokko verschlagen hat. Man bewegt sich jedenfalls nicht ganz in die falsche Richtung, wenn man den Begriff Bezness mit Prostitution im weitesten Sinne (auch bei den mit der Lupe zu suchenden warnen zu müssen glaubenden Frauen dieses Forums) gleichsetzt und von dort her versucht zu verstehen, warum das Thema auf diese Weise sich auch noch die nächsten tausend Jahre im Kreise drehen wird.

Bezness ist nicht Prostitution

Ein auch von Dir regelmässig unterschlagener Aspekt ist die gleichgeschlechtliche Liebe, das eigentliche und klassische Sextourismus-Motiv europäischer Männer an Marokko - von den frühen 50er Jahren an bis heute: von Paul Bowles über Roland Barthes* bis hin zu Foucault - sie alle waren nicht nur auf marokkanische Jünglinge scharf, sie kannten auch den Preis, von Romantik konnte keine Rede sein. Von Barthes und Foucault wird sogar behauptet, daß sie sich gar nicht über ein philosophisches Problem zerstritten hätten, sondern wegen eines marokkanischen Strichjungen. Ein europäischer Homosexueller hätte sich niemals in einen seiner Strichjungen verliebt, ihm in Aussicht gestellt ihn nach Europa nachzuholen, sein Versprechen dann nicht gehalten und schließlich jahrelang im Internet lamentiert, daß er schnöde betrogen worden sei.

Die Liebeslüge ist keine nordafrikanische Erfindung

Bezness kam erst mit den 68ern und dem Anspruch auf, daß auch ein Schwuler ein Recht auf nichtkäufliche Liebe hätte, was den nordafrikanischen Bekanntschaften dann erst das nüchtern Geschäftsmässige genommen und den Beigeschmack von Betrug, Doppelmoral und Heiratsschwindel gegeben hat. Frivole Frauen, die sich auch in arabischen Ländern nach einem Gigolo umgesehen hätten und nicht in den Bädern und Grandhotels ihrer eigenen Schicht geblieben wären, gab es zu dieser Zeit nicht: ein Gigolo kostet Geld, Zeit und eine Abfindung - das stand nur begüterten Frauen offen, wie es auch nur begüterten Schwulen offen stand, sich in Marokko in der Kunstfertigkeit der gleichgeschlechtlichen (käuflichen) Liebe zu ergehen: zu Hause wurde man dafür noch immer entweder zu Tode gepeitscht (Friedrich des Großen schwuler Freund) oder aber man war ein 175er, was gleichbedeutend mit gesellschaftlicher Ächtung war: auch und gerade in den Männerbünden auf die es ankam. Dem Militär, dem Internat, der Kadettenschule, der Universität, den schlagenden Verbindungen.

Das Geschäft mit den Männern

Eine anschauliche Beschreibung der Rituale, Kosten, Orte und Tätigkeiten findet sich Roland Barthes, Begebenheiten unter dem o.a. link: wer wissen will, wie so etwas funktioniert, der kann sich dort auf hohem Niveau informieren ohne gleichzeitig mit irgendwelchen moralischen Skrupeln oder gar Warnungen belästigt zu werden. Die Wut, der Haß, der Verfolgungswahn, das Stalken von Frauen kam dann erst mit der Verwechslung von Bezness mit Prostitution auf: solange alles klar war, hatten beide Seiten etwas davon, niemand fühlte sich ausgebeutet oder als Opfer. Tanger verdankt einen Großteil seines heute noch vorhandenen Glamours den großzügigen Schwulen vergangener Jahrzehnte und die Marokkaner waren es immer zufrieden, genieren sich auch nicht diskret auf diese Vorzüge ihrer Nation hinzuweisen (körperliche Anmut und Schönheit ist unverdient und ungerecht, aber sie ist nunmal ein Kriterium).

