Seit Jahren betrachte ich die "Errungenschaften" der Frauenbewegung unter dem Gesichtspunkt: was haben wir Frauen für uns und unsere Töchter erreicht, was haben wir aufgegeben und welchen Preis haben wir letzten Endes bezahlt (und war er gerechtfertigt)?

Auf einer Skala von 1 - 10


1) Die Kindererziehung hat sich eindeutig zum Besseren verändert - von einer sehr schwarzen Pädagogik hin zu einer etwas weniger schwarzen, was bedeutet: heute werden eben nur noch Oberarme gekniffen und dem armen Kind gesagt, daß es einen sehr, sehr traurig gemacht hat, aber es wird nicht mehr rituell zusammengeschlagen unter den Augen des gesamten Dorfes bis es in die Hose macht bzw. es behauptet auch keiner mehr, daß ihm eine solche Behandlung "nicht geschadet habe".

Plus 5

2) Mein Bauch gehört mir und die Pille: hier sehe ich einen Rückschritt im Schutz von Frauen, jungen Mädchen und Kindern wie er folgenreicher nicht sein könnte. Jedes Kind kann durch die Pille verhindert werden: also muß ein Mädchen jetzt mit jedem schlafen, der mit ihm schlafen will. Jedes Kind kann abgetrieben werden: also gibt es keinen Grund mehr, nicht schwanger zu werden.

Minus 5

3) Kinderhaben: 52 % der Hartz IV Empfängerinnen sind alleinerziehende Mütter. Das Problem von Heiraten, Kinderkriegen und Jungfräulichkeit ist demnach nicht gelöst, sondern auf die Allgemeinheit verlagert worden: also nicht VOR das Kinderkriegen, sondern DANACH. Die Männer werden massenweise fahnenflüchtig, die Frauen stehen alleine da: jetzt wird auch noch gekürzt.

Minus 8

4) Männergewalt: die Frauenbewegung hat nach einer langen Phase von "Erfolgen" auch einen massiven Flash-Back verursacht, der sich gegen Frauen insgesamt richtet: in der Gesetzgebung, in Medien, bei Gericht. Dieser Flash-Back ist in jeder Hinsicht salonfähig geworden, kommt unter falschem Namen daher ("Väterbewegung" "Väteraufbruch") und ist in Wirklichkeit dumpf, ultrarechts und rachsüchtig: laut einer Statistik des Jugendinstituts München sind es vor allem verlassene Männer (gewalttätige, saufende, hurende), die sich jetzt rächen und die Gewalt über ihre Frauen wiederbekommen wollen.

Minus 3

5) Doppelbelastung: das finanzielle Nichtversorgen einer Frau auch während der Kleinkindphase ist die Norm geworden, eine Frau, die etwas anderes erwartet wird sogleich als Schmarotzer hingestellt: auch von ihren Geschlechtsgenossinnen, die dumm genug sind, das Spiel mitzumachen (wie sie auch dumm genug sind, sich als Mädi's zu positionieren und sich dann zu beklagen, daß man sie nicht ernst nimmt).

Minus 4

6) Austauschbarkeit: das Liebesideal unserer Gesellschaft (auch und gerade von Frauen vehement eingefordert und verteidigt) bedeutet nichts anderes als: Liebe rechtfertigt alles. Also auch ein Austauschen einer alten Frau gegen eine neue Frau ohne jede Rücksicht auf den gesellschaftlichen Status, das Einkommen oder die Kinder der alten Frau.

Minus 2

Die Liste liesse sich noch weiter fortsetzen und sie dokumentiert, warum die Ehe geschützt werden muß, warum die Rituale, die zu einer Eheschliessung führen sollen, sanktioniert sind, warum eine Verlobungszeit notwendig ist und warum Väter und Brüder darauf achten sollten, daß niemand ihre Schwester/Tochter anrührt: es sei denn er übernimmt auch die Verantwortung für sie.

Ich erspare es dem Forum die 6 Punkte mit meinen marokkanischen (mittelalterlichen) Gesellschaftsnormen abzugleichen und welchen Schutz diese Mädchen und Frauen zu bieten in der Lage sind.

Josi