Ja, schon irgendwie: also der mit dem unaussprechlichen Wort.
Für Iskandar, Mitherausgeber einer neu erschienen umfangreichen Aufsatzsammlung zum Erbe Saids, ist es die Figur des Nomaden, die diese Haltung hartnäckiger Infragestellung des Gültigen und Gängigen paradigmatisch abbildet.
Hartnäckige Infragestellung des Gültigen und Gängigen. Paßt doch?
Es sei ein Kernanliegen Saids, des lebenslangen Exilanten und Pendlers zwischen den Welten, gewesen, das jenseits eindeutiger Hin- und Zugehörigkeiten liegende Zwischen als ethisch, politisch und epistemisch respektable Position zu etablieren.
Eine zu respektierende Position einfordern: ist es nicht das, was Du hier immer wieder unternimmst? Abgesehen davon, daß epistemisch auch nicht besser als stochastisch ist.
Den stets prekär bleibenden, in seinen Grenzen nie klar abzusteckenden Nicht-Ort des Out of Place einzunehmen, habe diesem geradezu als Voraussetzung für jedes tiefere Verstehen des Fremden und Anderen gegolten.
Stets prekär bleibend: ich weiß nicht recht - vielleicht bist Du dafür doch ein bischen zu sehr gut integriert in Marokko? Ich denke, das trifft eher auf mich zu: das tiefere Verständnis allerdings schreibe ich wieder mehr Dir zu - dazu bin ich zu sehr Partei, möchte auch Partei bleiben: Gerechtigkeit ist ja Dein eigentliches Thema, meines die Polarisierung (Du stoisch, ich polemisch).
Als anti-fundamentalistischem „Philosophen des Nomadismus“ sei es Said maßgeblich darum gegangen, starre, eindimensionale Begriffe von Heimat herauszufordern und – samt der damit einhergehenden unbeweglichen Überzeugungshaushalte und master narratives von Ankunft, Rückkehr, Geburtsrecht und Heiligem Land – aufzuweichen.
Den starren, eindimensionalen Begriff von Heimat herausfordern: das wird ja von Dir jedesmal sehr gut aus den Angeln gehoben, wohingegen der Rest des Textes akademisches Gelaber ist (master of narratives!).
An die Bewohner Palästinas und Israels ist Saids endlos wiederholte Erinnerung daran, dass das Eigene immer und notwendig unentwirrbar mit dem Anderen verwoben ist ...in besonderer Weise adressiert.
Daß das Eigene immer und notwendig unentwirrbar mit dem Anderen verwoben ist: das ist doch die (Selbst)Erkenntnis, der man sich als "Deutscher in Marokko" wie als "Marokkaner in Deutschland" nicht stellen will. Der eine kultiviert seine Ordnung und Pünktlichkeit auch dann noch, wenn er zu kleinen Jungens oder kleinen Mädchen geht, der andere schlaumeiert sich durch die Herzen von bedauernswerten Frauen und glaubt, er hätte Alexander den Großen besiegt: beide Gruppen sollte man weiträumigst meiden und wo man es nicht kann, in ihren Luftballon eine spitze Nadel stechen.
Das, so denke ich, machst Du hier seit Jahren und bist deshalb ein Saidianer.
Josi