Ein ehrenwerter Beruf

Strichjunge in Tanger zu sein konnte eine ganze Familie ernähren. Es war auch keine Tätigkeit, die besonders geächtet gewesen wäre: man war halt für einen Urlaub der Lover und ging dann zurück zu Frau und Familie. Schwule sind in dieser Hinsicht einfach zu handeln: man schaut sich an, wendet den Blick nicht ab, verhandelt und geht dann zusammen nach Hause. Nach getaner Arbeit gibt es Geld und man geht wieder auseinander. Manchmal ohne sich bei der Arbeit in die Augen geschaut zu haben (steht alles auch im o.a. Buch, den einzigen Satz, den ich nicht verstanden habe, frage ich hier lieber nicht näher nach). Wenn einem jemand ausnehmend gut gefiel, buchte man ihn für jeden Urlaub exklusiv, manchmal mehrmals im Jahr: kein Geschrei, keine Tränen, kein Streß und auch keine Fragen nach einem Visum.

Der schwule Bezness-Stalker

Ich habe mir schon zu Rolfs Lebzeiten den Kopf darüber zerbrochen, warum er sich als Objekt seines Stalkertums sich ausgerechnet auf Frauen eingeschossen hat, sind schwule Männer doch die besten Freundinnen von Frauen (gerne auch von älteren). Warum ist er nicht in Gayforen herumgeschwirrt und hat seinegleichen darauf hingewiesen (ja, er war auch sehr präsent in 1001 Geschichte), welche Gefahren in Nordafrika auf einen verliebten Schwulen warten: daß man Geld schickt ohne Ende, daß man trotzdem über den Tisch gezogen wird, daß man nie ein Visum versprechen und dann nicht halten sollte, daß sie unersättlich sind, kaum haben sie einen am Wickel und daß man ganze Clans versorgen muß, kaum hat man sich herbeigelassen, ihnen zu gestehen, daß man sie lieben würde. Der ganze Kitsch zu dem nur Schwule fähig sind und wofür wir Frauen sie so gerne haben.

Mir ist nichts anderes eingefallen als Neid:

ein Marokkaner, der eine ältere, jüngere oder gleichaltrige Europäerin heiratet ist auch dann noch eine respektierte Person bei seinen Landsleuten, wenn es sich um eine weithin sichtbar ungleiche Beziehung handelt. Er ist in den Augen seiner Peergroup eine Person, die für ihre Familie Ressourcen erschließt und das auf Kosten seines eigenen Wohlergehens bzw. Wohlbehagens (keine Cellulite ist auch bei nachts grauen Katzen angenehmer als Ganzkörper- oder Hirn-Cellulite): so etwas nennt man einen unfairen Wettbewerbsvorteil und noch dazu einen, der das Potenzial hat, sich im Laufe der Jahre in das zu verwandeln, was zwischen einem Strichjungen und seinem Freier für immer ausgeschlossen ist: in Zuneigung, Fürsorge, Wärme und Füreinandereinstehen.

Ich gehe nun nicht so weit, daß ich hier jeden, der auf Bezness hinweist, verdächtige in Wirklichkeit ein verkappter Schwuler zu sein, der den Frauen nur nicht gönnt, was ihm verwehrt ist. Ich denke auch nicht, daß es allzuviele marokkanische Strichjungen hier im Forum gibt, die auf diese Weise ihren Frauenhaß loswerden müssen - weil ihnen ebenso wie einem Schwulen eine normale Mann-Frau-Beziehung verwehrt ist (hat hier einer im Forum behauptet, der es wissen muß: wer einmal mit einem Mann geschlafen hat, ist für immer für Frauen verloren): ich fasse nur zusammen, was sich mir als lose Fäden in diesem Forum über die Jahre hinweg aufdrängt - wirklich erschlossen hat sich mir diese Bezness-Warnerei trotzdem nicht.

Nachdem Du mehr als vier Jahre mir hier im Forum an Forenerfahrung voraus hast und darüberhinaus der (ich wiederhole mich) der älteste noch lebende Marokkaner dieses Forums bist, sind Dir vielleicht doch noch andere Fälle von Bezness außer den o.a. hier aus dem Forum (und persönlich?) bekannt.

Laß uns teilhaben an DIESEN Geschichten. Die Frauen hier werden es Dir zu danken wissen.

Josi

*Breiten Raum nehmen anmutige Jünglinge ein, seine homosexuellen Eroberungen, ihr Sexualverhalten. Falls Frauen existieren sind sie Hippies und Touristinnen, aber selten Marokkanerinnen.