Re: Marokkanisch-deutsche Beziehungserwartungen
[Re: Anna24]
#125391
10/09/11 11:45 PM
10/09/11 11:45 PM
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Joined: Oct 2006
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Summach
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Hallo Annely, seit Bestehen dieses Forums gibt es diese Form der Nachfragen: leider verlaufen sich die Posterinnen dann immer wieder - kaum hat man aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und seine höchstpersönlichen Erlebnisse geschildert (was man ja gerade die letzten Tage sehen konnte, wie gut Frauen in diesem Forum solche Offenheit bekommt). Der Ratschlag gilt auch heute noch (und man sollte sich nicht daran stören, daß er an einen Mann gerichtet ist: es sind hier im Forum sehr viel mehr Männer, die als Frauen auftreten, als Frauen, die als Männer auftreten): von JM im Jahr 2001 "...leg dich mein sohn auf die couch: in deinen träumen sehe ich eine explosive mischung der leckeren harira und der vielen schuldgefühle wegen deiner vernachlässigten religionspflichten. der faqih verschreibt dir jedoch nichts, außer gelassenheit, denn allah liebt dich und du wirst ins paradis kommen  . Trotz dieses Ratschlages hat sich JM jedoch herbeigelassen die gestellten Fragen (auch die von Annely und allen anderen gleicher ID) ausführlich und kompetent zu beantworten (wenn Frauen wirklich wissen wollen, was Marokkaner denken - JM liefert dafür ein wunderbares Vademecum und das in lesbarem Deutsch): Zitat JM: "...ferner muß man sich dringend von der so evidenten annahme trennen, daß (deutsche) frauen engel, und (marokkanscihe) männer die bösen seien. und - in diesem zug - scheint mir noch dringender zu sein, dass man (bzw. frau) es unbedingt vermeiden muß, zwei und drei absätze subjektiver und emotionaler aber abwertender verallgemeinder aussagen gegen marokanische männer zu schreiben, bevor man (bzw. frau) entwaffendend schreibt "aber ich weiß, es sind nicht alle so"."
Warum immer Neues posten, wenn das Alte soviel besser war als alles, was man noch hinzufügen könnte? Zitat JM: die statistiken habe nicht gerade zur hand; vielleicht besorge ich sie bei gelgenheit.
deutsch-deutsche ehen und beziehungen werden in einem rasanten tempo und manchmal in atemberaubender geschwindigkeit geschlossen und wieder aufgelöst...bikulturelle ehen und beziehungen dauern in der regel viel länger. man führt dies auch nicht zuletzt auf die gemeinsamen probleme, die die beiden partner zunächst für eine gewisse zeit gegen ein eher oft feindseliges soziales und familienumfled zusammenschweißen.
ein weiterer aspekt, der hinzugefügt werden darf, ist die einstellung des ausländischen partners, der aufgrund seiner kultur und erziehung oft mehr sinn für familie und kinder, sowie für zusammenhaltende familienstrukturen und all das, was eine familie mitträgt, aufweist. deutsche-deutsch ehen und beziehungen scheinen dagegen lockerer und freier, sind aber häufig so berechnet und von beiden partnern so auto-kontrolliert, dass sobald der eine oder andere seine interessen nicht mehr vertreten sieht, was bei der heutezutage singularisierten und individualsierten gesellschaft keine seltenheit ist, die partnerschaft beendet wird.
wenn eine bikulturelle ehe oder beziehung scheitert, wird meistens der kulturkonflikt in den vordergrund gestellt, wobei der meist männliche partner eindeutig die schuld trägt und die frage der schuld der frau, so gut wie nie gestellt wird, denn sie ist ja opfer und es kann - wie auch - bei dieser konstellation nicht anders sein ! dazu greife ich eine sehr nahes beispiel auf und zitiere ich gerne meriem:
Zitat Meriem: "Das sollte keine Verallgemeinerung auf alle arabischen Männer sein. Leider habe ich halt mal nur nicht so gute Erfahrungen gemacht, aber das liegt halt vielleicht einfach an den Männern und nicht an ihrer Kultur oder gar Religion. Ich wollte andere Frauen anregen, auch von ihren Erfahrungen mit binationalen Partnern zu berichten. Ich denke, ein guter und wirklich gläubiger Mann würde sich auch gut verhalten Frauen gegenüber." so einfach ist es: es reicht, wenn der (arabische) mann gut und gläubig ist, damit die ehe funktioniert. die (deutsche) frau ist es sowieso ! wenn man in deutschland jahrelang gelebt und sich mit allen wassern gewaschen hat, steigt einem das blut den hals beim lesen solcher zeilen, und man geht lieber einen kaffee holen als die tastatur in dem moment anzufassen !
zu der heuchlerei: aus meiner sicht vertrittst du eine in deutschland sehr verbreitete kleinstädtische sichtweise, die aus werten wie ehrlichkeit, geradlinigkeit gründlichkeit (die religion ist im herzen…) und ähnlichen tugenden schöpft.
in marokko (sowie in südländern allgemein) hat man ein feeling für pragmatismus, und man versucht ein teil seiner alltagsfragen und -probleme so zu lösen. in marokko werfen frauen eine jellaba über das pyjamat und ggfalls ein kopftuch über den kopf, wenn sie um die ecke bei der epicerie etwas besorgen und sich dafür nicht extran anziehen wollen, und sie schminken und kleiden sich entpsrechend, wenn der gang länger braucht und über wege führt, an denen sie ggfalls ihren wert im markt der anmache und der koketterie kurz checken wollen, etc. pp.
die katalanen kämpfen um ihre sprache in jeder ecke der stadt, zögern nicht ein nettes mädel in der disko in einwandfreies kastillanisch anzusprechen.
im süden fließt dies als gesellschaftliche nuancen, die mit affinität und gefühl zu tun haben, nicht aber mit kantigen rationalismen (im sinne kante und nicht kant \:\) ) zu erfassen sind, und den "geradlinigen" deutschen oft arge probleme bereiten !
leider muss ich gehen und meine zeilen zunächst beenden.
vielleicht nur noch die anmerkung zu deutschland und dem islam: die deutschen suchen erklärungen, zuverlässige, nicht komplexe, nicht zu differenzierte und nicht widersprüchliche. der islam scheint einiges davon zu geben. deswegen haben sie oft ein problem mit marokko, einem land, in dem die prostituion blüht und islamisten tertz machen, der alkohol verboten aber verkauft wird, frauen unterdrückt sind, aber auf der strasse laut lachen und einen durchaus mit augen und gesten anmachen, männer und frauen heute jellabas anziehen und in moscheen gehen, morgen in jeans herumlaufen und locker einen trinken …
es ist auch einer der gründe, so scheint es mir, warum gerade in einem in deutschland geführten forum über marokko solche themen wie kopftuch, islam u.ä. beliebt sind.
Man muß ja auch den Koran nicht immer neu erfinden, wenn es schon einen guten alten gibt. Leider postet JM nicht mehr: vielleicht hatte er - im Gegensatz zu dem Frager - einfach genug von den immergleichen Antworten? Josi
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